Familie Heidi und Rainer Scheunemann in Papua
 
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2012-08 Freundesbrief Nr. 34
Papua-Freundesbrief Nr. 34

Marburg, August 2012

Ihr Lieben,

 

da viele von euch darauf warten, zu erfahren, wie es unserer Familie in den letzten Monaten ergangen ist, möchte ich zunächst ein paar ausführlichere Zeilen zu unserer Familien­situation schreiben, bevor ich näher auf die Entwicklungen in unserem Dienst in Papua eingehe. Seit wenigen Tagen sind wir endgültig mal zu fünft als Familie zusammen in Marburg. Das hatten wir schon eine ganze Weile nicht mehr und so freuen wir uns darüber nun erstmal einige Monate zusammen sein zu können (Rainer wird zwar im Oktober wieder für einen Einsatz nach Papua fliegen, kommt aber im Dezember wieder).

 

Wir nehmen uns nach 16 Jahren durch­powern in Indonesien dieses Jahr zum ersten Mal einen etwas längeren Heimaturlaub bzw. längere Zeit für den Heimatdienst, um auch mal richtig viel Zeit für unsere eigenen Kinder zu haben, die ja doch so manches mal etwas zu kurz kamen aufgrund unseres hohen Arbeitspensums in Papua. Auch wollen wir in Deutschland viel über unseren Dienst berichten, um andere davon zu überzeugen, dass diese Arbeit wichtig und unterstützenswert ist. Unsere Arbeit in Papua ist also keineswegs dadurch beendet, daß wir mal in Deutschland sind, sondern sie geht weiter und wird momentan von den Einheimischen geleitet, die wir angelernt hatten. Die Zeit, die Rainer in Deutschland ist kann er zudem gut nutzen, um neue theo­logische Artikel und Unterrichtsmaterialien zu erstellen und um verschiedene seiner bereits erschienenen Bücher neu zu bearbeiten. Da wir in den letzten Jahren in Papua immer sehr eingespannt waren, ist es auch mal gut, in Deutschland durch viele gute Gespräche und Weiterbildungen wieder neu Kraft aufzutanken damit wir dann wieder richtig durch­starten können, wenn wir zurück nach Indonesien gehen. Da Rainer gerade ein neues Fünfjahresvisum bekommen hat, sehen wir das als Zeichen, dass unsere Arbeit weitergehen kann, soweit wir die dafür benötigte finanzielle Unterstützung von Freunden aus Deutschland zusammen bekommen sollten. Während ich mit den Kindern erstmal in Deutschland bleibe, wird Rainer im Oktober für ca. 8 Wochen nach Papua fliegen, um zu unterrichten, einige Absolviereungen von Abendbibel­schulkursen mitzuleiten, sowie neue Kurse zu starten, die inzwischen zwar schon fast vollständig von einheimischen Lehrern und Gemeinden geleitet werden können aber in der Gründungsphase eines neuen Kurses ist es für die einheimischen Pfarrer einfach immer gut, mit Rainer einen neutralen Berater und Mentor zur Seite zu haben, der nicht zu einem bestimmten Stammesgebiet gehört. Wir hatten in den letzten Wochen viele Möglichkeiten mit Freunden und Bekannten über unseren Dienst zu sprechen und haben viel Ermutigung erfahren. Es tut einfach gut, sich auch mal wieder in deutscher Spache austauschen zu können, denn in Papua gibt es diese Möglichkeit fast gar nicht. Weiterhin ist es schön, bei Gottesdiensten einfach mal  „Empfangende/r“ zu sein, und das Wort Gottes und die Atmosphäre aufsaugen zu können. Für Jan und Benjamin ist es gut, dass sie nun eine deutsche Schule besuchen können, damit sie sich ein besseres Bild von dem Leben in Deutschland und der deutschen Kultur machen können. Natürlich ist das nicht ganz einfach, aber es ist uns sehr wichtig, den Kindern diese Möglichkeit zu geben, Deutschland selbst einmal intensiv zu erleben, um dann später entscheiden zu können, ob sie hier eine Ausbildung machen möchten, oder eher im Ausland. So hat Jan in den Sommerferien schon ein dreiwöchiges Praktikum bei einem Installationsunternehmen gemacht und geht nun seit dem 13. August in die 12. Klasse der Martin Luther Schule in Marburg. Benjamin geht in die 8. Klasse derselben