Familie Heidi und Rainer Scheunemann in Papua
 
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2007-05 Freundesbrief Nr. 24

Papua-Freundesbrief Nr. 24 

 

 

 

 Ihr Lieben,

 

ganz herzliche Grüße aus dem schwül-heißen Papua. Heute ist der 10. Mai 2007 und so wird es wirklich mal Zeit, euch wieder zu schreiben….

 

Unglaublich aber wahr: Nach langem Nachdenken und verschiedenen Anläufen habe ich es tatsächlich endlich geschafft, eine Homepage über unsere Arbeit ins Leben zu rufen. Sie ist nicht nur einfach zu bearbeiten, sondern auch völlig kostenlos. Ich bin begeistert und ich hoffe, dass ihr es auch sein werdet.

Ihr könnt unsere Berichte und Rundbriefe sowie Länderinfos zu Papua finden unter www.scheunemann-papua.de.tl . Dort werdet ihr auch viele Photos von unserer Familie und unserer Arbeit sehen. Viel Spaß. Deshalb füge ich in diesen Brief auch keine Bilder ein. Ihr könnt sie alle auf der Homepage anschauen. Ich freue mich über eure Reaktionen. Ihr könnt direkt einen Kommentar ins Gästebuch schreiben oder auch an meine Emailadresse Heidi_scheunemann(at)yahoo.de schreiben. 

 

Zum Glück schreibe ich gerade an meinem Laptop, denn seit mehreren Stunden sitzen wir mal wieder im Dunkeln. Wir haben so viel Stromausfälle wie noch nie zuvor. Zur Zeit sind es jeden Tag mehrere Stunden. Man merkt deutlich, dass die hiesige Provinzverwaltung nicht auf einen so großen Bevölkerungszustrom vorbereitet war. Die Stromwerke sind völlig überlastet, da immer mehr Menschen in die Städte ziehen. Vor allem Nicht-Papuas aus anderen Regionen Indonesiens bestimmen inzwischen das Stadtbild. Manchmal kommt es einem kaum mehr so vor, als sei man in Papua, da in den Städten so viele Leute aus Java, Makassar, Menado und anderen indonesischen Inseln leben. Die Nicht-Papuas kann man von den Papuas deutlich an ihrer helleren Hautfarbe und den glatten Haaren unterscheiden. All diese Zuwanderer werden von den Papuas „pendatang“ (Ankömmlinge) oder auch „rambut lurus“ genannt, was soviel heißt wie „glatthaarig“. Wenn Papuas über die „rambut lurus“-Leute sprechen haben sie oft keinen fröhlichen Gesichtsausdruck dabei. Sie fühlen sich in ihrem eigenen Land von ihnen zur Seite gedrängt. Diese Entwicklung schreitet in enormem Ausmaß voran - vor allem der wirtschaftliche Fortschritt scheint tatsächlich an den Papuas selbst vorbei zu ziehen. Er hinterlässt dabei ein hässliches Bild von Umweltverschmutzung, Aids, Arbeitslosigkeit. Papua ist die Provinz Indonesiens mit der schnellsten Ausbreitung von HIV-Aids. Die Arbeitslosigkeit der Papuas nimmt zu, obwohl immer mehr Geschäfte aufmachen. Das liegt einfach daran, dass es keine Papuas sind, denen die Geschäfte gehören und dass Geschäftsinhaber lieber „rambut lurus“ einstellen als Papuas. Meist sind die Papua schlechter ausgebildet als die Einwanderer. Oft sind die Einwanderer auch eher bereit, hart und fleissig für ein geringes Gehalt zu arbeiten. Obwohl in der Provinz Papua aufgrund der so genannten „besonderen Autonomie“ so viel Geld wie noch nie im Umlauf ist, wird Korruption ein immer größeres Problem. Gierige Politiker verschleudern Unmengen von Regierungsgeldern, während die Dorfbevölkerung noch nicht einmal mit genügend Grundschullehrern ausgestattet wird.

