Familie Heidi und Rainer Scheunemann in Papua
 
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2009-11 Freundesbrief Nr. 28
 
 
Papua-Freundesbrief Nr. 28 
Waena, November 2009
Ihr Lieben,
 
wieder sind 6 Monate um und so habt ihr sicher schon geahnt, dass der übliche Mammut-Freundesbrief aus Papua bald mal wieder eintrudeln müsste. Wieder ist soviel passiert, dass wir damit eigentlich ein halbes Buch füllen könnten, aber das kommt dann vielleicht später mal.
 
Ende Mai hatten wir uns auf den Weg nach Deutschland gemacht, wo wir zunächst bei meinen Eltern in Gießen Station machten. Natürlich ist das immer eine besondere Begegnung, wenn man sich drei Jahre nicht gesehen hat. Die Schwiegereltern in Korntal konnten wir dann später im Juni besuchen. Die erste Gebetserhöhrung  erlebten wir gleich zu Beginn unseres Aufenthaltes als uns eine uns bis dahin unbekannte Frau aus Gießen, die zu der Zeit im Urlaub war, uns für die ersten Tage unseres Deutschlandaufenthaltes ihr Auto zur Verfügung stellte, nachdem sie gehört hatte, dass wir ein Auto suchen. Mit diesem Auto konnten wir dann gleich am ersten Wochenende schon nach Obernhof fahren, wo wir an einer Familien-Pfingstfreizeit in der Klostermühle teilnahmen. Es war toll, alte Freunde und Gemeindemitglieder unserer Heimatgemeinde (Johannesgemeinde Giessen) dort zu treffen und den Kindern hat es so gut in der Klostermühle gefallen, dass Julia und Jan sogar im Juli noch an einer Teenagerfreizeit dort teilnahmen, wo sie auch wieder neue Freundschaften knüpfen konnten.
 
Deutschlandreise
Da wir leider keinen Erfolg gehabt hatten, für die ganze Zeit unseres Deutschlandaufenthaltes eine möblierte Wohnung im Umkreis von Gießen zu finden, blieb uns zwangsläufig nichts anderes übrig als ständig umherzuziehen und wir kamen uns vor wie Reisende ohne Heimat. Aber auch für diesen Dienst wurden wir wieder beschenkt, denn aus Blaubeuren bot uns ein Missionsfreud sein Auto an, das wir dann die ganze Zeit nutzen konnten, bis zum Abflug. Das Auto war so geräumig, dass wir ohne Probleme all unsere Sachen darin unterbringen konnten. An allen Orten wo wir hinkamen wurden wir sehr freundlich aufgenommen und wir haben meist bis tief in die Nacht Gespräche gehabt. So haben wir in den knapp drei Monaten in ca. zwanzig verschiedenen Betten geschlafen und waren als Familie oft getrennt, da es immer schwer war an einem Ort mit 5 Leuten unterzukommen und gleichzeitig noch Gemeindevorträge und Kinderwünsche miteinander zu vereinen. Wir haben von Ende Mai bis Anfang August knapp 6.000 km mit dem Auto zurückgelegt und dabei viele Bundesländer durchquert. Wir waren zwischen Hamburg und der schwäbischen Alb bis nach Kärnten unterwegs und haben Freunde und Gemeinden in Hamburg, Köln, Wuppertal, Simmern, Marburg, Gießen, Wetzlar, Wiesbaden, Gelnhausen, Stuttgart, Blaubeuren, Erlangen und München sowie in umliegenden Dörfern und Kleinstädten besucht. Zum Schluss ging uns das Koffer ein- und auspacken schon etwas auf die Nerven. Wir sehnten uns einfach nur noch danach als Familie gemeinsam an einem Ort zu sein und auch mehr Zeit für unsere Kinder zu haben. Dennoch war es wirklich toll, so viele von euch zu treffen. Wir haben es genossen euch über unsere Arbeit zu erzählen und euch das Leben der Papuas auf diese Weise näher zu bringen. Das war uns sehr wichtig, denn so könnt ihr viel besser verstehen, warum wir noch immer hier in Papua sind und könnt unsere Arbeit von ganzem Herzen mit euren Gebeten und auch finanziellen Gaben unterstützen. Wir danken euch allen dafür, dass ihr so treu zu uns steht.
 
Ungewisse Zukunft
Unser größtes Anliegen während unseres Deutschlandaufenthaltes war es, herauszufinden, wie wir unsere Zukunft weiter gestalten sollten, so dass wir unseren Gaben gemäß so effektiv wie möglich für Gott arbeiten können. Da wir nicht genügend finanzielle Unterstützung hatten, mussten wir hoffen, dass mehr Leute unsere Arbeit so wichtig finden, dass sie auch bereit sind, dafür zu spenden. Denn wenn wir nicht genügend Unterstützer für unseren Dienst haben bedeutet dies natürlich auch, dass wir nach Deutschland zurückkehren müssen. Danke an alle von euch, die bereit sind die Papuas auf diese Weise zu unterstützen. Jeder Euro von euch ist gut eingesetzt. Da wir euch nicht so auf der Tasche liegen wollten, haben wir auch bei anderen Organisationen angefragt, deren Mitarbeiter nicht auf Spendenbasis ausreisen, aber scheinbar war das nicht Gottes Plan für uns. Obwohl die Papuaregierung (sogar der Gouverneur persönlich) und die Kirchenleitung der evangelischen Papuakirche mehrere Schreiben an Organisationen in Deutschland verfasst haben, mit der Bitte uns zu beschäftigen, wurden alle Anfragen ignoriert oder sind im bürokratischen Dschungel irgendwo untergegangen. Sogar die deutsche Botschaft in Jakarta bekam eine Anfrage aus Papua und hat diese auch mit einer positiven Referenz an das BMZ weitergeleitet, aber dennoch bekamen wir bis heute keine Antwort. Papua liegt einfach nicht im Aktionsbereich der meisten deutschen Organisationen. Es ist als schwer zu entwickelndes Gebiet bekannt, da die Menschen sehr misstrauisch sind und wenig Eigeninitiative zeigen. Man kann eben in Papua keine schnellen Erfolge erzielen, daher werden immer weniger Mitarbeiter nach Papua entsandt.
 