Schule, die in Fußnähe unserer Wohnung liegt. Nach den ersten beiden Schulwochen waren wir alle ganz positiv überrascht, wie gut der Einstieg geklappt hat. Ben hat bereits gute Freunde gefunden mit denen es viel zu Lachen gibt und er ist auch schon gleich in einem Fußballverein in eine gute Mannschaft aufgenommen worden und hat demnächst sein erstes Pflichtspiel in der C2 bei Blau-Gelb Marburg. Er hat jeden Tag zwischen 6 und 9 Stunden Unterricht. Das ist schon heftig, aber er kommt bislang gut damit klar. Jan hat Mathematik und Englisch als Leistungskurse und hat in Deutsch gleich Gedichte von J.W. von Goethe und Friedrich Schiller zu interpretieren. Da können dann auch die Eltern nochmal was lernen bei der gemeinsamen philosophischen Diskussion. Wir sind sehr dankbar, dass uns der Christustreff in Marburg, mit dem wir seit meinem BWL-Studium in Marburg verbunden sind, eine möblierte Gästewohnung zur Verfügung gestellt hat und so brauchen wir für die erste Zeit hier in Deutschland nicht eine neue Wohnung einrichten, wie dies ja in früheren Heimataufenthalten oft der Fall war. Wir merken, dass uns das ständige Herumreisen in den Heimataufenthalten in den letzten Jahren immer wirklich viel Kraft gekostet hat, denn verständlicherweise ist es mit drei Kindern schon sehr anstrengend, wenn man in Deutschland keine eigene Wohnung hat, wo man sich mal als Familie zurückziehen kann, sondern immer bei anderen Leuten zu Gast ist. Man kommt so natürlich nie so richtig zur Ruhe und für die Kinder ist das verständlicherweise keine optimale Situation. Julia hat letzte Woche ihr FSJ bei Operation Mobilisation in Mosbach beendet und fängt am 10. September mit dem einjährigen Studium am Studienkolleg in Marburg an, das sie benötigt, um ihre Hochschulzugangsberechtigung in Deutschland zu erlangen. Die bekommt man in Deutschland leider nicht so leicht, selbst dann nicht, wenn man - wie dies bei Julia der Fall ist - einen hervor­ragenden Schulabschluß mit Auszeichnung an einer internationalen Schule nachweisen kann. Nach dem Studienkolleg möchte Julia wahrscheinlich Tourismusmanagement studieren und sie überlegt derzeit, ob sie dies in Heilbronn oder evt. in Holland machen möchte. Nachdem Jan mitbekommen hat, wie schwierig es ist, in Deutschland einen ausländischen Schulabschluß anerkannt zu bekommen, überlegt er sich momentan, ob es nicht am besten wäre, wenn er dann doch gleich das Abitur in Deutschland macht. Das wird sich in den nächsten Monaten klären und wenn er bleiben möchte, werden wir sicher auch dafür eine Lösung finden. Jetzt wollen wir erstmal abwarten, wie sich die Kinder hier in Deutschland einleben. Jan geht momentan noch sowohl ins Fußball- als auch ins Basketballtraining und muß sich jetzt entscheiden, welche der beiden Sportarten er in den nächsten Monaten aktiv im Verein betreiben will, denn da er sehr viel Schule hat, bleibt ihm sonst kaum noch Zeit für andere Aktivitäten. Schön ist es auch, dass die Jungs sich im Teenkreis des Christustreff wohlfühlen und auch in der Gemeinde sofort Anschluß fanden und gerne zu den Gottesdiensten gehen, die immer sehr lebendig und für uns alle sehr wohltuend sind. Auch in unserer Heimatgemeinde, der Johannesgemeinde in Gießen, konnten wir bei Gottesdiensten und bei verschiedenen Besuchen von Unterstützern unseres Dienstes wieder bestehende Kontakte vertiefen. Die Johannesgemeinde organisierte sogar einen Pressetermin, und so haben mehrere Zeitungen in Giessen über unseren Dienst in Papua berichtet. Das war während der Fußballeuropameisterschaft, denn die Presse hatte Interesse gezeigt, einen Artikel darüber zu schreiben, wie es wohl kommt, dass eine Gießenerin in Papua eine Mädchenfußballmannschaft trainiert und dann auch noch nach Deutschland kommt, um beim hessischen Fußballverband eine Trainerlizenz zu erwerben (dazu später mehr).