Das Stadtbild in Papua hat sich auch in anderer Hinsicht verändert. Riesige Plakatwände und Plakatsäulen, die wie Brücken über die Hauptstraßen ragen, sind wie aus dem Erdboden geschossen. Überall blinken nachts Neon-Leuchtreklamen auf. Immer mehr und immer größere Kaufhäuser entstehen und jeden Abend gibt es endlose Staus in den Einkaufsgebieten. Menschenmassen drängen sich in sportlich modischen Klamotten durch die Einkaufszonen, während in den Nebenstraßen Betrunkene für Randale sorgen und Papuafrauen Bethelnüsse - aufgetürmt in kleinen Häufchen – am Straßenrand zum Verkauf anbieten. Als wir von 11 Jahren nach Papua kamen, gab es hier noch keine einzige Leuchtreklame und nie Stau. Wir brauchen inzwischen doppelt so lange wie früher, wenn wir in die Hauptstadt Jayapura fahren. Junge Menschen rasen mit ihren Motorrädern in „selbstmordverdächtiger“ Geschwindigkeit im Slalom zwischen den Autos hindurch, die sich einen Weg durch das Verkehrschaos bahnen. In Sentani sind im März bei Überschwemmungen und Erdrutschen 7 Brücken eingestürzt (zwei davon auf der Hauptverkehrsstraße). Bis heute wurde noch nicht einmal mit der Reparatur begonnen, denn dafür gibt es kein Geld mehr im Haushalt. Der holprige Umleitungspfad hat meine Fahrt zum Unterricht um täglich 45 Minuten verlängert.

Trotz angeblicher Pressefreiheit sind in den Zeitungen keine gut recherchierten Hintergrundinformationen über das tatsächliche politische Geschehen in Papua zu finden. Stattdessen dominieren Schlagzeilen über menschliche Tragödien die Provinzblätter. Vorgestern ist ein 17-jährger Junge beim Baden im Meer ertrunken - ein großes Foto aus der Leichenhalle prangte auf der Titelseite.  Auf dem Photo daneben die weinende Mutter eines 23jährigen, der leblos in einem Fluß treibend gefunden wurde - ein mysteriöser Todesfall. In Sentani haben sich zwei junge Menschen nach einem Streit mit Rattengift das Leben genommen. Gestern kamen zwei Kinder bei einem Wohnungsbrand ums Leben. Auf der nächsten Seite konnte man die Geschichte eines sexuell missbrauchten Mädchens lesen. Das Foto des mutmaßlichen Täters zeigt ihn von vorne, wie er im Polizeirevier verhört wurde. Der Zeitungsbericht war Ekel erregend und ähnelte einer Anleitung zur Nachahmung, denn es wurde genau beschrieben, was der Täter getan hatte. Ich frage mich, wie so ein Bericht auf junge Männer wirken mag. Ich selbst las ihn nicht bis zum Ende weiter – mir wurde schlecht. Auf der Rückseite des Blattes sprang mir die Reklame für ein neues Fitness-Center ins Auge. Offenbar ein bleibender Eindruck, denn am nächsten Tag bin ich joggen gegangen. Im „Regionalteil“ war noch das Foto eines Regierungsvertreters zu sehen, der irgendwo ein Seminar eröffnet hatte, in dem wieder viel geredet wurde. Wir kennen das nun schon lange: Geredet wird unendlich viel, aber es gibt wenige Menschen mit Visionen und klaren Zielen, die wirklich den Fortschritt der Papuas im Blick haben und nicht nur an ihren eigenen Geldbeutel denken.

