Familie Heidi und Rainer Scheunemann in Papua
 
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2007-11 Freundesbrief Nr. 25
Papua-Freundesbrief Nr. 25 

Waena, Ende November 2007
Ihr Lieben,
 
Es ist Ende November und wieder einmal ist Stromausfall. Ich sitze mit dem Laptop, das noch für eine Stunde im Akkubetrieb laufen wird auf der Terasse. Gerade habe ich eine Partie Billiard mit Ben gespielt. Die anderen sind alle in Jayapura unterwegs. Rainer predigt dort. Ich bin nicht mitgegangen, weil mir noch der Kopf dröhnt. Vor ein paar Tagen ist mir kurz vor Spielbeginn auf dem Fußballplatz ein umstürzendes Fußballtor direkt auf den Kopf gefallen. Ich saß davor und hatte es nicht fallen sehen. Ziemlich schmerzhaft. Ich hatte aber wieder eine ganze Menge Schutzengel dabei, denn es hätte wesentlich schlimmer ausgehen können. Wir organisieren gerade ein Fussballturnier für 16-jährige Jungs, an dem fast 400 Spieler beteiligt sind. Ziel ist es, gute Spieler zu selektieren, die wir dann für die U-16- oder U-18-Jugendmannschaften von Persipura (das ist der hiesige Erstliga-Club) und für andere Papua-Auswahlteams vorschlagen können, so dass sie eine bessere Förderung bekommen. Wir machen bei jedem Turnier eine Liste mit ca. 20 sehr guten Spielern. In der Vergangenheit war es immer so, dass diese Spieler recht bald in guten Clubs gelandet sind. Das freut uns natürlich und inzwischen ist unser Turnier bei Spielern und Trainern sehr gut anerkannt. Auch die Papua-Auswahlmannschaft der U-16 nimmt teil.
 
Obwohl es immer schwieriger wird Turniere in unserem vollen Terminkalender unterzubringen, wollen wir uns auch weiterhin für die sportliche Förderung der Papua-Kinder einsetzen. So haben wir bereits im August ein Fussballturnier für knapp 1.000 (!) Kinder in den Altersstufen U-8, U-10, U-12 und U-14 organisiert. Benjamin hat bei U-8 und U-10 mitgespielt und wurde sogar bei U-8 zum besten Spieler gewählt. Er hat schon einige Fans. Jan hat bei den unter 12-jährigen mitgespielt. Er hatte sich die letzten Monate zwar eher dem Basketball zugewandt, weil er beim Fussballtraining mal einen Tritt in den Knöchel bekommen hatte, der ihm immer Scherzen beim Schießen bereitet hatte, aber jetzt hat er seine Liebe für den Fußball wiederentdeckt. Das Lob des Trainers, dass er eine sehr gute Schusstechnik habe, hat ihn darin bestärkt. Er ist inzwischen der Freistoß-Spezialist seiner Mannschaft. Von der Altersgruppe der 14-jährigen Jungs haben wir die 4 besten Spieler ausgewählt und nach Absprache mit deren Eltern nach Ost-Java geschickt. Dort hat Rainers Bruder Timo, der eine A-Lizenz des DFB als Fußballtrainer besitzt, mit Unterstützung von CFI ein Fußballausbildungsprojekt gestartet. Die 4 Jungs wohnen bei einer gläubigen Familie in Malang, die sich um sie kümmern, sie bekommen kostenfrei eine gute Schulausbildung in einer christlichen Schule und werden intensiv von verschiedenen Trainern, unter anderem auch in der Jugendabteilung eines sehr guten Erstliga-Clubs, gefördert. Timo schrieb letzte Woche eine SMS, dass er überzeugt davon sei, dass Nehemia, einer der vier Jungs, garantiert mal Nationalspieler werde. Er spielt einfach genial. Wenn dieser Junge, der Halbwaise ist, es wirklich schaffen sollte, in einem guten Club zu spielen, kann er damit seine Mutter und Geschwister später finanziell unterstützen. Fußballer zu werden ist in Indonesien ein guter Beruf. Wenn wir die Eltern der vier Jungs treffen, strahlen sie immer über das ganze Gesicht, denn in Telefongesprächen hören sie von ihren Kindern, dass diese total begeistert vom Training sind und in der Schule gute Fortschritte machen.  