 

Wie einige von euch schon wissen, bin ich (Heidi) ja schon etwas länger in Deutschland, da Julia nach ihrer starken Darminfektion Ende letzten Jahres doch nicht wie erhofft richtig genesen ist, sondern im Februar erneut so schlimm krank wurde, dass sie wieder ins Krankenhaus mußte. Da sie viele Nahrungsmittel nicht mehr vertrug und ständig starke Magenkrämpfe hatte, hatte sie so viel Gewicht verloren daß ihr Gesundheitszustand von den Ärzten als „kritisch“ bezeichnet wurde. Ich bin also sofort nach Deutschland geflogen, um so lange bei ihr zu sein, bis es ihr besser geht.. Nach einer ganzen Odysee von Arztbesuchen wissen wir inzwischen, dass Julia weder Gluten- noch Lactosehaltige Nahrung verträgt, denn seit sie Diät hält und auf diese Nahrungsmittel verzichet, hat sich  ihr Gesundheitszustand stetig verbessert und sie konnte die verlorenen Kilos wieder zunehmen. Sehr deprimierend war es für sie, die Erfahrung machen zu müssen, dass viele Menschen sie in dieser schweren Zeit einfach als „magersüchtig“  abgestempelt haben, weil sie halt so dünn geworden war. Es gab auch manche Stimmen, die uns als Eltern sofort beschuldig haben, wir hätten Julia nicht alleine nach Deutschland gehen lassen dürfen. Das hat uns schon traurig gemacht. Für Julia war diese Erfahrung aber auch sehr wertvoll, da sie nun sehr gut nachvollziehen kann, wie Menschen sich fühlen, die in einer ähnlichen Lage sind, und so hat Gott ihr schon aufs Herz gelegt, dass sie in Zukunft jungen Mädchen in solchen Situationen seelischen und geistlichen Beistand geben möchte. Krisen sind ja erfahrungsgemäß immer dafür gut, dass man gestärkt aus ihnen hervorgeht, nachdem man sie überwunden hat. Da Julia ein sehr sensibler Mensch ist, hat es ihr halt sehr zu schaffen gemacht, dass sie von vielen Leuten nicht richtig ernst genommen wurde und ihr Dinge unterstellt wurden, die nicht der Wahrheit entsprachen. Durch eine gute Therapie konnte aber  ihr Selbstbewußtsein wieder gestärkt werden. Auch ihr Darm und Stoffwechsel haben sich jetzt langsam wieder reguliert und sie kommt zu Kräften. Trotz vieler frustrierender Erlebnisse gab es aber auch Menschen, die einfach bereit waren mit uns und für Julia zu beten. Das war toll. Wir brauchen alle viel Gebet, dessen sind wir uns deutlich bewußt. Wie gut, daß wir liebe Freunde haben, die uns in dieser schweren Zeit mit Gebet, einem offenen Ohr und ermutigenden Worten unterstützt haben. Vor allem Familie Oesterle in Altensteig im Schwarzwald (auf dem Foto anbei), die selber früher mal als Missionare in Papua lebten und bei denen wir eine Woche Erholungsurlaub machen konnten, haben unser Herz mit ihrer großartigen Gastfreundschaft gestärkt.

 