 

In der Seelsorge erzählte mir ein Junge wie in seiner Schule Pornos übers Handy verteilt werden und wie einfach man die Lehrer mit Ersatz-Memorykarten austricksen kann, die schnell eingesetzt werden, wenn die Handys in der Schule überprüft werden. Derselbe Junge war vor kurzem mit seinen Freunden beim Wahrsager. Das Handy seines Freundes wurde gestohlen und der Zauberer sollte ihnen sagen, wer es geklaut hat. Er schaut sich auch gerne Horrorfilme an und hängt mit seinen Freunden rum. Ja, betrinken tun sie sich auch und dann sind da natürlich auch Mädchen. Dass sie auch schwanger werden könnten…daran hat er noch nicht gedacht. Aber alle machen das ja. Und man will nicht als Feigling dastehen. In meinem Volleyballclub sind 5 Mädchen, die vor ihrem 18. Lebensjahr ein Kind bekommen haben. Jetzt stehen sie alle alleine da. Die Jungs haben sich rechtzeitig aus dem Staub gemacht. Woher sollen sie auch wissen, ob sie wirklich der Vater sind. Ausreden, wie „die macht es doch mit jedem“ sind nach dem „kurzen Glück“ oft zu hören. Fehlgelaufene Abtreibungen enden oft mit der Geburt eines behinderten Kindes. Gelegentlich werden abgetriebene oder ungewollte neugeborene Babies in Plastiktüten irgendwo im Müll gefunden. 

 

Der Junge, von dem ich oben geschrieben habe, kam zu mir in die Seelsorge, weil er eine starke Unruhe in sich verspürte. Er erzählt von Alpträumen, die ihn quälen, seit er bei dem Wahrsager war und dass er seither seinen Körper und seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle habe. Auch könne er sich nicht mehr auf Gebet und Bibellesen konzentrieren, obwohl er doch meint, Christ zu sein. Schließlich gehe er ja regelmäßig zur Kirche… Seine Emotionen gehen oft mit ihm durch, sagt er. Andere Leute seien ihm völlig egal und seine Eltern hasse er.

Da bricht er zusammen, wird ganz kleinlaut und flüstert fast, als er zugibt, dass ihm seine Gefühle und Gedanken Angst machen - er will nicht mehr so weiterleben, will umkehren zu seinem Vater im Himmel, den er früher schon einmal kennen gelernt aber dann wieder verlassen hat.

Im Folgenden bekennt er alles. Ohne Ausnahmen. Es dauert eine Weile, denn vieles ist zusammengekommen. Die Last seiner Schuld drückt ihn regelrecht nieder. Er sagt, er spüre einen schweren Druck zentnerschwer auf seinem Rücken liegen. Beim Gebet krümmt er sich zusammen. Man spürt und sieht einen inneren Kampf vor sich gehen. In der Bibel wird ein solcher Kampf im Epheserbrief in Kapitel 6 beschrieben. Dann wird er ruhig. Er sagt er „ein schwarzer Greifvogel“ habe gerade seinen Körper verlassen…durch den Rücken…. beim Gebet um Befreiung. Und plötzlich kommt die Freude zurück in seine Augen, die zuvor diesen endlos traurigen, leeren Blick hatten. Er vergibt auch den Menschen, die ihm Schmerzen zugefügt haben und es scheint, als sei eine zentnerschwere Last von seinen Schultern gefallen. Auch seinen Eltern vergibt er. Er strahlt und dankt Gott in einem bewegenden Gebet für seine Befreiung. Dann drückt er mich und sagt „Danke, Mama“, obwohl ich doch gar nicht seine Mutter bin. Viele der Kinder oder auch Studenten hier nennen mich so… . Ich bin aber froh, dass ihm klar ist, dass nicht ich, sondern sein Vater im Himmel ihm Befreiung seiner Schuld geschenkt hat.

Ich liebe diese Kinder. Sie sind die Zukunft Papuas und sie haben in diesem Land so wenig Hoffnung. Es gibt nur einen klaren Weg, ihnen Hoffnung zu geben und der geht über Jesus. Der dankbare, glückliche und strahlende Blick aus den Augen dieses Jungen sagt mehr als 1.000 Worte. Am nächsten Tag treffe ich ihn zufällig, als er tief versunken über seiner Bibel sitzt und ich spüre, dass seine Liebe zu diesem Buch zurückgekehrt ist, das seinen Glauben stärken wird, wenn er es regelmäßig liest. Jesus wird ihm immer wieder Liebe, Kraft und Geborgenheit geben, wenn er ihn darum bittet.