So einfach, wie wir uns das vorgestellt hatten, schien es also nicht zu sein. Und erstaunlicherweise ist der Grund, der zum Hemmnis für eine Anstellung bei zwei Organisationen wurde genau der Grund, der unsere Arbeit hier so effektiv macht, nämlich der Grund, dass wir schon 13 Jahre hier in Papua sind, und eine gute Beziehung zur Bevölkerung haben. Es mag ja für manche Gebiete stimmen, dass Mitarbeiter dort die Einheimischen durch langjährige Präsenz in paternalistische Formen von Abhängigkeiten zu führen versuchen, aber dieser Vorwurf trifft auf uns sicher nicht zu. Kein Papua ist von uns abhängig. Aber wir versuchen die Akzeptanz und das Vertrauen der Bevölkerung dafür zu nutzen, dass sie sich helfen lassen ihr Verständnis von Hilfe zu ändern. Wir versuchen ihr Selbstbewusstsein zu stärken und sie zu motivieren ihre Gaben zu nutzen um sich selbst zu helfen anstatt auf Hilfen der Regierung zu warten, die sie in Abhängigkeiten führen. Dies tun wir in allen möglichen Arbeitsbereichen, nicht etwa nur in einem fest abgesteckten Bereich. Unsere Einsatzbereiche sind bedürfnisorientiert und daher nicht fixiert, sondern erweitern oder verändern sich ständig. So sind wir heute in Aufgaben involviert, von denen wir vor wenigen Jahren gar nicht ahnten, dass wir einmal die Möglichkeit haben würden, mit den Papuas in diesen Bereichen zusammen arbeiten zu können. Wer hätte zum Beispiel gedacht, dass wir mal die indonesische Fußball-Frauen-Nationalmannschaft trainieren könnten und damit einen Beitrag zur Völkerverständigung geben können, da in der Nationalmannschaft Mädchen und Frauen aus ganz vielen verschiedenen einst miteinander verfeindeten Stämmen gespielt haben. In der Nationalmannschaft war aber immer eine sehr gute, freundliche Stimmung und auch Christen und Moslems sind miteinander Freundinnen geworden. Oder wer hätte gedacht, dass ich mal irgendwann in Straßenkinderarbeit involviert sein würde, nur weil ich angefangen habe, den Mitarbeitern der Straßenkinderarbeit im Hochland zu helfen, einen Laden aufzubauen. Inzwischen haben sie ein richtiges Geschäft und haben sogar einen Bankkredit erhalten, weil sie regelmäßig ihre Bücher führen. Demnächst wollen sie ein Internetcafé im Hochland anfangen. Dazu noch eine Schweinezucht. Das ist doch genial!

Bei unserem Besuch bei CFI in Stuttgart erfuhren wir, dass CFI uns nach Juni 2010 definitiv nicht weiter anstellen kann. Uns wurde vorgeschlagen, dass wir am besten mal ein ganzes Jahr in Deutschland verbringen sollten, um die Zeit für Weiterbildungen zu nutzen. Anschließend könnten wir uns dann beim EED bewerben um eventuell mit dem EED eine erneute Ausreise anzupeilen, denn auch beim EED ist es wichtig, dass man vorher eine ganze Zeit in Deutschland gewesen ist. Mit CFI war ja von Beginn an nur ein 3-Jahres-Einsatz geplant gewesen und so war es sehr entgegenkommend, dass CFI uns überhaupt noch ein weiteres Jahr in Papua ermöglicht hatte (eben bis Juni 2010). Wieder einmal wurde uns klar, dass wir uns eine andere Organisation suchen müssen, wenn wir weiter in Papua arbeiten wollen. Wir sind gerne bei CFI aber es war von Anfang an klar, dass wir bei CFI keinen Langzeiteinsatz machen können. Das war ja auch 2006 gar nicht unsere Absicht. Wir hatten damals tatsächlich gedacht, wir würden 2009 zurück nach Deutschland gehen. Allerdings haben sich in Papua so viele Möglichkeiten für neue Aufgabengebiete aufgetan, dass wir einfach nicht anders konnten, als uns weiter hier zu engagieren. Da wir viele ausländische Freunde hier in Papua hatten, die aufgrund von schweren Krankheiten wie Malaria, Dengue-Fieber oder Depressionen und Burnout Syndrom aufgrund schwieriger Arbeitssituationen oder auch wegen Visumproblemen das Land verlassen mussten war es für uns auch immer schwer zu verstehen, dass wir gehen sollten, wo Gott uns doch so offensichtlich durch alle Krankheiten treu hindurch getragen hat, unsere Kinder vor Malaria und Unfällen bewahrt hat, uns trotz widriger Umstände immer wieder Motivation und Freude geschenkt hat und uns auch immer mit einem Visum versorgt hat. Somit sind ja eigentlich alle formalen und gesundheitlichen Bedenken ausgeklammert, die die Fortführung unserer Arbeit unmöglich gemacht hätten bzw. es sind aus Papua-Sicht alle Voraussetzungen dafür gegeben, dass wir noch in Papua bleiben sollten. Wir haben immer wieder gebetet und diskutiert, was wohl das Beste sei. Immer dann wenn wieder eine Tür zuging und es so aussah, dass für uns in Papua keine Zukunft mehr möglich zu sein schien und wir kurz davor waren zu sagen: „ok, dann gehen wir halt zurück nach Deutschland“, haben uns aber einheimische und auch deutsche Freunde ermutigt, trotz der scheinbar ausweglosen Situation auf Gott zu vertrauen, da der ja sicher einen Weg weiß, der uns ermöglicht, weiterhin in Papua zu arbeiten. Es ist nicht leicht, zwischen Herz und Verstand zu entscheiden und es ist auch manchmal nicht ganz klar, ob Gott mehr durch unser Herz oder durch unseren Verstand zu uns spricht. Klar ist für uns auch weiterhin, dass wir uns von Gott ganz deutlich in diese Arbeit in Papua hinein berufen wissen und dass Gott unser Hiersein durch vielfältige Weise bestätigt hat. Er hat uns durch schwere Zeiten hindurchgeführt, hat uns immer die Kraft gegeben, die wir gebraucht haben, hat uns in neue Aufgaben gestellt, wenn die Zeit dafür reif war und hat uns Menschen zur Seite gestellt, die wir ermutigen konnten, ihre eigenen Gaben und Fähigkeiten zu entdecken und für die Gemeindeaufbauarbeit und Entwicklungshilfearbeit zu nutzen. Wir durften sogar schon Früchte unserer Arbeit wachsen sehen. Wir haben mehrmals Gott um Weisung gebeten und immer war die Antwort klar, dass unsere Arbeit in Papua noch nicht beendet ist. Sogar wenn wir andere Menschen darum gebeten haben, für uns zu beten, damit uns klar wird, ob wir nach Deutschland zurückgehen sollen wurde uns immer wieder bestätigt, dass wir am richtigen Ort sind. Dennoch sind wir natürlich auch in Deutschland an Regeln und Verträge gebunden und so können wir nicht einfach darüber hinweggehen, wenn uns nahegelegt wird, dass wir doch mal wieder eine längere Zeit in Deutschland verbringen sollten. Wir sind zwar sicher, dass wir auch in Deutschland wieder gut Wurzeln fassen würden. Allerdings gibt es da verschiedene starke Bedenken ob dies jetzt schon der richtige Zeitpunkt ist. Diese Bedenken, die uns momentan beschäftigen und wo wir euch bitten möchten, für uns zu beten, damit wir eine weise Entscheidung treffen können, hängen auch mit der schulischen Ausbildung unserer Kinder zusammen, die zur Zeit so glücklich sind in ihrer Schule, wie noch nie zuvor. Es gibt auch sonst so viele Möglichkeiten, wo wir uns hier in Papua noch einbringen könnten und die Papuas selbst schütteln immer nur den Kopf, weil sie nicht verstehen, warum wir gebeten werden nach Deutschland zurückzukommen, wo wir doch gerade hier so effektiv arbeiten können.
 
