Familie Heidi und Rainer Scheunemann in Papua
 
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2010-05 Freundesbrief Nr. 29

Papua-Freundesbrief Nr. 29

Waena, Mai 2010

Ihr Lieben,

in wenigen Tagen sitzen wir im Flugzeug nach Deutschland, wo wir am 2. Juni ankommen und dann wieder mal durch ganz Deutschland touren. Der ganze Juni ist schon voll mit Terminen. Wieder einmal ist unsere Zukunft ungewiss. So war es auch bei den letzten beiden Heimataufenthalten 2006 und 2009. Jedes Mal wussten wir nicht, ob es eine Möglichkeit geben würde, dass wir wieder ausreisen können und wenn ja mit welcher Organisation. Aber wie zuvor haben wir den festen Glauben, dass Gott einen Ausweg für uns weiß und haben bereits ein Rückflugticket gekauft. Die Unsicherheit treibt uns immer wieder in die Arme Gottes, denn er ist mal wieder der einzige, der weiß, was die nächsten Jahre für uns für Aufgaben bringen werden. Unser Vertrag mit CFI läuft im Sommer aus und kann leider aufgrund von sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen nicht verlängert werden. Wir müssten ein ganzes Jahr nach Deutschland kommen, damit wir danach wieder mit einer Partnerorganisation mit einem Entwicklungshelfervertrag ausreisen könnten. Diese Option haben wir zwar bedacht, aber es gibt viele Gründe, warum wir uns entschieden haben, dass ich (Heidi) mit den Kindern auf jeden Fall am 12. August (rechtzeitig zum Schulbeginn) wieder nach Papua ausreisen werde. Rainer müsste dann eventuell etwas später nachkommen, je nachdem welcher Zeitraum notwendig ist, damit wir unseren Versicherungsschutz in Deutschland nicht verlieren.


Die Gründe für unsere Entscheidung in Papua zu bleiben sind folgende:

Ø  Da ist zunächst Julias Schulausbildung. Sie hat sehr erfolgreich ihr 11. Schuljahr in der internationalen Schule abgeschlossen. Im letzten Jahr hat sie nicht nur ihre englischen Sprachkenntnisse perfektioniert sondern hat es durch intensiven Unterricht geschafft, sich nun auch in der französischen Sprache fließend unterhalten zu können. Somit spricht sie jetzt vier Sprachen fließend (deutsch, indonesisch, englisch und französisch).
Für ihr junges Alter von 16 Jahren und ihren zukünftigen Berufswunsch in der Tourismusbranche ist das ein gewaltiger Vorteil. Das 12. Schuljahr wird ihr letztes hier in Papua sein und anschließend möchte sie nach Marburg, um dort am Studienkolleg ihre Hochschulzulassung zu bekommen. Dann will sie ein freiwilliges soziales Jahr in einem französischsprachigen Land machen und anschließend (voraussichtlich in Marburg) studieren. Würden wir in diesem Jahr schon nach Deutschland gehen, dann würde dieser Schulwechsel im letzten Schuljahr für Julia enormen Anpassungsstreß bedeuten und alle Pläne auf den Kopf stellen, denn in Deutschland ist das Kurrikulum ja völlig anders als an der internationalen Schule. Sowohl Julia als auch Jan wollen unbedingt hier die Schule weitermachen, wo sie im letzten Jahr auch viele neue Freunde gefunden haben. Jan hat sich im letzten Schuljahr enorm gesteigert und spricht jetzt auch fließend englisch. Er hat auch in der Schulband als Schlagzeuger mitgespielt und wurde außerdem als bester Basketballspieler seiner Schulmannschaft gelobt.

Auch für Benjamins weitere Schulausbildung ist schon alles geklärt. Co-Workers International hat für uns schon einen neuen Fernschulhelfer für das kommende Schuljahr für Benjamin gefunden, denn Ben wird mit deutschem Fernschulmaterial unterrichtet. Benjamin hat im letzten Jahr mit unserer engagierten Lernhelferin Helen Sachs nicht nur Schulunterricht gemacht (er ist jetzt in der 6. Klasse) sondern auch viel Fußball gespielt, denn Helen war auch fleißig als Assistenztrainerin bei der Stadtauswahlmannschaft aktiv, wo Benjamin auch mittrainiert hat. Ben spielt sonntags mit Freunden in der Halle der internationalen Schule Fußball und ansonsten genießt er es, mit seinen Papuafreunden zu allen möglichen Abenteuern unterwegs zu sein.