 

Anfang Mai war ich mit dem Flugzeug in Apahapsili, einem Dorf im Hochland. Die Kinder gehen dort ab und zu zur Schule, wenn sie Lust haben oder mal ein Lehrer da ist. Jetzt ist ein Lehrer da, aber die Eltern haben kein Interesse ihre Kinder in die Schule zu schicken, weil sie dort ja eh nichts lernen. Der Lehrer mit dem ich in Apahapsili gesprochen habe, ist Gayus, der zuvor 10 Jahre bei uns im Haus gelebt hat. Er ist letztes Jahr nach seinem Studium in sein Dorf zurückgekehrt, um den Kindern eine bessere Schulausbildung zu ermöglichen. Jetzt ist er frustriert. „Die Eltern erziehen ihre Kinder nicht“, sagt er. „Die schicken ihre Kinder einfach nicht in die Schule. Sie kommen nur, wenn sie nichts Schwieriges lernen müssen -  nur wenn es Spaß macht. Wenn der Lehrer ärgerlich wird, gehen sie einfach nach Hause und kommen nicht wieder“. Gayus arbeitet momentan noch ohne Gehalt. Er wartet noch auf den „surat keputusan“, den Brief der Regierung in dem steht, dass er Anspruch auf ein Gehalt hat. Deshalb wohnt er noch bei Verwandten und verkauft verschiedene Sachen, um an Geld zu kommen, das er zum Leben braucht. Seine Freundin kommt jetzt bald aus der Stadt zurück. Sie ist mit der Oberschule fertig und zehn Jahre jünger als er. Seine Verwandten haben sie für ihn ausgesucht. Er wollte es so, denn ein Mädchen aus der Stadt würde sicher nicht im Dorf leben und arbeiten wollen  wie er – in seinem Stamm. Wann sie heiraten wollen, weiß er noch nicht so genau. „Mal sehen“, sagt er. Er will sparen, um den Brautpreis bezahlen zu können. Seine Braut wird ihn ein paar Schweine kosten.

Außerdem versucht er Alphabetisierungskurse durchzuführen, aber die Leute sind desinteressiert und kommen nur ein oder zweimal. Dann gehen sie wieder in ihren Gärten arbeiten (die Frauen) oder sitzen unter dem Baum und unterhalten sich (die Männer).

Es gibt aber auch Leute, die lernen wollen. Ich sprach mit mehreren Frauen, die kleine Läden haben. Sie wollen lernen, wie man genügend Gewinn erwirtschaftet, damit das Geld auch am Monatsende noch reicht. Als ich ihnen erklärte, was sie einmal ausprobieren könnten, fragten sie mir bis nachts um ein Uhr Löcher in den Bauch. Die Frauen sind in den Dörfern wesentlich engagierter, wenn es darum geht etwas dazuzulernen. Viele Männer wollen sich nichts sagen lassen. „So haben wir es eben schon immer gemacht“. Wenn man nach Fortschritt fragt, zucken sie mit den Schultern. „Die Regierung ist schuld. Die geben uns zu wenig Geld!“ Mit ca. 50 Leuten hatten wir ein Treffen im Dorfgemeinschaftshaus. Ich malte ein leicht verständliches Bild an die Tafel und erklärte dazu, was man alles benötigt, um ein Unternehmen erfolgreich zu führen. Ein paar Leute wollen Läden führen, andere wollen Früchte und Gemüse mit dem Flugzeug in die Stadt zum verkaufen schicken. Aber die Mehrheit der Anwesenden ist aus reiner Neugier gekommen. Völlig neu ist allen, dass man auch Transportkosten in seine Kalkulation mit einbeziehen muss. Ich bin mir nicht sicher, ob sie dann bei dem Treffen verstanden haben, dass ein Unternehmer jemand ist, der sich selbst etwas aufbaut, selbst Ideen für neue Produkte oder neue Strategien entwickelt und eigene Fähigkeiten investiert, um etwas zu bewirken und nicht jemand, der tatenlos darauf wartet, dass jemand mit dem Flugzeug vorbeikommt, um einen Haufen Geld mitzubringen, um diesen dann unter der Dorfbevölkerung zu verteilen ohne etwas dafür zu verlangen. Leider ist dieses Denken sehr verbreitet hier in Papua und wird durch Regierungsprojekte noch verstärkt. Nur wenige Menschen haben wirklich Motivation für den Fortschritt hart zu arbeiten und Zeit und Kraft zu investieren. Viele, die es tun, scheitern allerdings auch an anderen, die ihnen der Erfolg nicht gönnen. Eifersucht kann so zerstörend sein. Auch im Wirtschaftsleben. Besonders aber in einer Kultur, in der Misstrauen und absichtliche Täuschung einen so hohen Stellenwert haben und der Zwang, Hab und Gut mit der Familie zu Teilen, planvolles Sparen und Wirtschaften schon im Ansatz behindert.