Abendbibelschule
Bei den Feierlichkeiten zum Geburtstag der evangelischen Kirche in Papua hat die Kirchenleitung in einer Erklärung deutlich gemacht, dass die Abendbibelschulbewegung, die von Rainer und zwei einheimischen Freunden vor 10 Jahren gegründet wurde und inzwischen mehr als 50 Honorarlehrer in 14 Städten beschäftigt, eine „Perle in der Gemeindeaufbauarbeit in Papua“ sei. Es sei wichtig, neue Abendbibelschulen auch in mehr entlegenen Gebieten zu gründen. In den letzten Jahren gab es in vielen Städten oft mehrere Kurse gleichzeitig in verschiedenen Gemeinden, wo fast alle Gemeindeältesten auch an den Kursen teilnahmen. Sogar Regierungsbeamte und Universitätsdozenten haben an den Kursen teilgenommen und waren begeistert. Rainer konzentriert sich insbesondere auf Neugründungen und sobald eine Klasse selbständig laufen kann, übernehmen die einheimischen Leiter die Organisation. Rainers Hauptaufgabe ist es Anfangsgespräche bei Interesse an einer Abendbibelschulklasse zu führen, bei neuen Klassen die Leitungsaufgaben gabenorientiert (nicht statusorientiert) zu vergeben, Lehrer zu schulen und Lehraufträge zu koordinieren, Noten der abgeschlossenen Kurse zu sammeln und Zertifikate zu erstellen sowie Absolvierungsveranstaltungen zu koordinieren. Meistens unterrichtet Rainer nur eines der 15 Fächer in einem Abendbibelschulkurs selbst. Alle anderen Fächer werden bereits von einheimischen Lehrern unterrichtet. Neugründungen können allerdings immer noch nur durch eine objektive und von allen anerkannte Respektperson initiiert werden, die keinem Papua-Stamm angehörig ist. Ansonsten kommt es schon in der Gründungsphase zu Eifersüchteleien und Machtkämpfen in den Leitungspositionen. Sobald ein Kurs dann erst mal begonnen hat und die Gemeinden sehen, dass es nicht um Machtpositionen geht, sondern um Glaubenslehre, können Leitungspositionen dann auch gabenorientiert vergeben werden ohne dass es dabei zu Problemen zwischen verfeindeten Stämmen kommt.
 
Jugendfußballförderung: Nachdem Rainer und Timo im letzten Jahr die Frauen-Fußball-National­mannschaft Indonesiens zu den Asien­meisterschaften in Vietnam geführt hatten und sie dort eine sehr positive Resonanz der internationalen Medien für ihre Arbeit erfahren haben wurden wir vom Bürgermeister der Provinzhauptstadt Jayapura gebeten, eine junge Fußball-Mädchenmannschaft als Stadtauswahlteam aufzubauen, die im nächsten Jahr bei den Landkreis­meisterschaften mitspielen wird. Falls wir dort das Turnier gewinnen würden wir diese Mannschaft durch Papuaspielerinnen aus anderen Landkreisen ergänzen, um sie zu einer Papuaauswahlmannschaft zu formen, die dann auch international aktiv werden kann. Unsere Hoffnung ist, dass diese Mädchen in einem Wohnheim in Jayapura betreut werden und dort auch eine bessere Schulausbildung bekommen können als in den Dörfern aus denen sie stammen. Wohnheim und Stipendien für die Spieler wären die größten finanziellen Hürden. Nachmittags soll gemeinsames Training sein und die besten Spieler sollen für die Seniorennationalmannschaft vorbereitet werden. Das Selbstbewusstsein der Spielerinnen kann durch solche sportlichen Erfolge enorm erhöht werden und das Miteinander spielen, lernen und wohnen von Spielerinnen aus verschiedenen einst verfeindeten Stämmen wirkt friedensfördernd. Wir haben im Oktober ein Turnier mit 16 Schulmannschaften durchgeführt und dabei 30 Spielerinnen selektiert, die seit 16. November von uns trainiert werden. Die Motivation und das Potential der Spielerinnen sind sehr gut.

