Familie Heidi und Rainer Scheunemann in Papua
 
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2006-03 Freundesbrief Nr. 21

Papua-Freundesbrief Nr. 21 

 

Waena, Februar/März 2006

Ihr Lieben,

 

dies ist unser letzter Freundesbrief als Mitarbeiter der VEM in Papua. Im März werden wir von Papua aus aufbrechen und nach einer Zwischenstation in Java bei Rainers Brüdern am 4. April in Deutschland ankommen. Wir sind dann in Giessen über meine Eltern erreichbar (Familie Grieb, Tel 0641:5591492). Wir danken der VEM herzlich dafür, dass sie uns ermöglicht hat, dass wir nun schon 10 Jahre lang unseren Dienst hier in Papua tun können. Unser Vertrag läuft im Mai aus und kann nicht nochmals verlängert werden. Wenn wir innerhalb der nächsten Monate einen privaten Freundeskreis aufbauen können, der uns monatlich finanziell unterstützt, dann kann uns aber ab Juni CFI (Christliche Fachkräfte International) als Mitarbeiter übernehmen und wir könnten dann mit CFI wieder nach Papua ausreisen, um unsere Arbeit mit den Papuas fortführen zu können. Es war nicht leicht für uns, eine Entscheidung zu treffen, wohin unser Weg gehen soll. Wir haben uns viel Zeit genommen, um über unsere Zukunft und die unserer Kinder nachzudenken und sind zu dem Schluß gekommen, dass unsere Arbeit in Papua noch nicht zu Ende ist. Immer wenn wir in Gegenwart von Einheimischen darüber gesprochen haben, dass wir eventuell bald ganz nach Deutschland zurückkehren müssen, trat ein Ausdruck von Ungläubigkeit oder gar Entsetzen in deren Gesichter ein. Wenn wir nach dem Grund ihrer Reaktion fragen, dann hören wir immer wieder, dass sie dachten, wir würden für immer hier bleiben, weil wir doch weiße Papuas seien, mit dem Herzen ganz auf ihrer Seite. Sie sagen, wir gäben Ihnen Hoffnung für eine bessere Zukunft, weil wir die Jugendlichen von der Straße holen und ihnen ihre Fähigkeiten bewußt machen und weil die Menschen merken, dass wir sie lieb haben öffnet es ihnen auch den Weg zu Jesus, der sie noch viel mehr lieb hat... Meinen Volleyballkindern standen sofort die Tränen in den Augen als ich ihnen sagte, dass wir noch nicht wissen, ob wir zurückkommen können. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass es sie so treffen würde... aber plötzlich wurde mir auch selbst noch viel mehr bewußt, wie sehr mir diese Kinder am Herzen liegen. Ich kenne ja ihre Herkunft und die Hoffnungslosigkeit, der sie entgegengehen, was ihre berufliche Zukunft angeht. Viele der Kinder  aus Yoka, dem Fischerdorf, aus dem die meisten Spielerinnen kommen sind nach ihrem Schulabschluß arbeitslos oder manche sind schon vorher mit 15 oder 16 ungewollt schwanger. Die meisten haben betrunkene Väter, von denen sie geschlagen werden und Familienangehörige, von denen sie mit den wildesten Ausdrücken beschimpft werden. In solch einer Atmosphäre aufzuwachsen läßt das Selbstbewußtsein total verkümmern. Viele der Kinder sind verschüchtert und trauen sich nicht, ihre Meinung auszudrücken, sie haben große Angst vor Ablehnung. Der Zusammenhalt in der Volleyballmannschaft und im Jugendclub ist für die Kinder wie eine neue Familie. Den Kindern Selbstvertrauen zu geben und ein Stückweit Angenommensein und Sicherheit aber auch Verantwortungsbewußtsein zu vermitteln sind einige der Ziele in der Jugendarbeit hier. Zu Weihnachten habe ich allen Volleyballkindern ein T-shirt mit dem Emblem unseres Clubs drauf geschenkt. Barbara Schlieper, die Freundin des deutschen Volleyballnationalspielers Christian Pampel hat übers Internet ein paar Trikots von Nationalspielern angeboten und versteigert und den Verkaufserlös für die Volleyballkinder gespendet. Das war super, denn so konnten wir die T-Shirts kaufen. Es ist toll, zu sehen, mit welcher Begeisterung und mit welchem Stolz die Kinder jedes mal im Training mit diesen T-shirts erscheinen. Dabeizusein, dazuzugehören ...in einer Gesellschaft in der man sonst nur an den Rand gedrückt wird... ist etwas, was Auftrieb gibt.

Das Fussball-Internat als Tür zur Zukunft

 