Wenn wir einen reichen Sponsor hätten, dann wäre das Erste was wir machen würden, eine christliche Fußballschule für Papuakinder ins Leben zu rufen, in der die Kinder sowohl eine vernünftige Schulausbildung, als auch eine fundierte Fußballförderung bekommen und gleichzeitig in einer disziplinierten, liebevollen Atmosphäre aufwachsen könnten, die Selbstvertrauen und Leistungsmotivation zu steigern in der Lage ist. Hier in Papua gibt es sehr viele großartige Fußballtalente, die aber leider nur zu oft nicht richtig gefördert werden. Das ganze Umfeld ist auch oft sehr lieblos und undiszipliniert. Betrügereien und Schiedsrichterbestechungen sind an der Tagesordnung, so dass auf dem Spielfeld schnell Emotionen aufkommen. Deshalb achten wir bei den Turnieren, die wir selbst organisieren sehr auf diszipliniertes, ehrliches Verhalten. Es ist ein wichtiges Ziel, dass die Spieler lernen Achtung voreinander zu haben und „fair play“ zu praktizieren. Das ist nämlich oft unbekannt. Sogar originale Geburtsurkunden und die Geburtsdatumangaben in Schulzeugnissen werden regelmäßig gefälscht, um in einer anderen Altersgruppe spielen zu können, hinterhältige Fouls, bei denen sich der Gegenspieler vor Schmerzen am Boden wälzt, werden von Zuschauern mit Jubel belohnt. Der Schiedsrichter wird bei vielen Turnieren bei Fehlentscheidungen von Zuschauern mit den wildesten Ausdrücken beschimpft. Oft springen Zuschauer auf den Platz und schlagen einen Spieler oder den Schiedsrichter oder es fliegen Steine. Häufig gibt es auch Schlägereien unter den Spielern. Nachdem wir bei unseren Turnieren immer gleich bei den ersten Spielen mehrere Spieler verwarnt haben, brutale Spieler die rote Karte bekommen haben und Betreuer, die einen zu deftigen Wortschatz gebrauchen deutlich verwarnt wurden, hat sich dies sehr schnell herumgesprochen und inzwischen akzeptieren Spieler und Trainer, dass es auch auf dem Fussballplatz gewissen Regeln und Grenzen gibt. Es ist genial, zu sehen, wie die Spiele daraufhin an Qualität gewinnen, die Spieler konzentriert zusammenspielen und der Schiedsrichter und wir als Veranstalter respektiert werden, weil jedem klar wird, dass wir uns bemühen, alle gerecht zu behandeln. Ein weiteres Ziel dieser Turniere ist es auch, junge Schiedsrichter zu fördern und sie dazu anzuleiten, sich niemals bestechen zu lassen, sondern sich durch faires, objektives Entscheidungsvermögen einen Namen zu machen. Ein ehemaliger Student von Rainer, den wir schon oft eingesetzt haben und dem wir einen Schiedsrichterkurs ermöglicht haben, ist inzwischen ein sehr respektierter Schiedsrichter in der Gegend, in der er jetzt sein Vikariat macht. Beim jetzigen Turnier setzen wir zwei neue junge Schiedsrichter ein, die sich von Spiel zu Spiel gesteigert haben. Es macht Spaß, zu sehen, wie sie sich wohl fühlen, weil wir sie nicht unter Druck setzen und sie ermutigen. Außerdem können sie sich bei der Gelegenheit ein gutes Taschengeld verdienen. Bei anderen Turnieren, werden sie ständig bedroht und fertig gemacht und oft werden sie auch noch um ihren zugesagten Arbeitslohn betrogen.