 

Ø  Der zweite Grund für unsere Entscheidung in Papua weiter zu arbeiten ist die ausdrückliche Bitte der einheimischen Kirchenleitung, dass wir ihnen bei der Neustrukturierung und effektiveren Durchführung von Gemeindeschulungen in ganz Papua behilflich sein sollen. Bei einem Treffen mit der Kirchenleitung Ende April wurde unsere bisherige Arbeit in Papua sehr gelobt und wir wurden von allen Anwesenden Führungspersönlichkeiten gebeten unseren Dienst in Papua weiterzuführen. Die Bitte der Kirchenleitung an uns bezieht sich nicht nur auf Rainers theologischen Unterricht an der theologischen Hochschule und sein großes Engagement in der stetig wachsenden Abendbibelschulbewegung hier in Papua, sondern auch auf die Förderung von Kleinunternehmertum innerhalb der einheimischen Kirche was ja in meinen Aufgabenbereich fällt. Im März wurde ich (Heidi) gebeten, in der Synode dieser zahlenreich stärksten evangelischen Kirche Papuas (GKI) ein Seminar für alle Bereichsleiter „Wirschaftsförderung“ aus allen Kirchenkreisen aus ganz Papua zu halten. Eine Woche lang haben wir von morgens bis abends Strategien herausgearbeitet, wie Gemeindeglieder in Papua besser gefördert werden können, ihre kleinen Unternehmen zu leiten. Es gab eine sehr gute Resonanz und auch hohe Regierungsvertreter waren eingeladen mit zu diskutieren. Ich wurde gleich gebeten in den nächsten Monaten in verschiedenen Landkreisen weitere Seminar anzubieten, um Mitarbeiter zu coachen. Letzte Woche war ich in Süd-Sarong und habe dort ein Seminar mit 60 Kleinunternehmern geleitet. Die Regierung hatte mich dazu eingeladen. Es ist faszinierend, wie schnell man in Papua Fortschritte erzielen kann, wenn Regierung, Kirche und Bevölkerung motiviert sind im Ausbildungssektor und in der Förderung von Kleinunternehmern effektiv zusammenzuarbeiten. Nachdem ich die Chance hatte ein persönliches Gespräch mit dem Landrat von Süd-Sarong zu führen hat er mich gleich gebeten einen offiziellen Empfehlungsbrief mit meinen Vorschlägen zur Verbesserung des Ausbildungssystems an ihn zu schreiben, der bei den nächsten Sitzungen besprochen werden wird. Es gibt trotz oftmals großer Gegenwehr aufgrund korrupter Einzelpersonen dennoch viel Offenheit bei vielen Einheimischen, die sich nach Fortschritt sehnen. So lange wir von ihnen selbst darum gebeten werden, wollen wir uns so gut wir können dafür einsetzen, um die Papuas auf diesem Weg zu begleiten.

 

Ø  Ein dritter Grund in Papua zu bleiben ist der, dass wir unser neues Visum, das wir im November letzten Jahres bekommen haben und das wir noch für mehrere Jahr verlängern könnten, verlieren würden, wenn wir ein Jahr nach Deutschland gehen sollten (bzw. wenn wir zum Termin der Visaverlängerung im November nicht im Land sind). Es ist momentan äußerst schwierig für Ausländer überhaupt ein Visum für Papua zu bekommen und viele unserer Freunde mussten bereits das Land verlassen, obwohl sie gerne geblieben wären. So wäre es sehr schade, wenn wie diese Möglichkeit nicht nutzen würden.