Ende Januar ist Elly Siep, ein sechzehnjähriger Junge aus dem Hochland, einer der Jugendlichen aus meiner Sonntagsschule ins Fußballinternat nach Kalimantan aufgenommen worden. Er hatte einige Wochen bei uns zu Hause gewohnt vor seiner Abreise und wir haben ihn immer wieder ermutigt, seine Fähigkeiten zu nutzen und sich nicht unterkriegen zu lassen. Für „Hochlandkinder“ ist es ungemein schwer, an der Küste Anerkennung zu bekommen oder vernünftig gefördert zu werden. Nun bekam er eine Chance über dieses Internat Profifussballer in Indonesien zu werden. Er hat das Zeug dafür und wenn er es schafft, dann hat er finanziell eine sehr gute Absicherung für die Zukunft und wird zum Stolz für sein Heimatdorf in Wamena und die Kinder dort. Es fiel mir nicht leicht, ihn zu verabschieden, denn er war mir in den letzten Jahren sehr ans Herz gewachsen und fast wie ein eigenes Kind für mich. Zunächst dachten wir alles klappt prima, denn er wurde sofort in die Jugendligamannschaft aufgenommen. Dann gab es aber Eifersüchteleien mancher Spieler aus anderen Gebieten und plötzlich wurden Elly und sein Freund wieder nach Papua zurückgeschickt. Angeblich seien sie zu jung. Solche Enttäuschungen müssen viele Spieler hier verkraften. Es wird ihnen etwas versprochen und plötzlich werden sie fallen gelassen, weil sie nicht zum „richtigen“ Stamm oder zur „richtigen“ Sippe gehören. Diese Erfahrung hat aber wieder mal gezeigt, wie wichtig es ist, hier in Papua eine vernünftige Fussballschule aufzubauen. Dies ist ja unser Traum, damit wir die talentierten Kinder nicht so weit wegschicken müssen in die Internate anderen indonesischen Provinzen sondern vor Ort fördern können, wo sie auch nicht diskriminiert werden. Papuas haben ja eine sehr dunkle Hautfarbe – fast wie Afrikaner – und daher werden sie von den Indonesiern aus anderen Gebieten Indonesiens oft gehänselt und als „Affen“ bezeichnet. Der Rassismus ist in Indonesien sehr verbreitet und es tut den Papuas (und uns auch) weh, diese Beschimpfungen auszuhalten. Würde es hier eine Fussballschule geben, mit vernünftigen Trainern, die nicht auf die Herkunft, sondern auf das Potential der Spieler achteten, dann wäre das für viele Vereine wie eine Goldgrube, denn die Papuas sind unglaublich talentierte Fussballspieler. Sie werden von unserem australischen Freund Tom, einem Fussballtrainer, die „Brasilianer des Pazifiks“ genannt. Zur Verwirklichung der Fussballschule suchen wir momentan Sponsoren, wie zum Beispiel einen deutschen Fussballverein, der in Zukunft mal Papuaspieler in seinen Reihen haben möchte. Es ist faszinierend, was diese Kinder hier für ein Ballgefühl haben. Es sollte mal ein Spielerbeobachter hierherkommen und den Kindern zuschauen. Sicher wäre er begeistert von der Idee des Fussballinternats. Die Erfahrung eines befreundeten amerikanischen Missionars, dessen zwei Töchter in der amerikanischen College-Liga mitspielen und beide wegen ihrer fussballerischen Fähigkeiten dort ein Stipendium bekommen haben, hat uns angeregt, darüber nachzudenken, auch für Mädchenfussball verstärkt Förderung zu betreiben. Wäre es nicht faszinierend, wenn ein Papua-Mädchen ein Stipendium an einer amerikanischen Universität bekommen würde, weil sie dort für die Collegemannschaft spielt. Eines meiner 15jährigen Volleyball-Mädchen, die ich seit 4 Jahren trainiere und mit der ich auch Fussballtraining gemacht habe, wurde jetzt in die Papua-Auswahlmannschaft berufen, die im April an der indonesischen Damenfussball-Meisterschaft teilnimmt (bei der ich letztes Jahr mit der Papua-Mannschaft Meister wurde). Ich hätte schon Lust, da nochmal mitzuspielen oder als Betreuer mitzufahren, denn Rainers Bruder Timo fährt auch mit einer Mannschaft hin, aber da wir ja nach Deutschland kommen, muß ich das auf nächstes Jahr verschieben, denn das Turnier fängt erst kurz nach Ostern an. Interessant ist noch im Hinblick auf unser sportliches Engagement in Papua, dass ich am 22. Februar von der Provinzregierung – vom Leiter des Bereichs Sport und Jugend zu einem Treffen eingeladen wurde, bei dem ich als Anerkennung meiner Verdienste als Jugendtrainerin mit meinem Volleyballclub Haleluya, den ich seit 4 Jahren leite, offiziell in die von der Provinzregierung anerkannten Jugend-Clubs der Provinz aufgenommen wurde. Da es in ganz Papua nur 15 Clubs gibt, die Jugendförderung betreiben (was ich wirklich erstaunlich und zugleich auch sehr traurig finde) und mein Volleyballclub der EINZIGE Volleyballclub ist, der Kinder fördert (die anderen 14 Clubs konzentrieren sich auf Fussball, Athletik und Rudern), wird es wirklich Zeit, dass hier mal mehr für die Jugend getan wird. Wenn ich aus Deutschland zurückkehre will ich Fussball- und Volleyballtraining für Mädchen parallel laufen lassen und noch mehr Schulabgänger, die ohne Arbeit herumhängen, als Assistenztrainer ausbilden, die dann die Mädchen weitertrainieren können. Es hat sich nämlich bei dem letzten Turnier herausgestellt, dass es hier sehr viele Mädchen gibt, die gutes Potential hätten, eines Tages in Amerika ein Collegestipendium zu bekommen. Bis dahin ist es aber noch ein anstrengender Weg, denn die Beherrschung der englischen Sprache ist ja ein weiteres Hindernis...dem noch Abhilfe geschaffen werden muß.

 

 

Zum 4. Mal läuft  die Kinderfussball-Liga Ben´s Cup

 