 

Eine der Frauen, die ich in der Stadt berate sagt, „ich verdiene das Geld und mein Mann gibt es aus. Ich muss es verstecken, dass er es mir nicht wegnimmt und sich mit seinen Freunden betrinkt. Oft habe ich noch nicht einmal mehr Geld, um Milch für die Kinder zu kaufen.“ Bei einer anderen Frau überprüfte ich die Bücher und stellte fest, dass sie jeden Monat Verluste erwirtschaftete. Als ich sie fragte, wie sie den Laden aufrecht erhalte und mit welchem Geld sie den Kredit zurückbezahle, sagte sie, dafür nehme sie ihr Gehalt, das sie nebenbei als Lehrerin verdiene. Es ist manchmal erschreckend, wie wenig Grundlagenwissen über Unternehmensplanung, Unternehmensführung, Kalkulation, Kostenrechnung du besonders über Gewinn- und Verlustrechnung bei einheimischen Unternehmern vorhanden ist. Als ich dieser Frau verschiedene gewinnbringende Produkte vorschlug, die sie zum Verkauf anbieten könne und dass sie diejenigen, die ihr den Verlust beschert hatten nicht mehr verkaufen solle, schaute sie mich ungläubig mit großen Augen an. Als ich ihr ein paar Beispiele vorrechnete, begann sie langsam zu verstehen. Sie will jetzt einmal mit ihrem Mann darüber sprechen.

 

Was gibt uns trotz der beschriebenen Situationen Hoffnung, um in diesem Land, in dieser Provinz zu leben und zu arbeiten? Es sind die einzelnen Menschen, die wir treffen, die etwas bewegen könnten, wenn sie sich zusammen schließen und gemeinsam vorwärts gehen würden. Es ist unglaublich schön, wenn Menschen sich dafür bedanken, dass sie endlich Frieden in ihrem Leben gefunden haben, weil ihnen jemand erklärt hat, dass man Jesus ganz persönlich kennen lernen kann. Viele denken ja, man sei Christ, wenn man in die Kirche gehe oder getauft sei und haben noch nie gehört, dass Christsein eine Herzensangelegenheit ist. Menschenleben, die sich durch Gottes Eingreifen verändern sind der größte Fortschritt, den eine Nation haben kann, denn sobald Menschen von Gottes Geist ergriffen werden, werden ihnen auch die Augen für ihre Umwelt geöffnet. Lähmende Ängste werden vertrieben, Frieden kann in Familien einziehen und neue Hoffnung für besseres Zusammenleben kann geschaffen werden. Zerrüttete Beziehungen können geheilt werden und Kinder können Liebe und Geborgenheit erleben. Gottes Liebe in diesem Land in einzelnen Menschen wirken zu sehen ist das Beste, was man sich vorstellen kann. Deshalb sind wir hier und deshalb lieben wir es, hier zu sein. Obwohl es menschlich gesehen oft an die Grenzen des Erträglichen geht. 