 

 Christliches Unternehmernetzwerk
Ende Oktober war ich (Heidi) auf einem Seminar für christliche Kleinunternehmerberater in Jakarta. Ich habe dort viele wunderbare indonesische Christen aus der Gemeindeaufbau- und Entwicklungshilfearbeit kennen­gelernt und wir haben zwei Wochen lang Charakterschulungen und Kleinunternehmerprojekte durchgeführt. Der Koordinator der Wirtschaftsschule in Wamena, mit dem ich in den letzten Jahren sehr effektiv zusammen­ge­ar­beitet habe um das Trainingsprogramm für Papuas im Hoch­land nach vorne zu treiben, war auch mit dabei. Die Veranstalter und Teil­nehmer des Seminars haben in Jakarta ein Netzwerk gegrün­det, das die Zusammenarbeit von Gemeinden aus unter­schied­lichen Provinzen fördern soll. Dieses Netzwerk ist noch in den Kin­derschuhen und ich wurde gebeten mich aktiv an der Aufbau­arbeit zu beteiligen. Inzwischen bin ich dabei mit ver­schiedenen Kleinunternehmern zu beraten, wie wir dieses Netzwerk in Papua nutzen können. Auch berate ich in einem Vorort von Jayapura einen Kleinunternehmer, der gerade ein Internetcafé eröffnet hat, das sehr guten Gewinn erzielt. Wir wollen noch ein weiteres Internetcafé eröffnen und dort auch Computerkurse anbieten. Außerdem ist eine Trainingsstätte für originelle Papuahandarbeiten geplant, wo ich auch als Beraterin aktiv beteiligt bin. Es gibt sogar bereits Anfragen von potentiellen Käufern für diese Handarbeiten aus dem Ausland.
 
Katastrophenhilfe: Anfang November hat die Johanniter-Unfallhilfe in Papua ein Trainingsprogramm für Ausbilder gestartet, die für Hilfseinsätze bei Umweltkatastrophen wie Erdbeben, Erdrutsche, Tsunami etc. eingesetzt werden sollen. Gerade vor wenigen Wochen war wieder ein schweres Erdbeben in Indonesien wo auch Leute aus unserer Gemeinde zu Hilfseinsätzen hingeflogen sind. Ich wurde von der Projektleitung gebeten als Beraterin bei der Auswahl von Trainern und bei der Organisation von Trainingseinheiten zu helfen.
 
Die Wirtschaftsschule im Hochland entwickelt sich auch nach dem Ende meiner regelmäßigen monatlichen Beratungstätigkeit gut weiter, obwohl Mitarbeiter fehlen, da einer meiner besten Mit­ar­bei­ter gekündigt hat, um eine neue Wirtschaftsschule in seinem Heimatgebiet in Sarmi aufzubauen. Dort hat der Landrat ihm be­reits seine Unterstützung zugesagt. Eigentlich wollte er letztes Jahr schon gehen aber da hatte ich ihn gebeten noch ein Jahr zu bleiben, bis die Trainingseinheiten sich etabliert haben und so blieb er noch ein weiteres Jahr, was für die Entwicklung des Programms sehr wichtig war. Inzwischen ist ein neuer motivierter junger Leiter in seine Aufgaben hineingewachsen und es sind all die neuen Trainings­einheiten so weit gediehen, dass sie sich bereits fast voll­ständig selbst tragen können. Es werden dort junge Papuas in fol­genden Trainingseinheiten ausgebildet: Kiosk, Cafeteria, Internet­café, Obst-und Gemüseladen, Restaurant, Tischlerei, Motorsägenwerkstatt, Schweißerei, Flugdienst (für Obst- und Gemüsetransporte aus entlegenen Gebieten). Die holländische Organisation, für die ich 6 Jahre lang im Hochland gearbeitet hatte, um diese Trainingseinheiten und die Wirtschaftsschule zu gründen und zu stärken, ist auch von der Wirtschaftskrise betroffen und so fehlen Gelder für Ausbilder und Mitarbeiter. Da ich immer mit dem Flugzeug hin­fliegen musste, um Kurse und Mitarbeitercoaching zu machen, sind das natürlich hohe Ausgaben, die jetzt eingespart werden müssen. Die Regierung versucht unsere guten Mitarbeiter mit dem Angebot höherer Gehälter abzuwerben. Zum Glück können die meisten da noch Stand halten und blieben uns treu. Zweifellos müssen aber weiterhin gute Mitarbeiter ausgebildet werden und ich würde gerne in Zukunft mehr Seminare an der Wirtschaftsfakultät der Universität hier an der Küste machen, um junge Leute, die ursprünglich aus dem Hochland kommen und jetzt an der Küste studieren dazu zu motivieren, sich für die wirtschaftliche Entwicklung in ihren Heimatgebieten mehr einzusetzen und sich als Ausbilder zurüsten zu lassen. Ich hatte bereits erste Kontakte mit dem Dekan der Wirtschaftsfakultät geknüpft und er hat mir angeboten, dass ich mich dort auch engagieren kann. Nun warte ich darauf, dass meine frühere Assistentin Yeni von ihrem Master-Aufbaustudiengang in Yogyakarta zurückkommt, denn sie ist Dozentin an der Universität und kann diese Seminare und die Weiterbetreuung der Studenten organisieren.