Nachdem wir im Oktober 2005 mit 24 Jugendmannschaften unter 16 Jahren den GKI-Cup ausgerichtet haben, der demnächst in 10 Städten Papuas zeitgleich laufen soll, um die Möglichkeit zu bieten, begabte Spieler für die Junioren-Auswahlmannschft von Papua zu selektieren, haben wir im Februar zum 4. mal das Kinderfuss­ballturnier Ben´s Cup veranstaltet. Diesmal haben wir 4 Alterskategorien angeboten. Unter-8 jährige, unter 10-jährige, unter 13-jährige und (speziell für Mächen) unter 17-jährige. Ich selbst trainiere zwei der Mädchen­mannschaften. Eine meiner Mädchenmannschaften wurde Meister. Benjamin wurde Torschützenkönig bei den unter 8 jährigen mit 5 Toren und sein Freund Yatteo wurde zum besten Spieler der unter 8 jährigen gewählt. Wir haben inzwischen schon ehemalige Studenten dazu ausgebildet, dass sie diese Turniere auch ohne unsere Anwesenheit durchführen können und so klappt auch alles, wenn wir mal nicht dabei stehen. Das ist toll. Man hat nur Streß mit manchen siegeshungrigen Trainern oder Eltern, die Geburtsurkunden fälschen, um ältere Spieler in ihre Mannschaft einzuschleusen. Was dagegen ermutigend ist, ist die Tatsache, dass ehemalige Studenten von Rainer, die früher von ihm trainiert wurden, jetzt, nachdem sie selbst Pfarrer geworden sind, in ihren Gemeinden auch solche Kinderfussballturniere oder Studentenfussballturniere anbieten. Begeisterung steckt an... Für die Kinder sind diese Turniere enorm wichtig, weil sie einfach mal vor einem Publikum zeigen können, was sie für Fähigkeiten haben. Auch unsere eigenen Kinder sind begeistert mit dabei. Benjamin hat als gerade 7jähriger auch bei den unter 10-jährigen mitgespielt und dort zwei Tore gemacht (eines davon im Finale), wo seine Mannschaft dann Meister wurde. Jan spielt als 10jähriger bei den unter-13jährigen mit und Julia ist als zwölfjährige bei den Mädchen auch eine der Jüngsten, aber mit ihren 1,63m dennoch eine der größten. Ihre Körpergröße hilft Julia auch beim Volleyball natürlich sehr, wo sie zweimal in der Woche trainiert und am liebsten auf der Stellerposition spielt. Die Kinder haben so viel Spaß mit ihren einheimischen Freunden. Es ist einfach schön für sie, hier mit so vielen Kindern zusammen aufzuwachsen. Jeden Tag sind die Kinder nach der Schule draußen mit ihren Freunden beim Ball spielen, Fahrradfahren, klettern, neue Abenteuerwege erkunden, in irgendwelchen Teichen oder Tümpeln baden oder beim Fisch grillen am Strand. Das würde ihnen in Deutschland alles sehr fehlen, sagen sie. Was sie aus Deutschland vermissen ist der Schnee für eine ordentliche Schneeballschlacht, Joghurt, Salami und die sauren Apfelringe...ansonsten fehlt eigentlich nicht viel...außer den Großeltern halt natürlich....

 

Weihnachten in der Wildnis

 

Weihnachten war letztes Jahr ein besonderes Erlebnis. Zum ersten mal gab es an Heiligabend keine Geschenke, denn wir waren in einem kleinen Dorf im Hochland steckengeblieben, weil uns wegen schlechtem Wetter das bestellte Flugzeug nicht abholen konnte. Wir hatten dort ein paar Tage Urlaub gemacht, nachdem ich zuvor im Hochland einen Buchführungskurs geleitet hatte, und nun saßen wir ohne Lebensmittel (die wir extra aufgebraucht hatten, weil man nicht so viel Gepäck in der kleinen Cessna mitnehmen kann) in diesem Dorf fest. Plötzlich und unerwartet wurden wir dann aber kurz vor Dunkelheit von einer amerikanischen Missionarsfamilie zum Abendessen eingeladen und haben mit ihnen und ihren Papua-Freunden einen sehr schönen Abend mit internationalem Weihnachtsliedersingen bei Kerzenlicht (es gab keinen Strom) und einem leckeren Buffet verbracht. Jeder der wollte, durfte noch erzählen, was uns an Weihnachten so wichtig ist. Mir war in dem Moment der Aspekt wichtig, dass der Engel zuerst den Hirten die gute Nachricht von der Geburt Jesu gebracht hat. Es wurden nicht die „wichtigen“ Leute zuerst informiert über dieses weltverändernde Ereignis, sondern die Hirten, das heißt diejenigen, die in der sozialen Leiter damals ganz unten angesiedelt waren. Auch an diesem Tag wurde mir klar, dass Jesus mit uns in Papua noch etwas vorhat. Wir sollen diesen Menschen noch was von Jesus erzählen, denn auch sie sind in der sozialen Leiter Indonesiens ganz unten angesiedelt...aber bei Gott haben sie alle einen ganz hohen Stellenwert. Papuas sind wertvolle Menschen und wir wollen unser Bestes tun, um es denen „auszurichten“, die das noch nicht gehört haben.

 

Unternehmerkurse im Hochland

 