Ø  Ein vierter Grund für unsere Entscheidung nach Papua zurückzukehren (bzw. an dem Ort zu bleiben, zu dem Gott uns in seinen Dienst berufen hat) ist der, dass wir im November letzten Jahres begonnen haben, eine ganz junge Mädchenfußballauswahlmannschaft zu trainieren. Im Oktober hatten wir mit Unterstützung des Bürgermeisters der Stadt Jayapura ein Turnier zwischen allen Schulen in Jayapura organisiert und dabei 30 Mädchen selektiert, von denen letztlich 22 in die Stadtauswahlmannschaft gekommen sind. Mit dieser Mannschaft von Mädchen, die alle zwischen 13 und 18 Jahren alt sind, wollen wir eine starkes Papua-Juniorinnenteam bilden und somit die Weichen dafür stellen, dass in den kommenden Jahren immer mehr junge Papuspielerinnen in die indonesische Juniorinnennationalmannschaft und auch in die Seniorinnennationalmannschaft aufgenommen werden können. Ehrlich gesagt spielt unsere Mädchenmannschaft jetzt schon besser als die Auswahlmannschaft von Papua, bei der ich 2005 selbst mitgespielt habe und mit der wir damals die indonesische Meisterschaft gewonnen haben. Weil wir keine gleichstarken Gegner mehr finden konnten, haben wir in den letzten Wochen schon dreimal gegen Jungen- und Männermannschaften gespielt, wobei wir zweimal unentschieden gespielt haben (jeweils 3:3) und einmal ganz knapp gegen eine gleichaltrige Jungenmannschaft einer Fußballschule mit 2:1 verloren haben. Alle Spiele gegen die stärksten Mädchenmannschaften aus der Gegend hatten wir zuvor hoch gewonnen (zum Teil zweistellig). Diese Mädchen haben unglaublich gutes Potential als zukünftige Nationalspielerinnen Erfolge für Indonesien zu erzielen. Deshalb ist es so wichtig, dass wir die Trainingsarbeit fortsetzen und damit auch immer wieder einheimische Trainer integrieren und motivieren können, sich mehr für den eigenen Nachwuchs einzusetzen. Nachdem wir in einem Freundschaftsspiel gegen den Sieger eines Männerturniers 3:3 gespielt haben (eine Männermannschaft von über 35jährigen Männern in der auch ehemalige Profispieler mitgespielt haben), waren die Mädchen und Frauen unter den Zuschauern des Spielortes (ca. 400 Leute) so begeistert, dass sie im Anschluss gleich beschlossen haben nun auch eine Mädchenmannschaft zu gründen. Zu dem Spiel kamen sogar zwei Fernsehteams von lokalen Fernsehsendern, die eine Zusammenfassung mit Interview von Rainer und mir ausgestrahlt haben. Wir wollen Werbung für den Papua-Mädchenfußball machen. Die Eltern sollen stolz auf ihre Kinder sein und ihnen auch eine bessere Schulbildung ermöglichen. Wir hoffen, dass wir in Zukunft auch talentierte Kinder aus anderen Gebieten selektieren können und ihnen Wohnheimplatz in Jayapura anbieten können, wo sie eine bessere Schulausbildung bekommen können als in ihren Heimatdörfern. Wir wollen Sponsoren finden, die dazu beitragen können, dass mehrere talentierte Kinder ein Stipendium bekommen können und somit soll der Erfolg im Fußball auch dazu beitragen, dass sich das Ausbildungsniveau der Spielerinnen verbessern kann. Am 6. Juni um 16.00 Uhr wird zum Beispiel in der Hochschule für Musik und Kunst in Köln von der deutsch-indonesischen Gesellschaft eine Benefizveranstaltung für die Mädchenfußballarbeit in Papua sein. Wir werden dort einen kurzen Bericht geben und Rainer wird ein paar Lieder singen. Ihr seid herzlich eingeladen. Sabine Kügler („Dschungelkind“) wird auch dort in Köln dabei sein. 