 

 
Feldforschung: Im letzten Freundesbrief hatte ich erwähnt, dass ich im März diesen Jahres von ILO (International Labour Organisation) gebeten wurde eine Feldforschung im Hochland zu leiten, wo es darum ging, Lösungs­vorschläge zu machen, wie man die einheimische Bevölkerung in ihren Bemühungen um wirtschaftliche Entwicklung besser fördern könnte und wie man das wirtschaftliche Potential (vor allem das der Frauen) im Hochland erhöhen könnte.
Nachdem wir mit drei Forschungsteams in drei Landkreisen im Hochland von März bis Mai viele Unternehmer besucht und befragt hatten habe ich die Ergebnisse in einer Power-Point-Präsentation und einem Abschlussbericht festgehalten. Mein 40-seitiger Bericht mit den Forschungsergebnissen blieb scheinbar nicht ungehört. Denn mit großer Freude habe ich nach meiner Rückkehr nach Papua in der Zeitung gelesen, dass meine zwei wichtigsten Vorschläge bereits umgesetzt wurden. Es wurde ein Forum gegründet, in dem alle engagierten Entwick­lungs­hilfeorganisationen im Hochland sich beraten und Programme austauschen, um sich gegenseitig zu unterstützen (früher hat jede Organisation ihr eigenes Süppchen gekocht). Zweitens wurde ein zentrales Informationsbüro eröffnet, wo jeder Klein­unternehmer, der Beratung zu einem be­stimmten Thema benötigt, sich informieren kann und wo andererseits jede Organisation, die ein Programm anbietet, Informationen veröffentlichen kann und Jobangebote aushängen kann. Auch soll jede Organisation die Möglichkeit haben Forschungsberichte von anderen Organisationen zu erhalten und auf diese Weise können Expertengruppen gebildet werden, die aus Vertretern mehrerer Organisationen bestehen. Damit wird die Effektivität der Hilfsmaßnahmen sicher erhöht werden können. Mit Hilfe der von mir vorbereiteten Power-Point-Präsentation mit den Forschungsergebnissen hat der ILO-Repräsentant im Hochland nach meiner Abreise nach Deutschland vor hohen Regierungsvertretern aus dem Hochland einen Vortrag gehalten. Vom Leiter des World-Vision-Büros im Hochland habe ich gehört, dass die Resonanz sehr gut gewesen sein soll. Die Regie­rung hat zugesagt, die Zusammenarbeit mit Hilfsorganisationen zu verbessern und die Vorschläge zur Verbesserung des Ausbildungssystems ernst zu nehmen, so dass in Zukunft bereits in den Schulen praktische Kleinunternehmerprojekte durchgeführt werden können. Ich würde gerne ähnliche Forschungen mal in der Kirche durchführen. Dort gibt es so viele Leute, die ihr Potential nicht richtig ausschöpfen und auch dort sollte mal eine Expertengruppe zum Thema wirtschaftlicher Aufschwung gegründet werden. Man könnte zum Beispiel Kleinunternehmen gründen, mit deren Gewinn Liederbücher oder Material für den Kindergottesdienst beschafft werden könnten. Im nächsten Jahr soll das Abendbibelschulprogramm durch ein Seminar zu diesem Thema ergänzt werden. Ich freue mich schon darauf und bin gespannt, wie die Gemeindeglieder reagieren werden. Bislang waren die Reaktionen überall sehr positiv.

 

 
Schule und Kinder
Neben den oben erwähnten Aufgabengebieten gäbe es noch viele andere Gründe zu erwähnen, warum wir den Eindruck haben, dass unsere Zeit in Papua noch nicht zu Ende sein sollte. Ein Grund ist auch die Schulausbildung unserer Kinder. Julia und Jan fühlen sich total wohl in der internationalen Schule, zu der sie seit August gehen. Jan, der zuvor immer sehr lustlos in der Schule war, hat viele Freunde gefunden und hat sich in seinen Schulleistungen enorm gesteigert. Die Lehrer loben ihn wegen seiner guten Mitarbeit. Da der Unterricht ja nur auf Englisch abläuft bin ich total begeistert, dass sowohl Julia als auch Jan überhaupt keine Probleme haben, dem Unterrichtsstoff zu folgen. Sie müssen allerdings viel mehr Zeit für die Schule aufbringen, wie zuvor, denn der Unterricht geht täglich von 7.30 bis 15.00 Uhr und dann gibt es noch zweimal die Woche Training (Volleyball, Fußball oder Basketball) und Freitagnachmittags werden immer Sport-Turniere zwischen der internationalen Schule und einheimischen Schulen ausgetragen. Da Jan und Julia beide sehr sportbegeistert sind, sind sie auch in den Schulmannschaften integriert. Es gibt also nicht viel Freizeit. Oft sitzen die beiden noch bis spät abends an den Hausaufgaben. Aber weil sie so viele Freunde im Wohnheim und an der Schule haben, mit denen sie zusammenarbeiten können, macht ihnen das viele Lernen kaum Probleme. Vor allem für Jan ist der Wechsel in diese Schule das Beste, was ihm passieren konnte. Er ist total glücklich, ausgeglichen und motiviert. Sowohl Jan als auch Julia haben uns sehr darum gebeten ihren Schulabschluss hier in Papua machen zu können. Julia ist jetzt im 11. Schuljahr. Das nächste Schuljahr ist somit ihr letztes hier. Anschließend könnte sie in Deutschland an einem Studienkolleg (zum Beispiel in Marburg, wo wir uns schon informiert haben) die Zulassung zur deutschen Universität bekommen. Sie möchte dann auch gerne noch mit Co-Workers ein freiwilliges soziales Jahr in einem französisch sprechenden Land machen (um ihre guten Französisch­kenntnisse weiter auszubauen), bevor sie dann endgültig mit dem Studium anfangen will. Da sie gerade erst 16 geworden ist, hat sie ohnehin keinen Zeitdrang. Würde sie allerdings im 12. Schuljahr nach Deutschland wechseln würde sie die Möglichkeit zum Schulabschluss an der internationalen Schule in Papua verpassen, was sehr schade wäre. Ein Schulwechsel für Jan nach Deutschland und dann später wieder zurück nach Papua wäre für ihn eine große seelische Belastung da er sich gerade so gut eingelebt hat in seiner neuen Umgebung.
Benjamin hat auch weiterhin keine Probleme in der Schule. Er wird von Helen Sachs, unserer neuen Lernhelferin, sehr gut in allen schulischen Angelegenheiten betreut. Er ist sogar oft richtig begeistert bei der Sache. Im Gegensatz zu Jan, dem die Fernschule immer schwer fiel, ist es für Benjamin die optimale Schulform, da er sich im Einzelunterricht wesentlich besser konzentrieren kann. Ansonsten verbringt Benjamin viel Zeit mit seinen Papua-Freunden.
 