Ich mache natürlich nicht nur Fussball und Volleyball hier sondern bin auch in meinem „richtigen“ Beruf als Lehrerin von betriebswirtschaftlichen Fächern bzw. Unternehmensberaterin weiterhin aktif und es macht immer mehr Spaß, weil ich durch meine sprachlichen Fortschritte in der indonesischen Sprache und durch viele Erfahrungen mit Papua-Unternehmern immer effektiver arbeiten kann. Ich mache in den letzten Monaten immer öfter Kurse für privates Money-Management, Buchführungskurse und Unterricht für Kleinunternehmer im Hochland und es macht mir (und den Teilnehmern auch) immer mehr Spaß, weil auch mein Material immer besser wird. Viele Erfahrungen helfen einfach dabei, einen Unterricht gestalten zu können, der auf die Bedürfnisse der Menschen hier im Hochland angepaßt ist. Beim letzten Kurs im Dezember in Wamena war ich sehr gerührt, als am Abschlußtag einer der älteren Teilnehmer das Wort ergriff und uns unter Tränen bat, solche Kurse auch in seiner Heimatgegend zu machen. In seinem ganzen Leben hätte er noch nie solchen Unterricht bekommen und er möchte unbedingt, dass seine Freunde und Verwandten auch lernen, mit ihrem Geld besser umzugehen, damit sie die Schulausbildung ihrer Kinder besser planen können. Auch andere positive Reaktionen haben mich zu der Idee geführt, das Material in einem Buch zusammenzufassen und für Seminare in der Zukunft somit einem größeren Publikum zugängig zu machen. So könnten die Teilnehmer der Kurse anschließend die Bücher nutzen, um wiederum Kurse in ihren Heimatgemeinden anzubieten. Was mich sehr gefreut hat, ist, dass ein ehemaliger Student von mir jetzt Leiter der Wirtschaftsschule in Wamena geworden ist. Die Zusammenarbeit mit ihm und seiner Frau ist sehr effektiv und so werden wir in Zukunft mit einem „Inkubatorprogramm“ beginnen. Wir wollen jungen Unternehmern die Möglichkeit geben, auf dem Schulgelände in Wamena erste praktische Erfahrungen für ihre zukünftige Unternehmertätigkeit zu machen, indem wir „Trainings-Unternehmen“ eröffnen, in denen die Teilnehmer dann direkt ihre zukünftigen Tätigkeiten „on the job“ lernen können. So wollen wir ein Kiosk eröffnen, eine kleine Werkstatt für das Flicken von Reifen, ein Restaurant und für die Zukunft ist ein Internet-cafe geplant. Eine Bäckerei läuft schon seit über einem Jahr sehr erfolgreich. Die Buchführung der Unternehmen wird regelmäßig von Lehrern der Wirtschaftsschule überprüft, „Trainer“, Lehrer und und ich als “Consultant“ halten die Augen offen, dass im Unternehmensalltag alles richtig läuft. Sobald die „Lehrlinge“ das Zeug dazu haben ein solches Unternehmen selbständig zu führen, bekommen sie einen günstigen Kredit und dürfen außerhalb des Schulgeländes ein Unternehmen gründen und damit auf eigenen Beinen stehen, wodurch dann wieder Trainingsplätze auf dem Schulgelände für neue Teilnehmer frei werden. Die neuen Unternehmer werden aber auch noch während ihrer selbständigen Unternehmertätigkeit bis zur vollständigen Kreditrückzahlung von einem Beratungteam begleitet. Dieses Programm habe ich mit entwickelt und geplant und so macht es mir eine besondere Freude, zu sehen, dass die Sache nun konkrete Formen annimmt. Auch dieses Programm, das noch in den Kinderschuhen steht, ist natürlich ein wichtiger Grund für uns, noch hier in Papua zu bleiben. Ebenso wie die Weiterführung der Abendbibelschularbeit von Rainer, wo wir immer wieder Anfragen aus neuen Gebieten bekommen, wo die Menschen sich zu neuen Klassen zusammenfinden und Unterrricht erbitten. Es besteht hier in Papua einfach ein unwahrscheinlich großes Bedürfnis nach guter Lehre und praxisorientiertem Unterricht. Alles was zu theoretisch ist, funktioniert hier nicht. Die Leute müssen an Hand praktischer Beispiele überzeugt werden, dass das, was sie tun, Sinn macht. Ich werde in den nächsten Monaten also daran arbeiten, ein Buch mit praktischen Anleitungen für eine einfache Unternehmensbuchführung (ohne Computer) und ein Büchlein zur Unternehmensführung für den Papua-Unternehmer herausgeben. Ich hoffe, es wird bald klappen...

Anfang Februar war ich wieder für eine Woche zu einem Kurs für Kleinunternehmer in Wamena und da hatte ich unter anderem einen Straßenjungen im Kurs, der von amerikanischen Missionaren aufgelesen wurde und jetzt gebratene Bananen verkauft, womit er einen guten Gewinn macht, den er dem Wohnheim zur Verfügung stellt, in dem er selbst und noch 20 andere Straßenjungs wohnen. Es hat mir riesigen Spaß gemacht, die Motivation dieses Jungen zu sehen und er hat jeden Tag alles „aufgesaugt“, was unterrichtet wurde. Eine andere Teilnehmerin, die mit ihren zwei kleinen Kindern vom Ehemann sitzen gelassen wurde, weil er sich eine zweite Frau genommen hat, hat ihre Mutter als Babysitterin engagiert und unterhält den Lebensunterhalt der Familie mit einem Unternehmen für „Becaks“, das sind Fahradtaxis, in denen man per Fahrrad mit einem anmontierten Sitz zu seinem Zielort transportiert wird. Nun möchte sie zusätzlich noch ein Kiosk  eröffnen und hatte viele gute kreative Ideen, wie sie das verwirklichen könnte. Von Buchführung hatte sie keine Ahnung und so war sie ganz glücklich, als sie zum ersten mal lernte, wie man den Gewinn in einem Unternehmen ausrechnen kann. Es ist wirklich erstaunlich, aber viele Unternehmer denken, dass es nicht notwendig ist, eine einigermaßen vernünftige Buchführung zu haben. Hauptsache man hat immer etwas Geld übrig... und wenn nicht, dann leiht man sich halt irgendwo was, bis das Unternehmen dann endgültig bankrott geht. Meistens ist die eigene Großfamilie der Grund für geringes Unternehmenswachstum, weil die Familienangehörigen das Unternehmenskapital regelrecht aufsaugen. Ständig wollen sie etwas geschenkt bekommen oder bitten um Geld und der Unternehmer kann dann aus kulturelle Gründen nicht „nein“ sagen, weil er sonst ja seine Familie „im Stich“ läßt.