 
Seit Mai ist die Reparaturwerkstatt für Motorsägen in Wamena, im Hochland von Papua, eröffnet, für die ich ein Buchführungssystem entwickelt habe und bei deren Planung ich maßgeblich beteiligt war. Ich freue mich sehr darüber, dass die Ausbildungsmöglichkeiten, die wir in dieser Werkstatt für Papuas anbieten, guten Anklang finden. Drei Papuas aus der Stadt Wamena und aus zwei weit entfernten Dörfern wurden 6 Monate lang in der Werkstatt angeleitet und sie gehen jetzt in ihre Dörfer zurück um dort anderen zu helfen, die mit Motorsägen arbeiten. Im Oktober wurde ein Kurs für neue Bewerber durchgeführt und wir haben nun drei neue Auszubildende ausgewählt, die Anfang November schon in der Werkstatt angefangen haben. Es werden in der Werkstatt außer Motorsägenreparaturen auch viele andere Dienstleistungen und auch Ersatzteileverkauf angeboten. Inzwischen werden von der Bevölkerung auch schon vermehrt Motorräder, Fahrräder, Rasenmäher und gelegentlich sogar Autos zur Reparatur gebracht. Mike Zeydel, ein australischer Werkstattbesitzer an der Küste hat uns für diese Werkstatt einen seiner besten Mitarbeiter als Ausbilder zur Verfügung gestellt. Er selbst fliegt ab und zu nach Wamena, um weiterführende Kurse anzubieten. Ich selber berate zwei Auszubildende im Büro, die das Buchführungssystem inzwischen schon recht gut verstanden haben. Fredy Chondy, ein ehemaliger Student von mir, der inzwischen Koordinater des Ausbildungsprogramms in Wamena ist, übernimmt die Beratung, wenn ich nicht da bin. Es läuft also schon ganz prima ohne dass ich ständig daneben stehen muß. Bei den Abrechnungen helfe ich dann immer. Inzwischen erwirtschaften wir sogar schon Gewinne. Das ist fantastisch, wenn man bedenkt, dass in diesem Betrieb nur ein erfahrener Ausbilder mit drei Auszubildenden in der Werkstatt arbeitet und die zwei Auszubildenden im Büro noch nie zuvor in einer Werkstatt gearbeitet haben. Es macht Spaß die Fortschritte der Papuas zu sehen, wobei ich gestehen muß, dass es sehr anstrengend ist und man eine riesige Portion Geduld braucht, denn natürlich werden auch noch viele Fehler gemacht und das Arbeitsverhalten ist sehr von kulturellen Einflüssen geprägt. So kann es zum Beispiel passieren, dass ein Auszubildender einfach nicht zur Arbeit kommt, weil ein weit entferntes Familienmitglied gestorben ist. Es ist hier üblich, dass man in so einem Fall zum Haus der Trauenden geht und dort tagelang herumsitzt, um auf diese Weise seine Anteilnahme zu zeigen. Gearbeitet wird dann eben eine Weile nicht. Effektives, leistungsorientiertes Arbeiten ist hier noch völlig die Ausnahme. Es ist eben eine beziehungsorientierte Gesellschaft, in der die Aufrechterhaltung einer guten Beziehung immer höher geachtet wird als Arbeitslohn oder andere finanziellen Werte. So kommt es auch häufig vor, dass ein „Papua-Unternehmer“ sein Geschäft eine ganze Zeit lang gut führt, aber dann, wenn jemand aus seiner Familie heiratet, einen Großteil seines Vermögens als Brautpreis zur Verfügung stellen muß. Es wird erwartet, dass jeder, der Besitz hat, diesen mit anderen teilt, die in Not sind. Da der Brautpreis auch im Hochland durchaus umgerechntet 10.000-20.000 Euro oder mehr betragen kann, kann man sich vorstellen, wie schwierig es ist, soviel Geld alleine aufzutreiben und so geht man eben bei der Verwandtschaft hausieren. Ein „Unternehmer“ wird in diesem Fall immer der Dumme sein, denn er wird zuerst angebettelt. Gibt er nicht genug finanzielle Hilfe, wird sein Verhältnis zur Familie des Bräutigams darunter leiden und das will niemand in Kauf nehmen. Schlechte Beziehungen haben nämlich immer auch noch andere Konsequenzen. Wird später jemand aus der Familie des sogenannten „Geizkragens“ krank, werden die anderen ihm dann auch nicht helfen. Davor hat ein „Unternehmer“ Angst und deshalb besteht seine „Krankenversicherung“ daraus, dass er zu Lebzeiten soviel wie möglich anderen hilft, damit diese ihm oder seinen Familienangehörigen dann später auch helfen müssen, wenn er in Not kommt. Dies ist das „Versicherungssystem“ in einer beziehungsorientierten Gesellschaft, in der es keine Kranken-, Arbeitslosen- oder Rentenversicherung gibt.