 

Im März mussten Rainer und ich uns endlich einmal etwas Urlaub mit den Kindern gönnen. Auch unsere Lernhelferin Amelie Bletscher, die uns seit letztem August wunderbar unterstützt, indem sie Julia, Jan und Benjamin mit Fernschulmaterialien unterrichtet, war mit dabei und wir haben gemeinsam ein paar Tage Erholung am Strand von Bunaken, (Nord-Sulawesi) genossen. Rainer war zuvor total erschöpft von viel zu vielen Diensten und ich bin auch ständig zu Unternehmerkursen unterwegs gewesen. Nach streßbedingten Krankheitssymptomen müssen wir beide nun mehr darauf achten, dass wir uns nicht überarbeiten und dass uns menschliche Enttäuschungen und das Elend, das wir sehen, aber oft nicht ändern können, nicht zu sehr belasten. Wir wollen immer darauf sehen, dass Gott auch dort Frieden schenken kann, wo es menschlich gesehen eher nach Krieg und Zerstörung aussieht. Wir bitten euch für die Menschen hier zu beten. Wir alle brauchen Gebet, denn es gibt auch immer wieder Gerüchte über bevorstehende Christenverfolgungen in Papua durch eine bestimmte religiöse Gruppe. Bitte betet für unsere Gesundheit. Julia und Benjamin hatten seit fünf Jahren zum ersten mal wieder Malaria tropica . Ich selbst habe seit meiner Operation wegen geplatztem Blinddarm im letzten Jahr immer noch gelegentlich Schmerzen im Bauchbereich und kann bisher noch nicht wieder schmerzfrei Sport treiben. Ich trainiere die einheimischen Kinder zwar weiterhin, aber ich kann selbst nicht richtig mitmachen und das ist schade. Da es hier keine zuverlässigen ärztlichen Untersuchungen gibt (wie sich in der Vergangenheit vor der Blinddarmgeschichte bereits herausgestellt hat) sind wir auch in diesem Bereich ganz auf Gottes Mithilfe angewiesen, denn schließlich kennt er sich auch in der Medizin aus. Also bitte betet dafür, dass wir hier alle eine tüchtige Portion Gesundheit bekommen und viel Kraft für alle anliegenden Aufgaben.

Die Kindergottesdienstarbeit konnte ich in die Hände jüngerer Mitarbeiter übergeben. Ich bin immer froh, wenn sich einheimische Mitarbeiter trauen, selbstverantwortlich eine Aufgabe weiterzuführen. So bin ich wieder frei für Neues. Da ich verstärkt junge Lehrer ausbilde, hoffe ich auch im Unterrichtsbereich bald mehr Unterstützung zu bekommen, so dass ich in der Wirtschaftsschule in Wamena selber nur die schwierigeren Kurse unterrichten muss und die Grundlagenkurse in einheimische Hände übergeben kann. Sobald mein fast fertiges Buchführungbuch für den Papua-Kontext fertig ist, kann sich allerdings die Kursanzahl in anderen Gebieten Papuas wieder erhöhen. Anfragen habe ich schon.

 

Heidis weitere Planung:

-         Buchführungbuch für Kleinunternehmer fertig stellen (was mich freut ist, dass ich schon über 50 Buchbestellungen habe, obwohl es noch gar nicht fertig ist; Tendenz steigend)

-         Weitere Unternehmensberatungskurse im Hochland und in verschiedenen Städten in Papua.

-         Anleitung von zwei neuen einheimischen Lehrern für die Wirtschaftsschule in Wamena

-         Mitarbeiterschulungen im Hochland.

-         Start der Reparaturwerkstatt für Motorsägen, Motorräder und andere Maschinen in Wamena, bei deren Planung ich intensiv beteiligt bin.