In den letzten Monaten habe ich immer eine ehemalige Studenten von meinem Unterricht in Sentani an der Küste, sie heißt Yeni Rumbiak, mit zum Unterricht nach Wamena mitgenommen und sie immer mehr auch selbst unterrichten lassen. Nun ist sie soweit, selbst einen Kurs zu übernehmen und das freut mich sehr. Sie hat großes Engagement und freut sich über jeden Kurs, in dem wir zusammen unterrichten. Yeni wird in der Zeit meiner Abwesenheit den Unterricht in der Wirtschaftsschule in Wamena übernehmen. Die Erfahrungen, die sie dort macht, helfen ihr auch ungemein für ihren Unterricht an der Universität hier an der Küste, wo sie inzwischen als Dozentin im Wirtschaftsbereich angestellt wurde. Wenn ich zurückkomme, möchte ich weitere Studenten fördern, damit auch sie Lehrer für die Einheimischen im Hochland werden, die bislang viel zu wenig guten Unterricht bekommen haben. Es gibt dort einfach zu wenige gute Schulen. Die meisten Lehrer wollen in der Stadt unterrichten und nicht ins Hochland. Dementsprechend ist auch die Unterrichtsqualität oft miserabel, wenn überhaupt mal ein Lehrer erscheint.

 

Kinderecke und Gesundheit

 

Jeder von euch, der unsere Kinder in diesem Jahr sehen wird, wird erstaunt sein, wie groß sie geworden sind. Julia sieht aus, als sei sie schon 15 und kaum einer glaubt ihr, dass sie erst 12 ist mit ihren 1,63m. Jan ist auch schon 1,48m groß und hat wie auch schon früher eine tiefbraune Haut. Er ist einfach sehr viel draußen und liebt es, mit seinem Fahrrad durch die Gegend zu rasen. Ich bin immer froh, wenn er heil nach Hause kommt. Bisher gab es noch keine gebrochenen Knochen bei Stürzen...nur Hautabschürfungen. Benjamin fängt jetzt auch an durch die Gegend zu brausen mit seinem Fahrrad. Da brauchen die beiden echt immer einige Schutzengel, denn immer wieder fährt plötzlich ein Motorrad um die Ecke oder es sind tiefe Löcher in der Straße, die einem zum Verhängnis werden können. Aber Ben ist hart im nehmen, obwohl er kaum vernünftig isst und daher sehr dünn ist. Im Allgemeinen waren die Kinder in den letzten Monaten immer kerngesund, seit Jahren hatte keiner in unserer Familie mehr Malaria. Das ist wirklich ein Grund zum Danken.  Nur mich selbst hat es im letzten Oktober ziemlich erwischt. Da mußte ich mich Verdacht auf Nierensteine und Eileiterentzündung ins Kranken­haus. Viele verschiedene aber allesamt unklare Diagnosen aber keine Verbesserung des Gesundheitszustandes führten schliesslich dazu, dass ich in Jakarta mal richtig durchgecheckt werden mußte. Dort stellte sich dann nach mehreren Arztbesuchen und Stunden von Wartezeiten in verschiedenen Arztpraxen vom Allgemeinarzt (Rippenfellreizung) zum Radiologen (Nierensteine), über Gynakologen (Eileiterentzündung), Chirurgen (Blinddarmentzündung) bis zum Internisten (Gastritis) heraus, dass alle mehr oder weniger recht hatten aber auch (Gott sei Dank) mit manchen Vermutungen (Gebärmutterkrebs) falsch lagen. Kürzlich habe ich mir bei einem Sturz einen Hang runter, das Brustbein geprellt und Glück gehabt, dass die Rippen heil blieben...und die dazukommende Bronchitis hat mich schon auch etwas gequält, aber was einen nicht umbringt härtet bekanntlich ab und somit schauen wir der Zukunft sehr hoffnungsvoll entgegen. Ich gehe davon aus, dass wir die nächsten Jahre mit guter Gesundheit beschenkt werden, wenn ihr weiterhin dafür betet.

 

Lernhelfer für den Fernschulunterricht

 

Von August bis Oktober 2005 war David Ehl, Rainers Patensohn, in seinen Semesterferien bei uns in Papua und hat seine ersten Erfahrungen als Lernhelfer beim Fernschulunterricht gemacht. Das war ziemlich spannend und auch lustig – sowohl für ihn als auch für Benjamin und Jan. Toll, dass du hier warst, David!

Seit Oktober 2005 wohnt Tabea Jöst bei uns in der Familie. Sie ist 19, hat gerade ihr Abitur gemacht und ist hierher nach Papua gekommen, um die Arbeit in einem Frauenprojekt der Kirche kennenzulernen. Ansonsten hilft sie Benjamin mit seinen Fernschulmaterialien und singt in einem Chor junger Erwachsener mit, der in dem Fischerdorf ist, aus dem die Mädchen in meinem Volleyballverein herkommen. Benjamin hält Tabea gut auf Trab, aber die beiden haben auch richtig Spaß zusammen beim Unterricht. Benjamin liebt vor allem Mathe, denn da ist er immer nach 10 Minuten schon mit einer Lektion fertig, die eigentlich für 45 Minuten gedacht war. Dafür dauert es in Deutsch wesentlich länger, denn da hat er ein paar Wortschatz- und Grammatikdefizite. Papua-Indonesisch spricht er aber, wie auch Julia und Jan, perfekt. Viele der ausländischen Kinder, die an der internationalen Schule in Sentani unterrichtet werden, können gar kein indonesisch, weil sie kaum mit einheimischen Kidner zusammen sind. Da bin ich wirklich froh, dass wir nicht dort auf dem Schulkomplex wohnen, denn sonst hätten wir kaum die Chance zu so vielen guten Kontakten mit Einheimischen, wie wir sie haben. Diese Beziehungen mit dem Volk sind es ja, die die Leute zu schätzen wissen. Sie sehen, dass wir uns um sie kümmern und  dass wir gerne mit ihnen zusammen sind – auch wenn es nicht immer ein Honiglecken ist. Ich hoffe, dass wenn wir mit CFI zurück nach Papua kommen können, wir bald wieder eine Lernhelferin oder einen Lernhelfer zur Unterrichtshilfe bekommen werden, denn ohne diese Hilfe hätte ich kaum genügend Zeit für all die Unterrichtseinheiten mit den einheimischen Studenten. Außerdem ist es für die Kinder immer viel interessan­ter, wenn sie nicht von der eigenen Mutter unterrichtet werden. Wenn du oder jemand aus deinem Bekannten­kreis Freude daran hätte, einige Monate oder gar ein Jahr hierher zu uns nach Papua zu kommen, dann melde dich doch bitte beim Co-Worker-International Programm des CFI bei Herrn Tobias Köhler oder Frau Irma Widmeier (Tobias.Koehler(at)hilfe-fuer-brueder.de oder Irma.Widmaier(at)hilfe-fuer-brueder.de) und laß dir dort ein paar Infos zum Co-Worker-Programm geben und vielleicht klappt es ja dann mit einem Trip nach Papua.