 
Unsere Arbeitsbereiche weiten sich immer mehr aus. Manchmal haben wir auch das Gefühl, dass wir zu viel machen, aber das Anstrengendste an der Arbeit ist eigentlich gar nicht die Arbeit an sich sondern eher die Tatsache, dass viele Menschen hier unehrlich sind, Betrug zur Tagesordnung gehört und man so selten Mitarbeiter findet, die bereit sind, sich fleißig und kontinuierlich für ein bestimmtes Ziel einzusetzen. Menschliche Enttäuschungen zehren an der Kraft aber es ist gut zu wissen, dass Gott uns dennoch immer wieder durch einzelne positive Erlebnisse aufbaut. Letzte Woche traf ich einen ehemaligen Studenten von mir nach 4 Jahren wieder und er erzählte mir, dass er das gesamte Unterrichtsmaterial von meinen Kursen noch hat und oft benutzt, wenn er seinen Freunden oder Familienangehörigen wirtschaftliche Zusammenhänge erklären will. Meine treueste Mitarbeiterin Yeni Rumbiak bekam gerade ein Stipendium für ein Master-Studium in Java angeboten. Eine andere ehemalige Studentin, Yuli Waromi, ist jetzt Dozentin an der Uni und war vor drei Wochen zum ersten Mal mit mir im Hochland zu einem Unternehmerkurs. Ich habe mit ihr zusammen in einem Zimmer gewohnt, jeden Abend haben wir diskutiert und über alles Mögliche geredet… nicht nur über die Arbeit. Ich bin immer wieder erstaunt, wie wenig Grundlagenwissen auch Dozenten hier in Papua haben. Die 10 Tage mit Yuli haben mir auch wieder viele neue Eindrücke in die Papua-Kultur gegeben. Obwohl ich während des ganzen Kurses krank war und auch Antibiotika nehmen musste, bekam ich jeden Tag neue Kraft von Gott geschenkt. Es war, wie wenn er mich an jedem neuen Morgen mit seinem Atem angeblasen hätte und ich von seiner Kraft nach vorne getrieben wurde. Ich liebe es, zu sehen, wenn die Hochlandleute Fortschritte in ihren Kleinst-Unternehmen machen. Manche der Unternehmer treffe ich in unregelmäßigen Abständen wieder und es ist schön, dass sie sich bemühen, ihre Bücher vernünftig zu führen. Wenn sie anfangen zu planen, haben sie oft plötzlich am Ende eines Monats noch genügend Geld für notwendige Neuanschaffungen in der Kasse.  Ich habe im Oktober zum ersten Mal die Werkstatt eines Mannes besucht, der Fahrräder repariert. Es war ein einfacher Schuppen, total verdreckt und die Werkzeuge lagen auf dem Boden verstreut. Aber die Motivation dieses Mannes zu sehen, wie er seit 8 Jahren diese Werkstatt am Leben erhält und damit seinen Lebensunterhalt verdient, war begeisternd. Er arbeitet jetzt zusätzlich drei Tage in der Woche in unserer Werkstatt um sich weiterzubilden. Leider gibt es nicht viele so motivierte Menschen hier. Wir sind für jeden Mitarbeiter dankbar, der etwas lernen und motiviert mitarbeiten möchte. Papuas sind einfach von Grund auf keine Unternehmertypen. Wenn sie jedoch nicht aufpassen, werden sie bald vom Wirtschaftswachstum in Papua an den Rand gedrängt werden, denn diesen Fortschritt haben Nicht-Papuas in ihrer Hand. Viele Papuas verkaufen ihr Land an Investoren von außerhalb und werden anschließend von ihrem einst eigenen Grund und Boden verdrängt. Diese Entwicklung nimmt rasant zu. Umsomehr ist es wichtig den Papuas durch Unternehmerkurse theoretische und pratische Hilfesellung zu geben, so dass sie verstehen, dass sie selbst unternehmerisch aktiv werden müssen, anstatt sich alles aus der Hand nehmen zu lassen.