Bevor ich nach Deutschland geflogen bin, hatte ich noch eine sehr intensive Zeit mit unserer Mädchenfußballmannschaft verbracht. Viermal die Woche wurde trainiert und an den anderen Tagen gab es Nachhilfeunterricht in Mathematik, Englisch oder Anleitung in Kleinunternehmerprojekten. Wir haben so häufig trainiert, da das große Papuaweite Futsalturnier anstand. Schließlich hat sich der Einsatz dann auch gelohnt, denn unsere junge Mannschaft wurde bei dem Turnier erneut Papuameister (wie auch schon im Jahr zuvor), obwohl ein paar andere Mannschaften ehemalige Nationalspielerinnen in ihren Reihen hatten. Zuvor hatten wir von Ende Dezember bis Mitte Januar in den Schulferien eine tolle Tour mit der Mannschaft nach West-Papua unternommen. Die Transportkosten wurden von einem Regierungsbeamten gesponsort, den Rainer bei einem Gottesdienst kennengelernt hat, wo Rainer gepredigt hatte. Schuhe und Trikots hat eine Sportartikelfirma gesponsort, mit der ich in Kontakt stand, weil ich bei einem Dorfentwicklungsprojekt mitgeholfen hatte und der Inhaber der Sportartikelfirma, der mit dem Leiter des Dorfentwicklungsprojektes befreundet ist von unserer Arbeit erfuhr und er so begeistert war, dass er gleich angeboten hat, unserer Mannschaft Fußballschuhe, Trikots und Trainingsanzüge für die Tour zu finanzieren. Manche Gebetserhöhrung geht über interessante Umwege. Leider gibt es nicht viele solcher Sponsoren, sonst könnten wir die Mädchen noch viel besser betreuen und auch besser in ihrer Ausbildung fördern. In West-Papua konnten wir in mehreren Testspielen gegen diese dort neu gegründete Provinz alle Spiele hoch gewinnen. Die Provinz in der wir wohnen heißt also jetzt nicht mehr West-Papua, sondern einfach nur noch „Papua“ Die Provinzhauptstadt heißt Jayapura. Die Provinzhauptstadt von West-Papua heißt Manokwari. Dort haben wir auch mehrere Spiele gegen die stärksten Teams der Region gemacht und mit 6-0,6-1,5-0 und 7-1 gewonnen. Wir besuchten auch mit der Mannschaft die Insel Mansinam, wo 1855 die ersten deutschen Missionare Ottow und Geißler in Papua gelandet waren und wo auch einige Grabstätten von Missionaren zu sehen sind, die ihr Leben für die Menschen in Papua gaben. Einmal spielten unsere Mädels im Stadion der Hafenstadt Sorong vor ca. 3.000 Zuschauern, die sogar dafür ein Ticket kaufen mußten. Der Erlös kam der dort beginnenden Mädchenfußballarbeit zugute. Wir gewannen das Spiel mit 14-0 und die Zuschauer waren begeistert, dass es Papuamädchen gibt, die so toll Fußball spielen können. Unser Auftritt gab den Mädchen dort einen großen Motivationsschub. Obwohl die Heimmannschaft so hoch verloren hat, war die Stimmung im Stadion sehr gut. In den Zeitungen wurde vom glorreichen Sieg unserer Mannschaft berichtet und unsere Mädchen waren mächtig stolz. Wir wurden auch in eine Gemeinde eingeladen, wo die Mädchen beim Jahresabschluß­gottesdienst ein gemeinsames Lied vortrugen. Der Zusammenhalt in der Mannschaft wurde auch auf dieser Tour noch mehr gestärkt. Jeden morgen gab es nach dem Frühstück eine Andacht zu einem Thema aus der Bibel, es wurde lautstarkt und begeistert miteinander gesungen und gelacht und wir haben auf der zweiwöchigen Tour ein ganzes Mathematikbuch durchgearbeitet, so daß die Mädchen nicht nur Kraft für die Beine sondern auch Saft für die „Birne“ bekamen. Viele der Mädchen erzählten mir anschließend, wie sie nun im Unterricht oft gefragt werden, wie es komme, dass sie plötzlich so gut rechnen könnten. Ein Mädchen wird jetzt immer von der Lehrerin nach vorne an die Tafel gerufen, um die Aufgaben zu erklären. Es liegt uns sehr am Herzen, dass die Mädchen eine gute Ausbildung bekommen und so freuen wir uns