 

Unsere Zukunft mit CFI (???)

 

Wie es momentan aussieht werden wir als Familie (eigentlich Rainer als Vertragsnehmer) ab Juni bei CFI unter Vertrag sein (vorausgesetzt, dass wir bis dahin einen Freundeskreis haben, der uns finanziell und im Gebet unterstützt) . Ich muß dann mit den Kindern schon im Juli zurück nach Papua reisen, damit unser Visum nicht verfällt. Rainer kann wegen einer Vertragsklausel, die besagt, dass er mit einem neuen Vertrag erst nach drei Monaten Deutschlandaufenthalt von Vertragsbeginn an gerechnet ausreisen darf, erst im September nachkommen. So will er die Zeit nutzen und einen internationalen Fussballtrainerschein machen, denn von August bis September ist zufällig ein dreiwöchtiger Lehrgang in England für Trainer aus Nicht-EU-Ländern. Da wir momentan ja in einem Nicht-EU-Land wohnen, kann Rainer also teilnehmen und das wäre eine wunderbare Sache für die Zukunft der Jugendsportförderung hier in Papua, vor allem wenn es mit der Fussballschule etwas werden sollte. Dann braucht Rainer sogar unbedingt diesen Trainerschein.

Alle Mitarbeiter von CFI werden finanziell von einem privaten Freundeskreis unterstützt, der die Arbeit des betreffenden Mitarbeiters ermöglicht. Sprich...wir brauchen in Zukunft auch so einen privaten Freundeskreis. Da ihr alle inzwischen einen guten Überblick über unsere Arbeit bekommen habt, wäre es gut, wenn ihr euch überlegt, ob ihr in Zukunft auch finanziell dazu mithelfen wollt (falls ihr das nicht ohnehin schon über die VEM getan habt), dass diese Arbeit weitergeführt werden kann.  Ich bitte auch jeden von euch, der unseren Freundesbrief weiterhin bekommen möchte, mir das PER  EMAIL mitzuteilen (diejenigen, die keinen Emailanschluß besitzen können dies natürlich auch per Post machen, aber per email geht’s halt einfacher und schneller). Für Vielbeschäftigte reicht es durchaus, wenn du in die Betreffzeile schreibst: „möchte Scheunemann-Freundesbrief erhalten“. Nur diejenigen, die uns eine Mail oder einen Brief schreiben, dass sie weiterhin an unserer Arbeit und an unseren Freundesbriefen interessiert sind, werden in Zukunft weiterhin diesen Freundesbrief bekommen, denn er wird dann von uns selbst verschickt und nicht mehr wie bisher über die VEM. Bitte benutzt unsere NEUE  Emailadresse heidi_scheunemann(at)yahoo.de, denn da ich ständig unmögliche Werbung auf meine alte Emailadresse bekomme, war es notwendig eine neue Emailadresse einzurichten. Ich würde auch sehr gerne eine private homepage machen, auf der ihr euch alle regelmäßig über unsere Arbeit und Projekte informieren könnte, aber ich habe bisher noch niemanden gefunden, der mir dabei hilft, weil ich mich mit homepages nicht so auskenne. Wenn jemand einen Tip für mich hat, wäre ich dafür sehr dankbar.

 

Und hier noch aktuelle Neuigkeiten von Rainer zu den Themen Abendbibelschularbeit und  Musik, sowie zu Entwicklungen in Kirche, Politik und Fussball

 

Im letzten Unterrichtssemester welches bis zum Dezember 2005 ging, habe ich meine vorübergehend letzten 3 Vorlesungen gehalten. Die letzten Monate bis zum Heimaturlaub in Deutschland sind gefüllt mit der Organisation von den jetzt 14 Abendbibelschulen, sowie Absolvierungen und weiteren Neueröffnungen. Mein kleines Buch über die Seligpreisungen Jesu als Lebensnormen im Reiche Gottes ist inzwischen erschienen und fast ausverkauft. Ausserdem habe ich einen weiteren kleinen Predigtband fertiggestellt, der im Juni erscheinen wird.

 

Die Abendbibelschulen entwickeln sich sehr gut. Wir haben inzwischen schon 31 Kurse (Absolvierungen) abgeschlossen mit 1077 Absolventen. In diesem Jahr werden ca 700 Kirchenmitglieder- und älteste teilnehmen. Was für eine wunderbare Entwicklung und wir bekommen ständig neue Anfragen. Erfreulich ist auch, dass jetzt das Programm in die einzelnen Kirchengemeinden aufgenommen wird, so dass wir jetzt in 14 Städten Abendbibelschulen haben, aber in einigen Städten sogar 2-3 Kurse parallel laufen. Bei der Kirchensynode in Wamena die gerade vom 26. Februar bis zum 5. März in Wamena stattgefunden hat, wurde das Abendbibelschulprogramm mit grosser Begeisterung angenommen und zur Fortbildung von Kirchenältesten und-gliedern empfohlen. Dies bedeutet, dass in den nächsten Jahren sehr viele neue lokale Kurse stattfinden werden. Somit werde ich mich mit einigen anderen Lehrern in Zukunft verstärkt auf die Ausbildung der lokalen Lehrer konzentrieren, um die Eigenständigkeit der lokalen Abendbibelschulen zu fördern. Ausserdem wird es zu einem enormen Anstieg an Buchbestellungen kommen, die für den Unterricht genutzt werden. Dies bedeutet auch, dass ich mich verstärkt  auf das Bücherschreiben konzentrieren werde, um weiteres Material anzubieten zu Themen, die für Papua besonders relevant sind. Diese enorme erfreuliche Entwicklung der Abendbibel­schulen ist ja auch ein wesentlicher Grund dafür, warum wir noch für drei weitere Jahre in Papua bleiben wollen, denn die neugegründeten Schulen sollen ja wirklich eigenständig werden können. In der jetzigen Situation zu gehen wäre sehr törricht und schade. 