Lernhelferin Helen Sachs
Das Co-Worker-Program in Stuttgart ist einfach super. Wir sind so froh über unsere tolle neue Lernhelferin Helen Sachs die außerdem auch noch  eine sehr gute Fußballspielerin ist. Sie hilft mir beim Training der Stadtauswahlmannschaft und da sie schon ganz gut indonesisch gelernt hat, kann sie sich auch schon immer besser mit den Mädchen unterhalten. Außerdem unterrichtet Helen die Nachbarskinder in Englisch. Eine Frau aus unserer Gemeinde kommt ab und zu zum Deutsch lernen. So wird es Helen auch nicht langweilig.
 
Unsere Gemeinde
Rainer predigt fast jeden Sonntag in einer anderen Gemeinde. Da es aber für die Kinder schöner ist, wenn sie regelmäßig in die gleiche Gemeinde gehen können, weil sie sich dann eher als Mitglieder dieser Gemeinde fühlen und nicht als die weißen Ausländer ständig beobachtet werden hatte ich vor einigen Monaten dafür gebetet, dass ich mit den Kindern eine Gemeinde finde, in der wir uns wohl fühlen und wo wir regelmäßig hingehen können, so dass die Kinder auch Anschluss finden und gerne zum Gottesdienst gehen. Seit mehreren Monaten gehen wir nun sonntags immer in eine Gemeinde, in die viele ehemalige Straßenkinder, Bandenmitglieder und Gefangene gehen. Es ist eine ganz tolle Arbeit, die der Gemeindeleiter (ein amerikanischer Missionar) vor vielen Jahren ins Leben gerufen hat. Sein Motto ist es, das Licht Jesu (d.h. die Liebe) zu den Menschen zu bringen, in deren Leben es am dunkelsten ist. Also machen die Gemeindeglieder aus dieser Gemeinde ganz viele Straßeneinsätze. Jede Woche gehen Leute ins Gefängnis, um mit Gefangenen zu reden und zu beten. Andere gehen regelmäßig ins Krankenhaus um mit Kranken zu beten. Ein kostenloser medizinischer Service wird am Sonntag nach dem Gottesdienst angeboten. Kranke können sich behandeln lassen und empfangen Medizin. Wer möchte, kann für sich beten lassen. Es werden Musikkonzerte und Theater auf den Straßen organisiert und Jugendliche, die dort gelang­weilt herumhängen, werden zu Gesprächen eingeladen. Die Gemeinde trifft sich auch unter der Woche in vielen ver­schie­denen Kleingruppen zum Gebet oder zu praktischen Einsätzen. Es ist in den Gottesdiensten immer eine ganz tolle Atmosphäre. Man spürt richtig die Gegenwart Gottes. Die Lieder werden mit Begeisterung gesungen und auch Julia, Jan und Benjamin sind voll mit dabei. Kein einziges Mal musste ich sie bitten mitzugehen. Sie freuen sich alle schon so auf diesen Gottesdienst, dass sie sogar schon mehrmals mit dem Buschtaxi alleine hingefahren sind, wenn ich wo anders zu Diensten unterwegs war. Die Gottesdienstbesucher haben einen Hunger und Durst nach dem Wort Gottes. Die Predigten sind gut verständlich und praxisnah. Oft wird die Kernbotschaft durch ein Anspiel (Theaterstück) vertieft. Jede Woche kommt eine Kleingruppe nach vorne und einzelne Teilnehmer berichten, wie sie versucht haben das Thema der Predigt aus der vorherigen Woche in die Lebenspraxis umzusetzen. Manche erzählen, was sie mit Gott erlebt haben und wie Gott ihr Leben umgekrempelt hat. Manchmal kommen Leute nach vorne und möchten Jesus in ihr Herz auf­nehmen. Dann kommen andere Gemeindemitglieder auch nach vorne und beten für sie. Die ganze Gemeinde bildet kleine Gebets­gruppen und betet mit. Es ist Anteilnahme spürbar. Ehepaare mit kleinen Kindern kommen nach vorne und lassen für sich beten uns lassen sich segnen. Die ganze Gemeinde freut sich mit, wenn jemand sich taufen lässt. Taufen werden in einem Wasserbecken hinter der Kirche durchgeführt. Wer in die Gemeinde kommt, wird in eine Kleingruppe integriert und kann sich seinen Gaben gemäß beteiligen und mitarbeiten. Jeder kann etwas tun, jeder darf etwas tun, jeder ist gefragt. Es gibt total überfüllte Kinder­gottesdienste. Jeden Sonntag sind massenhaft Kinder und Jugendliche da. Die Stimmung ist toll. Es wird so laut gesungen, dass man kaum seine eigene Stimme hört. Herrlich! In der Gemeinde habe ich kürzlich ein Ganztages-Seminar für 60 Kleinunternehmer gemacht. Die Motivation war groß und einige haben um weitere Beratung gebeten. Letzte Woche habe ich einem Kleinunter­nehmer erklärt, wie er mit seiner Frau die Bücher für sein Internetcafé führen kann. Er war total begeistert. Demnächst schaue ich mir die Werkstatt eines Künstlers an, der Gemälde auf Baumrinde verkauft. Er leitet Jugendliche an, wie sie diese Gemälde machen können und wir wollen sehen, wie viele Leute durch diese Gemälde ein regelmäßiges monatliches Einkommen bekommen können. Es gibt sogar schon Interessenten aus dem Ausland. Wichtig ist, die Anzahl der Mittelsmänner zu verringern, damit die Einheimischen mehr vom Gewinn abschöpfen können. Schwierig ist es noch, in größeren Mengen zu produzieren, da die Mentalität der Papuas nicht auf Massenproduktion ausgerichtet ist. Schließlich waren sie früher Jäger und Sammler bzw. Bauern, die nur immer soviel anbauen und ernten, wie sie selbst zum Leben brauchen.