über jede, die einen guten Schulabschluß macht und mit dem Studium beginnen kann. Einige haben in diesem Jahr ihren Schulabschluß geschafft und haben mit dem Studium begonnen. Rainer hat im Mai ein Turnier für 12-15jährige Mädchen organisiert, bei dem wir wieder einige gute Nachwuchs­spielerinnen auswählen konnten, die nun in die bisherige Mannschaft nachrücken. Von Mai bis Juni gab es dann nochmal ein highlight, denn Rainer konnte mit der Mannschaft eine Tour nach Java machen, um dem nationalen Fußballverband zu beweisen, dass die Papuamädchen bereit sind, in einer National­mannschaft spielen zu können. Unsere Mädels gewannen gegen die stärksten Verbandsmannschaften in ganz Java, die bislang immer die Spielerinnen für die Nationalteams stellten. Auch diese Tour wurde wieder von einheimischen Sponsoren finanziert, die uns kennen und uns vertrauen. Es läuft eben alles über Beziehungspflege. In den Zeitungen in Papua wurden auch diese Erfolge hochgelobt mit der Titelüberschrift „Galanita Persipura gewinnt alles!“Wir hoffen sehr, dass nun ein Ruck durch den indonesischen Fußballverband geht und endlich wieder eine neue Nationalmannschaft gegründet wird, bei deren Aufbau wir gerne mithelfen würden, wie wir dies ja schonmal 2008 getan haben. Leider wurde allerdings Ende 2008 die Mädchen- und Damenfußballförderung in Indonesien eingestellt, weil angeblich nicht genügend Fördermittel zur Verfügung standen. Das liegt halt am korrupten System, das aber in den nächsten Monaten neu strukturiert werden soll. Wir werden sehen, was die kommenden Monate bringen. In der Zwischenzeit habe ich im Juli jedenfalls schonmal einen dreiwöchigen Leistungstrainerlehrgang in der Sportschule in Grünberg absolviert, um die C-Fußballtrainer-Lizenz zu erwerben. Der hessische Fußballverband hat mir netterweise diese Möglichkeit gegeben. Ich war die einzige Frau unter 21 Männern, die alle richtig gut Fußball spielen können. Nach zwei Wochen Lehrgang bat mich der Ausbilder, ob ich ihm helfen könnte, die U17 Hessenauswahl der Mädchen mit zu trainieren, die sich momentan auf den Länderpokal vorbereiten, der Anfang Oktober in Duisburg stattfindet. Das hat mich sehr gefreut, denn auf diese Weise kann ich einerseits noch viel lernen, wie moderner Fußball in Deutschlands Jugendauswahlmannschaften trainiert wird. Andererseits hoffe ich, dass ich den jungen Mädchen auch einen Schuß Motivation und Selbstbewußtsein mitgeben kann. Ich hatte sogar schon die Gelegenheit bekommen, vor versammelter Mannschaft einen Vortrag über unseren Dienst in Papua zu halten, dem die Mädels sehr aufmerksam gelauscht und viele Fragen gestellt haben. Außerdem kann ich durch diese Betreuertätigkeit, die ich als „Praktikum bzw. Weiterbildung“ für meine Arbeit in Indonesien ansehe, auch viele neue Kontakte mit Trainern und anderen fußballbegeisterten Leuten im deutschen Mädchen- und Damenfußballbereich knüpfen. Schön wäre es, wenn sich eine Möglichkeit ergeben könnte, dass wir mal zwei Spielerinnen aus Papua für einige Zeit nach Deutschland in einen Bundesligaclub einladen könnten, damit sie dort eine Weile am Trainings- und Spielbetrieb teilnehmen können. Auch dies würde einen riesigen Motivationsschub für den indonesischen Mädchenfußball bringen. Ende Oktober ist dann die Prüfungswoche in der Sportschule in Grünberg, wo ich eine Lehrprobe, sowie eine schriftliche und eine mündliche Prüfung ablegen muß, um die Trainerlizenz zu erlangen. Vorher bin ich im September auf dem sportmissionarischen Kongreß von Sportler ruft Sportler. Vielleicht ergeben sich ja auch dort noch interessante Kontakte mit fußballbegeisterten Christen, die ihren Glauben im Sport konkret vorleben wollen.