       

In den letzten Monaten hatte ich auch diverse Evangelisationsveranstaltungen in Biak, Manokwari, Merauke, Serui, Wamena, Jayapura und Sarmi wo ich manchmal bis zu 4x am Tag predigen und singen musste. Es ist schon ein grosses Vorrecht das Wort Gottes in einfacher und relevanter Form, weitergeben zu dürfen und vor allem die Offenheit der Menschen in grossen Massen zu sehen.

 

Bei der Kirchensynode vom 26. Februar bis zum 6. März in Wamena wurde eine neue Kirchenleitung gewählt. Zum ersten Mal in der Geschichte der GKI und in Papua überhaupt wurde eine Frau zur Vizemoderatorin gewählt. Bei meinem letzten Interview vor der Kirchensynode mit einer hiesigen Frauenzeitschrift „Suara Perempuan“ (Stimme der Frauen) habe ich mich auch sehr dafür eingesetzt, eine Frau für dieses Amt zu wählen. Insgesamt bin aber (wie viele andere Kenner der Szene auch) eher skeptisch bezüglich der Kompetenz der neugewählten Kirchenleitung. Vor allem in Bezug auf die Vision und das integrierende Element der so vielen verschiedenen Stämme in der GKI und der zeitgemässen Programme für Kinder, Jugend, Frauen und Männer. Bei dem besagten Interview wies ich darauf hin dass die Kirche keine “Rückspiegel-Theologie“ betreiben darf. Es geht darum, nach vorne zu schauen und nicht auf alte Modelle und Positionen zu beharren, sondern sie zu prüfen und nötigenfalls zu verändern. Die Substanz soll bleiben, aber die Modelle können und müssen erneuert werden, um besonders die Jugendlichen erreichen zu können. Immer mehr Jugendliche wenden sich von der Kirche ab und so droht auch hier die Kirche zu einen Altenverein zu werden. Dies Jugendlichen werden von steifen Gottesdienstformen abgeschreckt, die keine Fröhlichkeit sondern lediglich traditionelle Liturgie enthalten. Es wäre an der Zeit, die Einheit der Kirche zu fördern, und dass geht nur, wenn alle Kirchenmitglieder aus allen Altersgruppen beachtet werden und ihnen bedürfnisorientiert gedient wird. Bei einer Andacht, die ich während der Synode halten durfte, wies ich daraufhin, dass Gott keine Unterschiede zwischen Herkunft, Status und Alter macht. Dies bedeutet praktisch, dass wir in unserer Haltung, in unserem Denken, in unserer Gemeinschaft, in unserem Dienst und bei den Kirchenleitungswahlen auch keine solchen Unterschiede machen dürfen. Unser eigener Egoismus und unsere negative Haltung Andersdenkenden gegenüber muß abgelegt werden damit unser Dienst in der Kirche Früchte bringen kann.  Dies ist nur möglich wenn wir zu Gottes Liebe zurückkehren und uns erneuern und füllen lassen. Sonst ist dies ein unmögliches Unterfangen. Ich freue mich darüber, Pfarrer der GKI zu sein, die bis heute (50 Jahre) die Einheit von so vielen verschieden Stämmen bewahren konnte. Für die Zukunft ist es eine grosse Aufgabe für die neue Kirchenleitung diese Einheit zu förden. Vor allem auch wo es von bestimmten Seiten her Bemühungen gibt, die GKI aus politischen Gründen zu spalten und zu schwächen, um damit die letzte grosse Bastion des Papuavolkes zu zerstören. Gott möchte unsere Einheit, die Einheit ist das grösste Zeugnis für unseren Dienst als Kirche und besonders für das Wohl des Papuavolkes ist die Einheit absolut notwendig. Diese Einheit gilt es zu demonstrieren und zu kultivieren und für diese Einheit müssen wir bereit sein alles zu geben. Möge Gott der GKI Gnade schenken und sie weiterhin bewahren.

 

Die politische Situation in Papua ist recht angespannt wegen den kommenden Gouverneurswahlen am 10. März und vor allem wegen der sich  abspaltenden Provinz im Westen Papua (Irian Jaya Barat - IJB). Es geht hier mal wieder um ein geschickt inszeniertes Spaltungsprogramm der Zentralregierung von Jakarta das schlicht und einfach widderrechtlich ist. Das Papuavolk soll absichtlich provoziert werden und die Spaltung soll eine gravierende Schwächung der speziellen Autonomie bewirken, die eigentlich für die Provinz Papua bestimmt ist. Das Sonderparlament (MRP) und das Provinzparlament (DPRP) haben sich gegen die Abspaltung von Irian Jaya Barat (IJB) gestellt, weil sie die kulturelle Einheit der Papuas bewahren möchten. Bei einer Spaltung wäre das Autonomiegesetz (OTSUS) für West Papua (IJB) nicht mehr gültig und es würde die Zahl der (meist muslimischen) Einwanderer nach Papua, die aus West Indonesien stammen (Jawa und Sulawesi) enorm verstärken. Zu bemerken ist, dass jetzt gerade viel Geld in Papua im Umlauf ist und so ist es gerade in Zeiten hoher Arbeitslosigkeitsziffern in Jawa und Sulawesi verständlich, dass der Andrang nach Papua gross ist, um dort Arbeit finden zu können. Dadurch werden die Papua immer mehr zur Minderheit im eigenen Land. Die Papuas sind sehr verärgert darüber, weil sie wieder einmal zum Spielball der Macht um finanzielle Interessen der Zentralregierung in Jakarta geworden sind.    