Ø  Seit Februar diesen Jahres engagiert sich die Johanniter Unfallhilfe in Papua. Ich wurde gebeten bei der Vorbereitung eines Workshops zu helfen und die Teilnehmer mit zu betreuen. Es hat mir viel Spaß gemacht, mit den Leitern dieses “Training of Trainer – Worshops” zusammen zu arbeiten, die aus Medan (Sumatra) angereist kamen. Wir haben talentierte junge Papuas selektiert, die in den kommenden Wochen in mehreren theoretischen und praktischen Trainingseinheiten ausgebildet wurden, Erste-Hilfe-Kurse für die einheimische Bevölkerung durchzuführen. Die Teilnehmer waren äußerst motiviert und sehr kreativ als es daran ging, Material für die Präsentationen in Schulen, Universitäten und Dörfern zu erstellen. Auch Vorsorgemaßnahmen für Katastrophenhilfe werden in diesen Kursen unterrichtet. So wird zum Beispiel erklärt, was man im Falle eines Tsunami, einer Überschwemmung, eines Erdrutsches oder eines Erdbebens tun sollte und wie man Verletzte versorgt. Es wurden 6 Vollzeittrainer/Innen ausgewählt, die seit April an 4 Tagen in der Woche Kurse in Erste-Hilfe anbieten. Schon über 2.000 Leute haben an diesen Kursen teilgenommen. Jeder Kurs wird mit 2 Papua-Trainern, einem erfahrenen Supervisor aus Medan und 20 Teilnehmern durchgeführt. Jeder Teilnehmer darf auch selbst praktische Übungen machen. Zum Beispiel kann man lernen, wie man einen Verband richtig anlegt, wie man einen Knochenbruch schient oder wie man eine bewusstlose Person nach einem Badeunfall oder nach einem Herzinfarkt wiederbelebt oder wie man eine bewusstlose Person nach einem Verkehrsunfall versorgt und in die stabile Seitenlage bringt. Ich würde gerne mithelfen, dass solche Kurse von der Johanniter Unfallhilfe auch in anderen Landkreisen angeboten werden können, denn so können viele Leben gerettet werden.

Ø  Aufgrund meiner Erfahrungen, die ich von 2003 bis 2009 bei meiner Mithilfe zum Aufbau der Wirtschaftsschule im Hochland gemacht habe, wurde ich im letzten Monat gebeten ein Konzept zu entwickeln, wie man solche praktischen Trainingseinheiten auch für die Dorfbevölkerung in einem abgelegenen Gebiet in Süd-Sorong anbieten könnte, wo demnächst eine Sago-Fabrik gebaut werden soll. Der Sago-Unternehmer ist Christ und hat es sich zum Ziel gesetzt, das Ausbildungsniveau in dieser Gegend so zu erhöhen, dass so viele Einheimische wie möglich davon profitieren können und später auch gute Arbeitsplätze bekommen können bzw. sich mit einem eigenen Unternehmen eine bessere Zukunft ermöglichen können. Die Bevölkerung hofft, dass die Fabrik so schnell wie möglich gebaut wird, denn sie können dann sofort bei der Sagoernte mithelfen und das Geld verdienen, was sie als Anfangskapital für ihre Kleinunternehmen oder für die weiterführende Ausbildung ihrer Kinder brauchen. Nachdem ich zunächst etwas kritisch war, da ich kein Freund großer Unternehmen bin, die mitten im Dschungel eine Fabrik bauen wollen, habe ich mich letztendlich doch dazu überreden lassen, selber hinzufahren, um mir ein Bild der Lage machen zu können. Zu Feldforschungen bin ich daraufhin nach Süd-Sorong geflogen. Zunächst 3 Stunden mit dem Flugzeug, dann 6 Stunden mit dem Jeep auf Matschstraßen, anschließend 5 Stunden mit dem Motorboot zuerst übers Meer und dann in Flüsse hinein, rechts und links nur von Dschungel umgeben. Tatsächlich gibt es dort Sagopalmen so weit das Auge reicht und die meisten dieser Palmen werden nie geerntet, weil es einfach unglaublich viele sind und sie ständig nachwachsen. Riesiges Potential wird dadurch nicht genutzt. Aus Sagopalmen wird Stärke gewonnen und ein Wissenschaftler aus Malaysia den ich auch unterwegs getroffen habe hat herausgefunden, dass die Qualität der Stärke, die aus Sagopalmen in diesem Gebiet gewonnen werden kann, wesentlich höher ist, als die Qualität in anderen Gebieten dieser Welt.