 
Mit dem Landrat von Sentani habe ich Pläne durchgesprochen, ob es möglich wäre eine Bekleidungsfabrik in Sentani aufzubauen. Es wäre der erste Industriebetrieb für Bekleidung in Papua. Der Leiter eines Ausbildungszentrums in Bogor, Herr Till Freyer, kam sogar schonmal auf meine Einladung hin nach Papua, um sich die Möglichkeiten hier anzuschauen. Es gibt zwar hohe Risiken (wegen der Arbeitseinstellung der Papuas, wegen kultureller und politischer Hemmschwellen, sowie wegen hoher Transportkosten und verhältnismäßig hohen Arbeitslöhnen in Papua im Vergleich zu Restindonesien) aber ich hätte großen Spaß daran, dieses Förderungsprogramm durchzuziehen und zuzuschauen, wenn Papuas erfolgreich eine eigene Bekleidungsindustrie aufbauen (wenn auch in kleinem Rahmen), denn ein solcher Betrieb würde mindestens 60-80 neue Arbeitsplätze schaffen. Wir sind noch in der Planungsphase und hoffen, dass die GTZ sich mit beteiligt, um die 6-monatige Ausbildung von 40 Näherinnen in Java und das einjährige Training von Papua-Managementnachwuchs zu finanzieren. Der Landrat hat schon das Land zur Verfügung gestellt und ist bereit den Bau des Fabrikgebäudes sowie eines Arbeiterinnen-Wohnheimes zu finanzieren. Momentan ist geplant, die Marktnachfrage mit einem Bekleidungsgeschäft zu testen, in dem ähnliche Bekleidung verkauft werden soll, die später dann auch in den factory-outlets der Fabrik angeboten werden sollen. Ich bin mal gespannt, wie sich das ganze entwickeln wird.
 
Mein Buch für Kleinunternehmerberater, an dem ich nun schon fast zwei Jahre schreibe und in das die Erfahrungen aus 11 Jahren Unterricht und Unternehmerberatung in Papua einfließen, ist fast fertig und es sind schon mehr als 250 Seiten im Computer geworden, d.h. es wird richtig dick. Momentan lasse ich meine Mitarbeiter verschiedene ausgedruckte Teile, um zu testen, ob sie alles verstehen. Dann diskutieren wir über verschiedene Inhalte. Die Ressonanz der Korrekturleser ermutigt mich bisher sehr und bestätigt mich darin, dass es gut war, soviel Zeit und Kraft in dieses Buch zu stecken. Ich hoffe einfach, dass es vielen Leuten eine Hilfe sein kann, die an der Basis Kleinunternehmern helfen wollen, ihr Unternehmen gewinnbringend zu leiten. 