 

Zur Zeit gibt es indonesienweit Demonstrationen von Papuastudenten mit der Forderung der Schliessung der gigantischen Gold-, Silber und Kupfermine Freeport in Tembagapura. Für die Papuas ist die Gewinnteilung zu gering und vor allem kommt sie nur der Zentralregierung  in Jakarta zugute. Ausserdem gibt es enorme Umweltzerstörungen, die immer mehr Schaden anrichten. Momentan ist noch unklar, welche Entscheidungen wegen der Umverteilung der Gewinne in Zukunft getroffen werden werden.  

 

Zum ersten Mal in der Geschichte der Papuaprovinz wird in wenigen Tagen der Gouveneur vom Volk direkt gewählt. Die 5 Kandidaten haben ihre Qualität in zwei grossen nationalen Fernsehsendungen zur Wahldebatte deutlich gezeigt und gemeinsam starke Kritik an die indonesische Zentralregierung gerichtet. Es bleibt zu hoffen, dass nach den Wahlen – wer auch immer gewinnt - eine gute Zusammenarbeit zum gemeinsamen Aufbau von Papua zwischen diesen Kandidaten stattfinden kann.

 

Zu meiner grossen Freude ist vor Kurzem meine neueste Video-CD mit 16 Liedern  herausgekommen, die bei den Papuas schon großen Anklang gefunden hat. Der Inhalt besteht aus einer Mischung aus geistlichen Liedern, Lieder in diversen lokalen Sprachen, ein Lied  über das katastrophale Erdbeben in Nabire am 6. Februar 2004, 2 Lieder zur HIV/AIDS Kampangne und 3 Fussballlieder fürs Stadion sowohl von Persipura als auch für die Erstligamannschaft Persiwa Wamena aus dem Hochland, die in die höchste Liga Indonesiens aufgestiegen ist. Beim lokalen Derby zwischen Persipura und Periswa Ende Februar wurden meine beiden Lieder für die zwei Mannschaften im Stadion in Jayapura vor 30.000 Zuschauern zu Gehör gebracht. Als ich letzte Woche bei einer Evangelisationsveranstaltung in Wamena gepredigt und gesungen hatte, wurde ich anschließend von den anwesenden Kindern gebeten, das Persiwa-Lied zu singen. Die Veranstalter fanden die Idee auch gut und als ich das Lied sang, sangen hunderte von Kindern und Jugendlichen lauthals mit. Es war eine super Atmosphäre.

 

Im Herbst letzten Jahres ist Persipura die Profi-Fussballmanschaft von Jayapura endlich nach 25 Jahren indonesischer Meister geworden. Im Finale hat Persipura in einem sehr spannenden Spiel die Heimmannschaft Persija Jakarta vor 80.000 Zuschauern 3-2 geschlagen. Nach dem Sieg sangen die Papuafans geistliche Lieder, in denen sie Gott dankten! Eine Wahnsinnsatmosphäre! Ich selber war Augenzeuge. Zusammen mit 6000 Papuafans mussten wir aber nach der Siegerehrung 4 Stunden aus Sicherheitsgründen im Stadion bleiben.

Mein neues Lied „So schön ist Persipura“  (ein Rapp  mit Chormischung) sowie der Fernsehclip mit Bildern vom Sieg, mit den Toren und dem Volksempfang (ganz Jayapura war auf der Straße um die Siegermannschaft zu feiern), das ich zusammen mit anderen Papuasängern zum Sieg von Persipura gemacht habe, wurde wochenlang im lokalen Fernsehen ausgestrahlt. Ich werde auch öfters gebeten, Radio-Live-komentator im Stadion bei Heimspielen zu sein und bin Zeitungskolumnist für die lokale Zeitung. Es macht mir weiterhin viel Spass mich für den Papua-Fussball einzusetzen. Ich möchte während unseres Heimaturlaubs sehr gerne einen Trainerlehrgang besuchen um mich weiterzubilden um den  Jugendfussballbereich in Papua verstärkt fördern zu können.     

 

Wir sind gespannt, ob es uns möglich sein wird, noch länger in Papua zu bleiben, um in unseren verschiedenen Arbeitszweigen weiterhin das Beste zu geben. Es wäre schön, wenn wir von euch ein wenig Ressonanz bekommen würden. Schreibt doch mal!

Herzliche Grüße an euch alle aus Papua. Wenn ihr mehr über uns und unsere Arbeit erfahren wollt, dann ladet uns doch einfach mal ein in der Zeit, wo wir in Deutschland sind.....

 

Eure Heidi, Rainer, Julia, Jan und Benjamin 

 

 

PS: Da wir unseren Freundesbrief demnächst per E-Mail privat versenden bitten wir jeden, der an der Zusendung unseres Freundesbriefes interessiert ist, uns eine mail an unsere NEUE Emailadresse heidi_scheunemann(at)yahoo.de zu schicken mit dem Vermerk in der Betreffzeile „möchte Scheunemann-Rundbrief erhalten“. Danke

Unsere Einsatzbereiche in Papua  
  Theologischer Unterricht
Abendbibelschule
Gemeindedienste
Evangelisationen
Kindergottesdienst
Teenclub
Strassenkinderarbeit
Kinder- und Jugendfußballförderung
Indonesische Frauen-Fussball-Nationalmannschaft
Mädchen-Volleyballclubs "Haleluya"
Kleinunternehmerberatung
Strategien zur Armutsbekaempfung
Wirtschaftsschule
Capacity builing (Coaching von Junglehrern)
Leiterschaftstraining
Musik (VCD-produktionen)
Aids-Aufklärung
 
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