 

 
Ein paar Anmerkungen von Rainer zur Situation in Papua
Wagt man ein realistisches Bild, so muss man sagen, dass es den Papuas seit dem Zustrom von Geldern der Zentral­regierung aufgrund der besonderen Autonomie (genannt OTSUS) nicht besser sondern eher schlechter geht, aber dass die Nichtpapuas enorm von der gesteigerten Zahlungskraft der Papuas profitieren. Überall in Papua werden neue und größere Einkaufzentren gebaut (die natürlich Nicht-Papuas gehören). Der Zustrom der Zuwanderer ist ungemein gestiegen, so dass die Papuas in Papua langsam aber sicher selber zur Minderheit werden. Der Marginalisierungsprozess ist voll im Gange. Die meisten Nichtpapuas profitieren von OTSUS, weil sie das gewonnene Geld wieder klug investieren und es nicht wie die meisten Papuas sofort wieder ausgeben. Das indonesische Militär hat alles klar im Griff und forciert den Zustrom der indonesischen Zuwanderer. Visaserteilungen für Ausländer – insbesondere für Missionare - werden immer schwieriger. Die Bildungsqualität sinkt und die gesundheitliche Versorgung verbessert sich nicht gravierend und das alles trotz dem vielen OTSUS-Geld. Die Straßen sind jetzt bedrückend voll mit Autos und Motorrädern – ein wahrer Konsumrausch. Überall Staus in den engen Straßen. Stromausfall fast täglich einige Stunden. Die Wasserversorgung wird knapper. Überschwemmungen und Erdrutsche vermehren sich wegen gerodeter Wälder. Die Provinzregierung hat bis jetzt nur große Ziele dargelegt ohne wirklich etwas zu tun. Aber immerhin versucht sie den illegalen Holzabbau zu stoppen. Mal sehen ob es auch dabei bleibt. Die Landkreisregierungen sind mehr damit beschäftigt Regierungsgebäude zu bauen und Gelder auf Dienstreisen nach Jakarta zu verschwenden, als etwas konkret für das Volk zu tun. Viele Projekte, die durchgeführt werden sind statusorientiert, visionslos und zeigen Mangel an Prioritätensetzung. Die meisten Regierungsbeamten wollen auch eigentlich gar nicht beraten werden. Sie sind status- und machtorientiert und wirken „beratungsresistent“. Das „Big-Man-Syndrom“ greift um sich!
 
Es wird viel Geld seitens der Regierung für Papua-Kleinunternehmer ausgegeben. Diese Gelder werden jedoch leider nicht investiert sondern einfach konsumiert, weil keine Beratung stattfindet sondern Gelder einfach nur verteilt werden, um die Bevölkerung freundlich zu stimmen, die nichts anderes kennt, als Hilfen von der Regierung zu erhoffen und immer abhängiger von diesem Geldsegen wird. Die von der Regierung veranstalteten Kleinunternehmerseminare werden nicht öffentlich angeboten sondern sind bestimmten auserwählten Leuten vorbehalten und verlaufen gewöhnlich im Sand. Ein Gruppenfoto in der Zeitung ist das einzige, was später an das Seminar erinnert. Die Nichtregierungs­organisationen oder private Initiativen, die wirklich ernsthafte wirtschaftliche Beratung anbieten wollen, haben interes­san­ter­weise keinen Zugang zu diesen Geldern. Leider nehmen viele Papua-Kleinunternehmer lieber an Regierungs­seminaren teil, weil dort Geld verteilt wird. Bei Heidis Seminaren wird kein Geld verteilt sondern Beratung angeboten. Das erscheint vielen zu anstrengend. Wenn kein Geld verteilt wird, dann sind die Teilnehmer gleich misstrauisch, denn sie denken, man hätte sich das Geld selbst in die Tasche gesteckt. Man würde ja schließlich kein Seminar anbieten, wenn man nicht viel Geld dafür bekommen würde, oder? Schließlich würden wir Ausländer ja auch nicht nach Papua kommen, wenn wir nicht hier ganz viel Geld für uns persönlich abzocken könnten, oder? Die Vorstellung, dass man tatsächlich etwas aus Nächstenliebe macht ohne eine Gegenleistung zu fordern ist vielen völlig fremd. Die Vorstellung, dass wir hier in Indonesien ständig dafür bezahlen müssen, dass wir überhaupt ein Visum bekommen und arbeiten dürfen ist für Papuas nahezu unglaublich. Viele Menschen sind auch deshalb so misstrauisch, weil die Politiker bloß reden aber kein Fortschritt spürbar ist. Die allgemeine Lebensphilosophie die sich bei der Jugend bemerkbar macht ist eine Totalegal-Haltung. Wozu soll ich mich anstrengen, wenn es eh nichts bringt? Warum soll ich ein Unternehmen gründen und hart arbeiten, wenn ich doch als Regierungsangestellter in einem Büro sitzen kann und kaum arbeiten muss und dazu noch jeden Monat mein Gehalt bekomme und mir Pensionszahlungen sicher sind. Es gibt also einen Ansturm auf Regierungsjobs. Viele Papua-Jugendliche erleben, dass es sich nicht lohnt mehr zu lernen, denn die guten Jobs bekommen nur die Nicht-Papuas oder diejenigen, die reiche Eltern haben und es sich leisten können, Umschläge mit Geld über den Tisch zu schieben, um ihren Kindern einen Ausbildungsplatz zu „erkaufen“. Die Reaktion der Jugend ist eine Art Mischung aus Trotzreaktion, Dickköpfigkeit und auch Besserwisserei.   
Man fragt sich, ob der Zug der großen Veränderungen für Papua nicht schon abgefahren ist. Machtinteresse der Zentral­regierung,  Uneinigkeit zwischen Papuastämmen, Kurzsichtigkeit, falsche  Euphorie, mangelnde Vision und eine unseriöse Arbeitsweise sind hier die Stichworte.
 