 

Anfang des Jahres kam übrigens mein völlig neu überarbeitetes und mit vielen neuen Materialien ergänztes Lehrbuch für Kleinunternehmerberatung aus der Druckerei. Eigentlich war es schon Ende vergangenen Jahres fertig, aber da hatte der Verlag ein neues Druckprogramm benutzt, bei dem alle Tabellen verrutscht sind und so mußte die ganze Auflage neu gedruckt werden. Netterweise hat die Druckerei wegen des von ihr verursachten Fehlers auch die Zusatzkosten für den Neudruck übernommen und so kann ich in Zukunft mit den neuen Büchern arbeiten, die toll geworden sind und für den Unterricht an Universitäten und Schulen, sowie für Mitarbeiter­schulungen in Gemeinden, Unternehmen, Regierungsbüros und in Nichtregierungsorganisationen einge­setzt werden können. Insbesondere Seminare, bei denen es um Dorfentwicklungsprogramme oder generell um Projekte zur Förderung der Unternehmer­tätigkeit in Papua geht, machen mir viel Freude. Vor allem dann, wenn die Teilnehmer motiviert sind, das Gelernte auch gleich praktisch umsetzen zu wollen. Rainer und ich überlegen zur Zeit, ob der workshop „Kleinunternehmerförderung“ offiziell in das Kursprogramm der Abendbibelschulen integriert werden soll. Dafür habe ich ein neues Kapitel ins Buch eingefügt, in dem es darum geht, wie man unternehmerisches Potential in Gemeinden entdecken und nutzen kann, um sowohl die Gemeindemitglieder selbst wirtschaftlich zu fördern als auch die Dienstmöglichkeiten innerhalb der Gemeinden durch Einnahmen aus einem Gemeindecafé, einem Getränkestand oder einem Gemeindekiosk zu verbessern. Es ist faszinierend wie wenig in Papua zu diesem Thema unterrichtet wird, denn die Seminarteilnehmer fallen immer aus allen Wolken, wenn ich ihnen einfachste wirtschafliche Zusammenhänge erläutere. Das haben sie alle noch nie gehört. So gibt es in diesem Bereich ganz viel Nachholbedarf. Man muß sich über jeden kleinen Erfolg freuen, denn in einem Gebiet, in dem die Menschen über Generationen hinweg Jäger und Sammler waren und zum Teil als Nomaden gelebt haben, kann man nicht durch ein paar Seminare das ganze Denken umkrempeln. Kontinuierliches, effizientes und diszipliniertes Arbeiten mit konkreten planbaran Zielen ist in Papua immer wieder ein schwierig umzusetzendes Unterfangen. So sind es weiterhin wie schon in den vergangenen Jahrzehnten die chinesisch stämmigen Indo­nesier und die muslimischen Händler aus Makassar und Java, die die Wirtschaft in Papua beherrschen. Die stark konsum­orientierten Papua merken oft gar nicht, wie sie durch ihr Konsumverhalten ihre Abhängikeit von dieser Gesellschafts­schicht verstärken. Planung und Investition ist den Chinesen in die Wiege gelegt, für Papuas sind diese Begriffe Fremd­wörter. Allerdings habe ich euch ja von Pendy Wenda erzählt, einem Papuastudenten, dem ich durch Mithilfe eines chinesischen Unternehmers ein Stipendium an einer Universität in Java vermitteln konnte. Dieser motivierte junge Mann hat inzwischen sein drittes Semester im Fachgebiet Tourismusmanagment erfolgreich abgeschlossen und strebt danach, ein Vorbild für die jungen Menschen in seinem Land zu werden. Er ist der einzige Papua überhaupt, der jemals an dieser christlichen Universität für Entrepreneurship studiert hat, an der fast nur die Kinder reicher chinesischer Unternehmer studieren. Es ist ein Wunder, dass Pendy, der ja früher mal Straßenjunge war, dort so gut zurechtkommt und natürlich kann er durch seine unbekümmerte, fröhliche Art auch gut Kontake zu Kommilitonen finden, die ihm in seinem späteren Leben als Unternehmer sehr zu Gute kommen werden. Ich freue mich rießig über Pendy, mit dem ich auch hier von Deutschland aus oft über Facebook und E-mail in Kontakt bin und so immer gut über seine Fort­schritte informiert bin.

 