Als wir in den Dörfern ankamen wurden gleich große Treffen mit der ganzen Dorfbevölkerung organisiert, denn von Beginn an wurde die Bevölkerung von der Unternehmensleitung in alle Entscheidungen und Planungen aktiv mit einbezogen. In einem Dorf wurde ich sogar mit einem traditionellen Willkommenstanz begrüßt, wozu ich einen Grasrock übergezogen bekam (über meine Hose drüber) und dann habe ich mit den Frauen mitgetanzt, was für ziemlich gute Stimmung gesorgt hat. Da war der Bann gebrochen und wir haben stundenlang geplaudert. Mir wurde gesagt, dass ich die erste weiße Frau sei, die jemals in dieses Gebiet gekommen wäre. Interessant fand ich in diesem Zusammenhang, dass es trotz der großen Entfernung bis zur nächsten Stadt (5 Stunden mit dem Motorboot) dennoch in allen Dörfern schon Solaranlagen, Generatoren und Fernseher gab, die die einheimische Regierung auf Wunsch der Bevölkerung dort installiert hatte. In jedem Dorf gibt es unglaublich viele Kinder aber leider nur zwei Lehrer. An keinem der Tage, an denen ich im Dorf war, fand Unterricht statt. Die Lehrer waren mal wieder nicht da. Das wird sich hoffentlich bald ändern, wenn das Sagounternehmen zusätzliche Lehrer unter Vertrag nimmt, die die Kinder unterrichten werden. Faszinierend war es, jeden Tag frische Krabben zu essen und in einer Hütte mitten im Dschungel zu schlafen. In einem Dorf sollte ich eine Ansprache vor der ganzen Dorfbevölkerung halten und auch ein Gebet sprechen. Es war ein tolles Erlebnis. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass die Leute so motiviert sind und so sehr hoffen, dass endlich jemand kommt und ihnen hilft, wie sie ihre Produkte vermarkten können. Sie wissen ja aus dem Fernsehen, dass es auch eine ganz andere Welt dort draußen gibt. Also jedenfalls habe ich einen ziemlich langen Bericht mit vielen Empfehlungen an die Unternehmensleitung geschickt. Wenn auch nur ein Teil der Wünsche der Einheimischen  umgesetzt werden kann, wäre das schon wunderbar. Ich würde dann noch öfters in diese Gegend fahren, um bei der Umsetzung des Dorfentwicklungsplans, der auch von der dortigen Kirche sehr unterstützt wird, mitzuhelfen.

Ø  Es gäbe noch viele andere Gründe, warum wir in Papua bleiben wollen, aber die genannten sind für uns schon stichhaltig genug. Wir denken einfach, dass man an dem Ort, an dem man seine Gaben am besten nutzen kann und an dem man Möglichkeiten hat, Menschen zu motivieren und ihnen helfen kann, ihre eigenen Fähigkeiten zu entdecken und besser zu nutzen sicher am richtigen Platz ist.

 

Im Juni wird die Missions-Organisation bei der die GKI angefragt hatte, ob sie uns unter Vertrag nehmen würde, entscheiden, ob sie uns übernehmen können. Aber dieses Angebot (falls es denn zu einem Angebot kommt) gilt erst ab Januar 2011. Das heißt momentan suchen wir eine Möglichkeit, wie wir die Zeit zwischen 11. August (Vertragsende bei CFI) und dem 1. Januar (evt. Vertragsbeginn mit neuer Organisation) so überbrücken können, dass wir keine Schwierigkeiten mit sozialversicherungsrechtlichen Bestimmungen bekommen. Wer einen Tipp für uns hat, kann uns den gerne zukommen lassen (am besten per E-Mail Heidi_Scheunemann@yahoo.de). Rainer würde auch länger in Deutschland bleiben können, wenn dies aufgrund irgendwelcher arbeitsrechtlicher oder sozialversicherungsrechtlicher Regelungen notwendig sein sollte. Wichtig ist halt, dass ich mit den Kindern rechtzeitig zum Schulbeginn wieder in Papua bin.

 

Veränderungen in Papua

Rainer: Die Entwicklungen in Papua vor allem in den Städten sind rasant. Vor allem durch die Einwanderung einer großen Zahl von West-Indonesiern (vor allem Javanesen und Leute aus Süd-Sulawesi) verändert sich das Bild in Papua sowohl wirtschaftlich als auch kulturell. Überall werden neue Geschäfte, Regierungsgebäude und Wohnblocks gebaut. Die Straßen sind mit Autos und Unmengen von Motorrädern überflutet, so dass es täglich neue Unfälle und überall Staus gibt. Vor einigen Jahren fuhr ich in ca.10 Minuten mit dem Auto zur theologischen Hochschule, jetzt aber brauche ich oft sogar 30-40 Minuten für die gleiche Srecke.