 
Rainer schreibt: Ich merke immer mehr wie wichtig es für mich ist bei den vielen Dienstmöglich­keiten Prioritäten zu setzen. So unterrichte ich weiterhin 3 Fächer an der Theologischen Hochschule und bin vor allem bei der Weiterentwicklung der Abendbibelschulen in 14 Städten in Papua tätig. Inzwischen haben wir schon 41 Kurse mit insgesamt 1490 Absolventen abgeschlossen. Weitere 6 Klassen werden in Kürze mit dem Jahreskurs fertig sein. Wir bekommen immer wieder viele Anfragen von interessierten Gemeinden und vor allem aus den neugebildeten Landkreisen in Papua. So werden wir im kommenden Jahr in Bintuni, Wasior, Teminabuan und Fak-Fak neue Abendbibelschulklassen gründen. Erfreulich ist vor allem, daß wir finanzielle Unterstützung von den einheimischen Landräten erhalten. Dies ist für uns sehr wichtig, da vor allem die Transportkosten recht hoch sind, um qualifizierte Lehrer zu den weit entfernten Orten schicken zu können. Die neuen Jahreskurse werden wohl auch größere Klassen werden, mit jeweils mehr als 100 Teilnehmern. Sonntags habe ich meistens in verschiedenen Gemeinden Predigtdienste und ich predige auch oft unter der Woche bei bestimmten Anlässen. Außerdem fallen oft Gemeindeseminare oder gelegentlich Vorträge bei der Regierung an. In den letzten zwei Monaten hatte ich auch die Ehre bei 6 Evangelisationsveranstaltungen in 6 verschiedenen Städten (Manokwari, Sorong, Sarmi, Wasior, Kuala Kencana und Bintuni) predigen zu können. Es kamen tausende Menschen an den jeweiligen Abenden. Es ist wirklich ein Vorrecht Gottes Liebe weitergeben zu können und sehen zu dürfen, wie viele Menschen sich für Gott öffnen.
 
 Und hier geht’s wieder mit Heidis Bericht….
Julia wird am 4. Dezember nach Deutschland kommen. Ihr Besuch in Deutschland ist ein Geburtstagsgeschenk für meinen Vater, der im Dezember seinen 70. Geburtstag feiert. Auch wird das gemeinsame Weihnachtsfest mit der Enkelin meiner Mutter eine große Freude sein, die seit einiger Zeit neben ihrer Querschnittslähmung leider auch noch sehr unter Arthroseschmerzen in der Schulter leidet. Nach dem Geburtstag meiner Mutter am 14. Februar, wird Julia wieder zu uns zurückkehren. Es ist eine lange Trennungszeit, aber Julia ist sehr selbständig und wird das daher gut verkraften. Sie hat schon ganz viele Pläne, was sie alles in Deutschland machen will und der ganze Dezember ist schon voll verplant. Sie hat ihren Fernschulunterricht so diszipliniert und fleißig durchgezogen, dass sie mit dem Schuljahr viel früher fertig war als erwartet und da sie weder Sommer- noch Herbstferien hatte, kann sie jetzt ihre großen Ferien nach dem Ende des 8. Schuljahres mit den Großeltern und Freunden verbringen. Da das Schuljahr bei uns etwas verschoben ist, sind das sozusagen ihre Sommerferien. Wenn sie zurückkommt, fängt sie dann mit der 9. Klasse an. Auch Benjamin und Jan kommen in der Schule gut vorwärts. Dies liegt vor allem an der tollen Unterstützung durch unsere Fernschulhelferinnen aus Deutschland. Seit August ist Lea Krämer bei uns. Sie kommt aus Perouse, das ist ein Nachbarort von Rutesheim, in der Nähe von Leonberg, wo ich die ersten 11 Jahre meines Lebens verbracht habe. So schwätzen wir sogar manchmal aus Spaß richtig schwäbisch miteinander. Amelie Bletscher, die unsere Kinder zuvor (als von CFI ausgesandte „Co-Workerin“) ein Jahr lang unterrichtet hatte, hat vor wenigen Wochen ihr Medizinstudium in Marburg begonnen. Auch sie war richtig in unsere Familie integriert gewesen. Zum Leben im Ausland gehört es aber dazu, immer wieder Abschied von liebgewonnenen Menschen nehmen zu müssen. Bisher