Besonders gefreut hat mich auch, dass das Dorfentwicklungsprogramm, das ich für eine Firma aus Jakarta entwickelt habe, die sich für die Bevölkerung in einem entlegenen Gebiet in Süd-Sorong in Papua engagiert, sehr gut angeschlagen hat. Da ich aufgrund meines Visums keine bezahlte Arbeit annehmen darf, hatte ich meine Hilfe ehrenamtlich angeboten, weil die Bevölkerung dringend Anleitung brauchte, die Firma aber keine Vorstellung davon hatte, wie man in einem so schwer zugänglichen Gebiet die Menschen vernünftig anleiten könnte, unternehmerisch tätig zu werden. Als Dank für meinen Einsatz spendete die Firma dann später ein gebrauchtes Auto für unseren Dienst mit den Fußballmädchen und für Rainers Predigdienste. Das war äußerst faszinierend, denn da unser altes 16 Jahre altes Auto das kurz vor der Verschrottung steht, keine Klimaanlage hat, kam Rainer von jedem Unterricht schweißgebadet nach Hause. Seither nutze ich das alte Auto, um zum Trainingsplatz zu kommen und um die Mädchen nach dem Training nach Hause zu fahren und Rainer kann zeitgleich endlich schweißfrei zu Predigt- und Unterrichtsdiensten fahren. An Spieltagen können wir mit beiden Autos die ganze Mannschaft transportieren, ohne dass wir für viel Geld ein zusätzliches Auto chartern müssen. Super! Das Auto war eine Gebetserhörung, denn da auf unserem Spendenkonto gähnende Leere herrscht hätten wir uns selbst gar kein Auto leisten können und wären bald ganz auf den äußerst unregelmäßig fahrenden öffentlichen Verkehr angewiesen gewesen. Gott wußte eben schon mal wieder vorher, was wir wann brauchen und hat uns so dieses Auto zur Verfügung gestellt. Trotzdem macht es uns etwas zu schaffen, dass auf unserem Spendenkonto bei der VDM ständig ein Defizit ist, obwohl wir noch nicht mal unsere Visa- und Schulkosten abgerechnet haben. Wenn ein paar Leute von euch Lesern jeden Monat ein paar Euro überweisen würden, würde das unseren Dienst in Papua enorm erleichtern. Konkret bräuchten wir eigentlich 50 Leute zusätzlich, die jeden Monat 20 Euro spenden... oder eben 20 Leute, die jeden Monat 50 Euro spenden, oder 10 die 100 Euro geben möchten. Wenn du unsere Arbeit in Papua gut findest und dabei helfen kannst, dann bitte nutze die Spendendaten am Ende des Rundbriefes. Es ist einfach eine Tatsache, dass unser Dienst auf Spenden angewiesen ist, und wenn zu wenig Spenden reinkommen dann werden wir zwangsläufig nicht mehr lange die Möglichkeit haben, ihn fortzuführen, da auch unsere privaten Ersparnisse begrenzt sind, die wir für Haus und Ausbildung der Kinder vor langer Zeit für unsere Rückkehr angespart hatten. Herzlichen Dank. Denjenigen von euch, die schon seit vielen Jahren finanziell unsere Arbeit unterstützen sei hiermit nochmal ein ganz herzliches Dankeschön ausgesprochen. Ihr seid diejenigen, die es uns ermöglichen unseren Dienst für die Menschen in Papua weiter zu tun.

 

Rainer wird am 5. Oktober wieder nach Papua reisen, um dort an mehreren Absolvierungsfeiern der Abend­bibelschulkurse teilnehmen zu können und um bei der Neugründung von Kursen als Mentor beratend zur Verfügung zu stehen. In mehreren Blockseminaren wird er auch an verschiedenen Orten unterrichten. Auch kann er dann eine ehemalige Bundesligaspielerin anleiten, die angeboten hat, unsere Mädchenmannschaft während meiner Abwesenheit zu betreuen. Maureen war vor ein paar Monaten schonmal zu einem Kurzeinsatz in Papua gewesen und die Mädchen sind ihr so ans Herz gewachsen, dass sie nun für einen längeren Einsatz dorthin gehen möchte, um diese Arbeit zu unterstützen. Ich habe Maureen letztes Jahr bei einem Trainerkurs kennengelernt, der in Indonesien angeboten wurde. Dort haben sich Christen getroffen, die sich ehrenamtlich dafür einsetzen, dass Kinder durch das Engagement im Fußball von Drogen, Alkohol und Kriminalität abgehalten werden. Dieses Jahr im April hat unser Sohn Jan an diesem Trainerlehrgang teilgenommen und dabei auch eine Menge neuer Erfahrungen sammeln können, die er sicher mal beim Training mit Kindern anwenden kann. Er hatte ja auch schon oft beim Training unserer Torhüterinnen geholfen.