Wenn also alles so hoffnungslos scheint, warum sind wir dann noch hier? Ich finde es gerade jetzt sehr wichtig den Papuas in dieser schwierigen Umbruchphase beizustehen, auch wenn unser Einfluss eventuell nur minimal ist. Ich habe viele Möglichkeiten in Regierungskreisen zu sprechen und zu diskutieren. Auch wenn vieles nicht getan wird, hat man zumindest die Möglichkeiten gehört zu werden und etwas beizutragen. Es ist manchmal frustrierend, aber dennoch will ich dabeibleiben und mein Bestes geben. Es ist noch viel zu tun.
 
In der Papua-Kirche wurden viel zu lange keine ordentlichen Schulungen mehr durchgeführt, so dass viel mehr die kirchlichen Zeremonien im Vordergrund stehen. Deshalb sind die Abendbibelschulkurse so wichtig. Die biblische Lehre bzw. eine qualitativ hochwertige biblische Ausbildung muss wieder in den Vordergrund gerückt werden. Die Lernfaulheit ist natürlich auch das Ergebnis der schwachen indonesischen Bildungspolitik. Dazu kommt noch eine generelle „Instant-Haltung“, bei der Status und Titel als wichtiger angesehen werden, als die Kompetenz der betreffenden Person. Ich sehe meinen Schwerpunkt darin den Personen die es in den Gemeinden mit der Ausbildung ernst nehmen zu helfen. Deshalb eröffnen wir Abendbibelschulen in vielen Gebieten um ein Zeichen zu setzen und die lokalen Pfarrer an der Ausbildung ihrer Gemeindeglieder zu beteiligen. Circa 70% der Abendbibelschulteilnehmer sind Frauen, die in den Kursen an Selbstvertrauen gewinnen und sich generell anschließend aktiv im Gemeindedienst beteiligen und zu Stützen der Gemeinden werden. Aber dennoch ist der Einfluss der Abendbibelschule noch zu gering auf die Papua-Kirche als Ganzes. Wir haben zwar schon 1597 Absolventen (aus insgesamt 50 Jahreskursen) aber es gibt in der Papua-Kirche momentan ca. insgesamt 20.000 Kirchenvorsteher.  Ich denke dass erst in 5-10 Jahren ein größerer Einfluss zu sehen sein wird. Der Einfluss wird vor allem in der besseren Qualität der Dienste und in der Prioritätensetzung der Gemeindeprogramme zu sehen sein.

Neben meinem Unterricht an der theologischen Hochschule und an den Abendbibelschulen, hatte ich in den letzten Monaten sehr viele verschiedene Dienste (Evangelisationen, Seminare, Predigtdienste in den Gemeinden und an kirchlichen Festtagen) in verschiedenen Städten in Papua (Manokwari, Wamena, Serui, Biak, Wasior, Demta, Depapre, Timika und Sentani) und in der Umgebung von Jayapura. Es ist wirklich eine Freude in den Diensten oft erleben zu dürfen, wie Menschen vom Wort Gottes angesprochen werden, erneuert werden und von okkulten Bindungen befreit werden. Anfang November wurde ich als einer der Hauptredner bei einer Missionskonferenz von indonesischen Kirchen in Manado zur Entsendung von indonesischen Missionaren ins Ausland eingeladen. Ich wurde gebeten die Deklaration über die Ziele, Inhalte und die Vorgehensweise kurz und prägnant zu formulieren. Diese wurde auch von den Konferenzteilnehmern angenommen. Für die nächste Asienmissionskonferenz in Jakarta im kommenden Jahr wurde ich gleich als Redner eingeladen. Im Monat Dezember wird wieder einiges los sein, da ich bei 12 größeren Weihnachtsfeiern predigen werde. Ich bin Gott zutiefst dankbar dass ich ihm hier in Papua dienen kann. Ich bin dankbar für all die Bewahrungen bei den vielen Reisen und den Begegnungen und vor allem dafür dass wir als Familie immer wieder Gottes Ermutigungen und Trost erleben dürfen.
 
Bitte betet für uns und für die Papuas. Wie ihr seht, haben wir es alle dringend nötig!
 
Seid alle ganz herzlich gegrüßt von euren 5 Scheunemanns aus Papua
(Rainer, Heidi, Julia, Jan und Benjamin)

 

 

 

PS: Kurz vor unsere Abreise nach Papua wurde übrigens ein Interview mit uns über unsere Arbeit in Papua beim ERF in Wetzlar aufgezeichnet. Wer sich dieses Interview anhören möchte, kann dies online tun. Der Link ist auf der ersten Seite unserer Homepage www.scheunemann-papua.de.tl angegeben. Bei der Gelegenheit kannst du dir dann auch gleich die Homepage anschauen.

Herzlichen Dank!

Unsere Einsatzbereiche in Papua  
  Theologischer Unterricht
Abendbibelschule
Gemeindedienste
Evangelisationen
Kindergottesdienst
Teenclub
Strassenkinderarbeit
Kinder- und Jugendfußballförderung
Indonesische Frauen-Fussball-Nationalmannschaft
Mädchen-Volleyballclubs "Haleluya"
Kleinunternehmerberatung
Strategien zur Armutsbekaempfung
Wirtschaftsschule
Capacity builing (Coaching von Junglehrern)
Leiterschaftstraining
Musik (VCD-produktionen)
Aids-Aufklärung
 
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