 

Das „typische Papua“ wird mehr und mehr „indonesianisiert bzw. javanisiert“. Der islamische Einfluss wird immer stärker. Die Christen in Papua sind auf dem Weg zur Minorität. Fraglich ist nur ob die Christen eine Minorität mit guter Qualität sein werden oder ob sie bald beginnen mit dem Strom mitzuschwimmen, weil es an geistlichen Grundlagen, Standfestigkeit und ganzheitlicher Dienstvision mangelt.  In dieser Situation ist es meines Erachtens wichtiger als je zuvor, dass die Gemeindeältesten und Gemeindemitglieder gut geschult werden und ihre theologischen und dienstlichen Fähigkeiten bis hin zur Eigenständigkeit gefördert werden. Die sind ja auch Ziele der Abendbibelschulkurse, die wir in der Papuakirche anbieten. Sehr erfreulich ist für mich die Entwicklung, dass immer mehr Gemeinden großes Interesse am Abendbibelschulprogramm zeigen und dieses Programm in ihren Gemeinden anbieten wollen. 

 

Seit 1999 sind die insgesamt 53 Jahreskurse in 14 verschiedenen Städten von insgesamt 1691 Absolventen erfolgreich abgeschlossen worden. Momentan sind 15 Jahrgänge in verschiednen Gemeinden am Laufen. An den Kursen nehmen vor allem die Kirchenältesten teil, aber auch viele junge Gemeindemitarbeiter und andere interessierte Gemeindeglieder sind begeisterte Teilnehmer. Da die  Nachfrage immer weiter steigt, bin ich nun stärker bemüht neue jüngere Lehrer zu rekrutieren. Wir sind auch darum bemüht mehr Frauen in den Lehrerstab aufzunehmen, da die Frauen meist wesentlich aktiver in den Gemeinden sind als die Männer (ca. 72% der Absolventen sind Frauen). Nach unserem Heimataufenthalt habe ich vor, einige Kurse für „Training of Teachers“ durchzuführen, so dass wir mehr Lehrer und Lehrerinnen haben können, mehr Klassen durchführen können und die Unterrichtsqualität weiter erhöhen können. Erfreulich ist auch, dass die Kosten für diese Kurse bereits zum großen Teil von den Gemeinden selbst getragen werden können.

Bei der letzten Abschlussfeier eines Abendbibelschulkurses in Manokwari, den wir in einen Sonntagsgottesdienst eingebettet haben und wo ich predigen durfte, waren etwa 800 Gottesdienstbesucher da. Unter ihnen auch hohe Regierungsvertreter. Der Landrat würdigte bei seinem Grußwort das Abendbibelschulprogramm. Es war einfach schön zu sehen, wie die 23 Absolventen stolz waren den Jahreskurs gut beenden zu können und nun bereit sind je nach ihren geistlichen Gaben in den Gemeinden mitzuhelfen. Traurig war, dass ein anderer Absolvent im Alter von 60 Jahren an diesem Sonntagmorgen an einem Herzinfarkt verstorben ist. Ich war am Abend zuvor noch bei ihm im Krankenhaus und nach der Abschlussfeier war ich wieder bei der Familie um unser Beileid auszudrücken und gemeinsam zu beten.  

 

Dieses Semester hat mir das Unterrichten an der theologischen Hochschule besonders viel Freude gemacht. Die Studenten waren voll bei der Sache und haben auch enorme Fortschritte gemacht.  Leider gibt es auch immer wieder plötzliche Todesfälle in unserem Bekanntenkreis oder unter den Studenten. Besonders tragisch ist es, wenn sie bei Verkehrsunfällen oder durch Malaria ums Leben kommen.

 

Die letzten Monate waren neben dem Unterrichten an der theologischen Hochschule und in den Abendbibelschulen  auch stark gefüllt mit vielen Predigtdiensten in Gemeinden in ganz Papua. Es ist einfach ein wunderbares Vorrecht, das Wort Gottes weitergeben zu können und soviel Offenheit dafür erleben zu dürfen. Zwischendurch habe ich mir immer wieder Zeit genommen, um das Buch von Susanne Reuter „Als das Schwein vom Himmel fiel“ (Ein Buch über die Entwicklung der Mission in Yalimo-Hochland mit Geschichten aus dem Alltag und über die dortige Kultur) ins Indonesische zu übersetzen. Dieses 350-seitige Buch ist nun im Druck und soll anlässlich des 50-jährigen Jubiläums der Ankunft des Evangeliums in Yalimo erscheinen und an die etwa 120 Gemeinden im Yalimo-Hochland verteilt werden.     