 

Rainer:

Es ist für uns immer wieder ein großes Vorrecht, so viele Möglichkeiten zum Dienst und eine positive Aufnahme von den Menschen in Papua zu erleben. Beim letzten Unterricht zu meinem  34. Semester an der theologischen Hochschule in Jayapura durfte ich die Freude, Dankbarkeit und die sehr positive Aufnahme der 72 Studenten im meinem Kurs „Neues Testament-Hermeneutik“ erleben. Die Studenten arbeiteten sehr gut mit und machten große Fortschritte. Dankbar sind wir auch für die drei neuen Abendbibelschulklassen, die im Oktober beginnen werden und dass in diesem Monat  mein Buch über die Gleichnisse Jesu von einem großen indonesischen Verlag veröffentlicht wurde. Zum 50. Jubiläum der Ankunft des Evangeliums in Apahapsili im Hochland von Papua übersetzte ich das Buch von Helmut Bentz „Lebenszeichen aus der Steinzeit“ ins Indonesische. Ziel war es,  damit die dortige Bevölkerung von den Anfängen der Mission zu unterrichten. Die Ressonanz zu diesem Buch ist enorm gut. Zur Zeit bin ich in der letzten Phase der Bearbeitung eines Sammelbandes unter dem Titel „Kirche und Mission in Papua“, den zwei meiner Kollegen im Masterprogramm (Leiter der Theologischen Hochschule und Leiter des Masterprogramms) und ich gemeinsam herausgeben. Er beinhaltet 26 Aufsätze und Vorträge über verschiedene aktuelle geistliche, theologische, gemeindespezifische, pädagogische und gesellschaftliche Themen. Ich hoffe sehr, daß ich die Vorlage des Buches Anfang September zum Druck abschicken kann. Unsere Hoffnung ist es, daß dieses Buch eine Hilfe für Erneuerungen im Dienst in der Kirche und in der Gesellschaft in Papua werden kann.

 

Text Box: seid alle ganz herzlich gegrüßt von
Rainer, Heidi, Julia, Jan und Benjamin
Wir freuen uns, dass wir viele von euch schon treffen konnten während unseres Heimatdienstes. Dienjenigen von euch, die uns gerne noch treffen möchten oder wenn ihr möchtet, dass wir mal in eurem Hauskreis oder eurer Gemeinde einen Vortrag über unsere Arbeit halten, dann ladet uns doch bitte  einfach ein und wir versuchen, einen Termin für einen Besuch möglich zu machen. Bis dahin...

 

Wenn du unsere Arbeit sinnvoll und wichtig findest und sie deshalb finanziell unterstützen möchtest dann freuen wir uns riesig darüber, wenn du mit deiner einmaligen oder monatlichen Spende (Dauerauftrag) ein Unterstützer unseres Dienstes in Papua wirst. Herzlichen Dank für alles Mitbeten und Mittragen! Bitte unsere Missionarsnummer AC 260000 bei Überweisungen unbedingt im Verwendungszeweck angeben damit die Spenden im Büro  richtig zugewiesen werden können. Herzlichen Dank!

 

Spendenkonto für den Dienst von Familie Pfarrer Dr. Rainer und Heidi Scheunemann:

            Name: VDM e.V.

            Bank: Volksbank Syke

            BLZ: 291 676 24;

            Konto: 12 577 600

            Verwendungszweck:

AC 260 000 R. und H. Scheunemann, Papua

 

Zusätzliche Daten für den internationalen Zahlungsverkehr:

BIC: GENODEF1SHR

IBAN: DE33 2916 7624 0012 5776 00

 

Spendenbescheinigungen werden am Ende des Jahres zugestellt. Bitte gebt hierfür bei der ersten Über­weisung eure vollständige Adresse an. Ansonsten wird die VDM bei uns nach deiner Adresse fragen und ich nehme an, dass es dir dann recht ist, wenn ich deine Adresse dann zu diesem Zweck weitergebe. Jeder Spender bekommt auch eine Infobroschüre der VDM, in der regelmäßig über die Arbeit der VDM-Missionare berichtet wird.


Unsere Einsatzbereiche in Papua  
  Theologischer Unterricht
Abendbibelschule
Gemeindedienste
Evangelisationen
Kindergottesdienst
Teenclub
Strassenkinderarbeit
Kinder- und Jugendfußballförderung
Indonesische Frauen-Fussball-Nationalmannschaft
Mädchen-Volleyballclubs "Haleluya"
Kleinunternehmerberatung
Strategien zur Armutsbekaempfung
Wirtschaftsschule
Capacity builing (Coaching von Junglehrern)
Leiterschaftstraining
Musik (VCD-produktionen)
Aids-Aufklärung
 
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