hatten wir wirklich immer ganz tolle Lernhelferinnen, die sich kreativ und engagiert dafür einsetzen, dass Julia, Jan und Benjamin Freude am Schulunterricht haben. Wenn ich vergleiche, welche Unterschiede zwischen dem deutschen Schulmaterial der Fernschule und dem indonesischen Schulsystem herrschen, das in Papua unterrichtet wird, bin ich wirklich froh, dass es die deutsche Fernschule gibt. Benjamin kann mit seinen knapp 9 Jahren bereits besser rechnen als meine Studenten! Er fängt jetzt bald mit der 4. Klasse an. Als ich kürzlich unseren 12-jährigen Jan fragte, wieviel 5 % von 200 sind, kam die richtige Antwort wie aus der Pistole geschossen. Wenn ich dieselbe Frage meinen Studenten stelle, dauert es erheblich länger – und meistens ist die Antwort falsch. Prozentrechnung wird hier in der Schule scheinbar irgendwie übersprungen. Also von hier aus nochmal ein herzliches Dankeschön an CFI und das Co-Worker-Team. Es ist super, dass es euch gibt. Ihr macht unsere Arbeit wesentlich einfacher und helft mit, dass wir viel mehr Zeit mit den Einheimischen verbringen können. Es entspannt die Erziehung auch sehr, wenn man als Mutter nicht gleichzeitig Lehrerin für die eigenen Kinder sein muß. Da ich viel zu Hause arbeite, können wir trotz meiner zunehmenden Arbeitsbelastung auch immer wieder „Knuddelzeiten“ einschalten… und ich verlege auch viele Arbeitsstunden in die Nachtstunden, wenn die Kinder schlafen.
 
Die Kinder spielen jeden Tag draußen mit den Nachbarskindern, wobei Julia schon ein richtiger Teenager geworden ist und auch schonmal mit Freundinnen in die Stadt zum Bummeln oder zum Jugendgottesdienst geht. Sie ist schon 1.70m groß und wird von Indonesiern meist schon für 17 oder 18 gehalten. Während man bei Julia merkt, dass sie eher deutsch denkt, sind unsere Jungs in ihrem Denken und Verhalten sehr stark von der Papua-Kultur geprägt. Aber vor allem durch die Fernschulmaterialien erfahren sie auch immer viel davon, was in Deutschland so wichtig ist. Während Julia gerne liest und bastelt, ist das gemeinsame Hobby von Jan und Ben die Playstation. Beim Playstation-Fußball schlagen Jan und Benjamin bisher alle „Herausforderer“. Wäre da nicht das von Mama verordnete „Ein-Stunden-Limit“ pro Tag, dann könnten die Jungs mit ihren einheimischen Freunden auch ohne weiteres mehrere Stunden am Stück den kleinen Ball über den Bildschirm jagen. Dienstags und freitags gibt es die indonesische Fußballzeitschrift „Bola“, die von Jan und Benjamin regelmäßig gelesen wird. Die beiden kennen sich bestens in der Bundesliga, der englischen sowie in der spanischen Liga aus. Jan ist VfB Stuttgart-Fan, während Benjamins Herz für Barcelona schlägt (was daran liegt, dass dort Ronaldinho spielt). Auch unsere Kinder interessieren sich so langsam fürs Internet. Wenn es hier eine Flatrate gäbe, wären wir sicher auch öfter online, aber meistens reicht es nur zum Mailen, da unsere Verbindung so schlecht ist (sehr zum Leidwesen unserer Lernhelferinnen, die da andere Schnelligkeiten gewöhnt sind…). Immerhin funktioniert der Anschluß aber überhaupt ab und zu. Wer Julia mal schreiben will, kann das gerne tun. Sie freut sich sicher. Ihre Emailadresse ist Julia.Scheunemann(at)yahoo.de
 