-         Seelsorge im Teenkreis mit den Volleyballmädchen intensivieren (es gibt viele Problemfälle im familiären Umfeld der Kinder).

 

Rainers weitere Planung:

-         Neue Abendbibelschulkurse in mehreren Städten gründen (es gibt ständig neue Anfragen).

-         In bereits bestehenden Abendbibelschulen die Leiter schulen, um die Eigenständigkeit der Klassen zu fördern.

-         Alle bereits herausgegebenen Bücher, die in der Abendbibelschule benutzt werden indonesienweit herausbringen (ein großer Verlag hat Interesse gezeigt).

-         Kinderfussballturnier Ben´s Cup im Juli/August für U-8, U-10, U-13 und Mädchen U-18.

-         Technischer Berater beim Zweitliga-Fussballclub Persidafon Sentani (auf Bitte des Landrates des Landkreises Sentani persönlich).

 

Ein ganz besonderes Dankeschön gilt all denen von euch, die unsere Arbeit hier in Papua außer mit Gebeten auch mit monatlichen oder auch gelegentlichen finanziellen Gaben unterstützen. Weil ihr dies tut, können wir hier sein. Ich habe gehört, dass manche Leute denken, dass wir, da wir ja so viele Leute kennen, bestimmt keine finanzielle Unterstützung mehr bräuchten. Das ist nicht der Fall. Wir kennen zwar sehr viele Leute und auch sehr viele Menschen lesen unsere Infos (und in Zukunft auch die Homepage), aber es sind nur wenige, die sowohl finanziell dazu in der Lage sind als auch Freude daran haben unsere Arbeit auch tatkräftig mit Geldgaben zu unterstützen.  Wir freuen uns über jeden, der sich gerne diesem Unterstützerkreis hinzugesellen möchte. Wir legen allerdings Wert darauf, dass jeder, der eine Gabe gibt, dies von Herzen tut und nicht deshalb, weil er sich aufgrund irgendwelcher Umstände dazu verpflichtet fühlt. Frei nach dem Motto, einen „fröhlichen Geber hat Gott lieb“.

Die Kontoverbindung für Überweisungen ist 

Name: CFI; Bank: KK Stuttgart. BLZ 600 60606; Konto: 415 901;

Verwendungszweck: Rainer und Heidi Scheunemann, Papua

(Bitte für Spendenbescheinigungen auf der Überweisung die vollständige Postadresse angeben)

Seid alle ganz herzlich gegrüßt

Eure fünf Scheunemänner und –frauen

 

Heidi, Rainer, Julia, Jan und Benjamin

Topaktuelle Nachrichten von heute, Sonntag, 13.Mai:

  1. Im Gottesdienst wurde heute unter großem Jubel bekannt gegeben, dass das Neue Testament in der Unna-Sprache nach 19 Jahren Übersetzungsarbeit fertig geworden und bereits im Druck ist. Mehrere Tausend Menschen sprechen diese Sprache im Hochland von Papua.
  2. Eine Papua-Auswahlmannschaft von Kindern unter 12 Jahren, die fast alle bei den von uns organisierten  Kinder-Fußballturnieren mitgespielt haben, hat heute nach Elfmeterschießen in Jakarta im Finale der indonesischen nationales Meisterschaft dieses Jahrgangs den 2. Platz belegt.

 

Unsere Einsatzbereiche in Papua  
  Theologischer Unterricht
Abendbibelschule
Gemeindedienste
Evangelisationen
Kindergottesdienst
Teenclub
Strassenkinderarbeit
Kinder- und Jugendfußballförderung
Indonesische Frauen-Fussball-Nationalmannschaft
Mädchen-Volleyballclubs "Haleluya"
Kleinunternehmerberatung
Strategien zur Armutsbekaempfung
Wirtschaftsschule
Capacity builing (Coaching von Junglehrern)
Leiterschaftstraining
Musik (VCD-produktionen)
Aids-Aufklärung
 
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