 

Im Fußballbereich bin ich neben der Trainingsarbeit mit der Fußballmädchenmannschaft „Galanita Persipura U-18“ (die ich zusammen mit Heidi trainiere) damit beauftragt worden zusammen mit einem Papuatrainer junge Papuafußballspieler im Alter von 13-15 Jahren für die „Indonesian Football Academy“ des nationalen Fußballverbandes in Jakarta zu selektieren. Hoffentlich können einige den Durchbruch schaffen. In den letzten Jahren hatten Heidi und ich schon mehrmals Turniere ausgerichtet und anschließend 15-16jährige Spieler, die Potential haben Profifußballer zu werden, zu einem von meinem Bruder organisierten Trainingsprogramm nach Malang, Java, geschickt, wo die Spieler in einem Wohnheim betreut werden, sehr gutes Training bekommen und auch ihre Schulgebühren von einem Sponsor bezahlt werden. Der erste dieser Papuajungs, der nun gerade seine Schule in Malang beendet hat, bekam sofort einen Profivertrag. Der Verein bot ihm auch gleichzeitig ein Stipendium an, um an einer guten Universität in Java zu studieren. Wunderbar, wie diese Spieler ihren Weg gehen. Heidi hatte ihn vor 3 Jahren bei einer Unterrichtsreise im Hochland Jahren entdeckt, nachdem sie einen Tip von einem anderen Missionar bekommen hatte. Der gleiche Spieler bekam sogar ein Angebot, bei einem College in Amerika ein Stipendium zu bekommen, wo er in der Collegemannschaft spielen sollte. Aber seinen Eltern war das doch etwas zu weit weg. So wird er nun also erstmal Profispieler in der indonesischen Liga.

 

So, nun wollen wir euch allen ganz herzlich danken für all euer Mitbeten und Mittragen unserer Arbeit in den letzten Jahren. Wir  hoffen, dass ihr auch in Zukunft immer wieder mal an uns denkt und für uns betet. In Deutschland sind wir die meiste Zeit unterwegs aber dennoch haben wir auch einen Standort in Marburg, Georg Voigt/Str 21 A, 35039 Marburg, Tel: 06421-97946, wo ihr uns eventuell mal erreichen könnt. Das ist die Gästewohnung des Christustreff. Ein dicker Dank nach Marburg dafür! Am sichersten ist es aber immer uns über Email zu erreichen (Heidi_Scheunemann@yahoo.de).

 

Seid alle ganz herzlich gegrüßt von euren 5 Scheunemanns aus Papua
(Rainer, Heidi, Julia, Jan und Benjamin)

 

Wer unsere Arbeit unterstützen möchte kann dies bis August durch eine Spende auf unten stehendes Konto tun, (was danach geschieht wissen wir momentan ja noch nicht).  Bitte sagt uns per Email Bescheid, wenn ihr Interesse habt, auch in Zukunft unsere Arbeit weiter zu unterstützen. Ihr habt uns alle wunderbar geholfen in den letzten Jahren. Ganz herzlichen Dank. Ohne euch und ohne die Hilfe von CFI wäre unsere Arbeit hier in Papua nicht möglich gewesen.

Wer unsere Fußballmädchenarbeit unterstützen möchte kann gerne am 6. Juni nach Köln kommen, wo die deutsch-indonesische Gesellschaft in der Hochschule für Musik und Kunst von 16.00-18.00 Uhr einen Benefiznachmittag organisiert hat, wo wir auch eine Präsentation machen werden (Siehe Einladung im Anhang). Ob und wenn ja wo es dafür ein spezielles Spendenkonto geben wird weiß ich gerade noch nicht. Ihr könnt mich aber gerne per Email kontaktieren, wenn ihr euch dafür interessiert und dann sage ich euch Bescheid, sobald ich näheres weiß.

Unsere Einsatzbereiche in Papua  
  Theologischer Unterricht
Abendbibelschule
Gemeindedienste
Evangelisationen
Kindergottesdienst
Teenclub
Strassenkinderarbeit
Kinder- und Jugendfußballförderung
Indonesische Frauen-Fussball-Nationalmannschaft
Mädchen-Volleyballclubs "Haleluya"
Kleinunternehmerberatung
Strategien zur Armutsbekaempfung
Wirtschaftsschule
Capacity builing (Coaching von Junglehrern)
Leiterschaftstraining
Musik (VCD-produktionen)
Aids-Aufklärung
 
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