Als ich vor ein paar Tagen die Jahresabrechnung für unsere Krankheitskosten gemacht habe, stellte ich fest, dass die Krankenversicherung im letzten Jahr mit uns mal wieder einen super Gewinn eingefahren hat, da wir zwar regelmäßig unserer Versicherung bezahlen, aber sie so gut wie nie in Anspruch genommen haben. Somit konnten wir auch der DAK ein wenig Kosten einsparen. Praktisch. Da wir chronische Selbstversorger sind und ich – bevor ich zum Arzt gehe – immer erstmal alle möglichen Eigenbehandlungen austeste, leben wir auch mit Krankheiten meist gelassen, preisgünstig und sind viel gesünder als die meisten anderen Mitarbeiter, die ständig von Malaria und anderen Krankheiten gequält werden. Danke für jedes GEBET!!! Kürzlich im Hochland war ich zwar mal richtig krank, aber da gab es ohnehin keinen vernünftigen Arzt und so habe ich halt mal Antibiotika genommen. Das hätte ein Arzt mir wohl schon zwei Wochen vorher verschrieben. Rainer meint ohnehin, ich wäre nur wegen Überarbeitung krank geworden…. Man wird gelassen….wenn man ohnehin nichts ändern kann und auf Gott angewiesen ist. Im Juli hat es dann aber doch mal Benjamin erwischt. Er stürzte am Strand beim Fußballspielen in Glasscherben und riss sich den Unterarm auf. Sein Schreien, das unsere Fahrt zum Krankenhaus zur Tortur werden ließ, habe ich bis jetzt noch im Ohr, und die dicke, lange Narbe von der mit 15 Stichen genähten Wunde wird ihn sein Leben lang an diesen Strandtag erinnern. Wenn ich aber bedenke, dass er auch mit dem Gesicht in die Scherben hätte fallen können, bin ich dankbar, dass es so gut ausgegangen ist. Auch wenn wir sehen, dass hier täglich Menschen im Straßenverkehr oder wegen Malaria sterben, dann können wir nur dankbar sein, dass wir so viele Schutzengel um uns herum haben… wobei ich wieder an das Eisentor denke, das mir kürzlich auf den Kopf fiel…. Gott passt schon gut auf uns auf. Es könnte alles viel schlimmer sein. Schließlich hat er ja auch dafür gesorgt, dass mein Blinddarm letztes Jahr nicht in Papua geplatzt ist, sondern in Deutschland… Eine optimistische, positive Lebenseinstellung gibt sowieso immer zusätzlich Kraft – auch im Leid und in Krankheit.
 
In diesem Sinne wünsche ich euch allen eine gesegnete Weihnachtszeit. Es ist genial, dass Jesus damals als Mensch in diese Welt gekommen ist. Er ist der Einzige, der uns wirklich bis in unser Innerstes versteht. Er ist der Einzige, der uns in dieser Zeit der Kriege, des Terrors und der Unsicherheit Halt und Geborgenheit geben kann. Er ist auch der Einzige, der den Überblick behält, wenn das Chaos herrscht und uns alles über den Kopf wächst. Geduld, Gelassenheit und einen festen Glauben an seine Gegenwart und Hilfe sind die wertvollsten Geschenke, die Gott uns hier in Papua geschenkt hat. Seine Kraft trägt uns durch, seine Liebe baut uns immer wieder auf, seine Gnade und Vergebung lehrt uns barmherzig mit uns selbst und mit anderen zu sein. Papua ist das Beste, was uns passieren konnte. Diese Zeit hat uns näher zu Gottes Herzen gebracht, als dies ein Leben in Abhängigkeit von Sicherheiten, die man vermeintlich durch Kranken-, Lebens-, Arbeitslosen-, Renten- und sonstige Versicherungen in Deutschland „einkauft“ je hätte geben können. Wir danken euch, dass ihr unsere Arbeit in Papua durch eure Gebete und finanzielle Unterstützung möglich macht. (An alle Unterstützer hier noch eine dringende Bitte: könnt ihr bitte bei euren Daueraufträgen und einmaligen Überweisungen die Bankleitzahl ändern, da die EKK ihre Bankleitzahl von Stuttgart nach Kassel verlegt hat – die neue Bankleitzahl steht unten am Ende des Briefes. Alle anderen Angaben und die Kontonummer sind noch richtig.) Bitte betet für uns, damit wir immer wieder gute Ideen haben, wie wir unsere Gaben und Fähigkeiten hier am besten einsetzen können – betet aber vor allem für die Papuas, damit möglichst viele Herzen von der Liebe Gottes erreicht werden.
 
Eure 5 Scheunemanns
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