
Betrifft: Anfrage der Papua-Regierung mit der Bitte um die Finanzierung einer deutschen Fachkraft für den Bereich Kleinunternehmerberatung zur Privatsektorförderung.
Im Rahmen der speziellen Autonomie (OTSUS) in Papua ist die Privatsektorförderung ein großes Thema. Der Gouveneur von Papua, Herr Barnabas Suebu, bemüht sich seit 2007 darum, ein strategisches Dorfentwicklungsprogram (RESPEK – rencana strategis pembangunan kampung) umzusetzen, in dem die Förderung von Kleinunternehmern – insbesondere in entlegenen Dörfern - einen hohen Stellenwert besitzt. Es gibt jedoch kaum Experten für den Bereich Kleinunternehmerberatung, die sich mit den besonders schwierigen Bedingungen für wirtschaftliche Entwicklung in Papua auskennen. Die einheimischen Papuas sind bislang aufgrund unzureichender Ausbildung, geringer Erfahrung im Handelsbereich sowie durch kulturelle, soziale und religiöse Hemmschwellen, die erfolgreiches Unternehmertum erschweren, noch weitgehend vom Wirtschaftswachstum in Papua ausgeschlossen. Gelder für die Starthilfe von Unternehmen sowie für die Vergabe von Kleinunternehmerkrediten sind zwar in großem Ausmaß vorhanden aber es gibt kaum qualifizierte Berater, die die Dorfbevölkerung anleiten können, wie ein Unternehmen erfolgreich gegründet und geleitet werden kann. Es herrscht ein massives Beratungsdefizit. Die Regierung versucht zwar, Seminare anzubieten, die allerdings meist von Dozenten aus Java geleitet werden, die den Papua-Kontext zu wenig kennen, um effektive Hilfestellung für die Praxis bieten zu können. Das Mißtrauen der Bevökerung gegenüber Hilfsprogrammen der Regierung wächst zunehmend, da Erfolge ausbleiben. Die schlecht ausgebildete Bevölkerung fixiert sich auf finanzielle Hilfen, die auch oft gewährt wird, um Unruhen zu vermeiden aber da qualifizierte Beratung fehlt, führen die Finanzhilfen eher zur Abhängigkeit der Bevölkerung von Regierungshilfen als dass sie unternehmerische Initiative zu fördern in der Lage wären. Die Unterlegenheit einheimischer Unternehmer gegenüber zugewanderten Indonesiern aus anderen Provinzen kommt immer stärker zumVorschein. Die Papua-Unternehmer werden an den Rand gedrängt und haben kaum eine Chance sich gegen erfahrene Unternehmer aus Kalimantan oder Java durchzusetzen. Diese Situation führt verstärkt zu Unmutsäußerungen der Einheimischen gegenüber zugewanderten Indonesieren und das Konfliktpotential für den Ausbruch von Unruhen insbesondere in Dorfgegenden steigt ständig an.
Konkret besteht von Regierungsseite in Papua also ein großes Bedürfnis nach Beratungsdiensten im Bereich Kleinunternehmerförderung. Es sollen Seminare und praktische Trainingsmaßnahmen für Regierungsangestellte und Berater auf Dorfebene angeboten werden, aber es gibt kaum Experten die ihr Wissen auf den Papua-Kontext anpassen können und somit die einheimischen unerfahrenen Berater anleiten könnten, die von der Regierung in die Dörfer geschickt werden, um dort den Einheimischen beratend zur Seite zu stehen. Trotz großer Nachfrage und zunehmendem Angebot nach Kleinunternehmer-Schulungen und Mikrokredit-kursen bleibt daher die Effektivität solcher Regierungsseminare und Beratungsmaßnahmen bisher sehr gering und hat so gut wie keinen signifikaten Einfluß auf die Privatsektorentwicklung von indigenen Papuas in Papua.
Es fehlt an verständlichem Unterrichtsmaterial für den Papua-Kontext. Buchführungsprogramme und und Marketingbücher aus Java können in Dorfgebieten in Papua bisher so gut wie gar nicht erfolgreich angewandt werden, da der Ausbildungsstand der Papua zu gering ist, um diese Materialien zu verstehen und anwenden zu können.
Nun gibt es seit Juni 2008 ganz aktuell ein Buch das sich mit Kleinunternehmerberatung in Papua beschäftigt. Es wurde verfasst von Heidi Scheunemann, MBA, die seit 1996 mit ihrer Familie in Papua lebt und dort Studenten und Unternehmer anleitet, wie man Kleinunternehmen gründet und leitet. Seit 2003 ist sie involviert in die Gründung und Führung einer Wirtschaftsschule in Wamena, im Hochland von Papua. Dort wird auch von einer holländischen Stiftung (Oikonomos) ein Inkubatorprogram angeboten, in dem einheimische angehende Kleinunternehmer und Kleinunternehmensberater in Beispielunternehmen sowohl theoretische als auch praktische Ausbildung auf einfachem Niveau erfahren. Ihre Erfahrungen in Papua sind nun in dem Buch „Menjadi seorang pengusaha Papua yang sukses“ zusammengefaßt. Heidi Scheunemann diskutiert in ihrem Buch ausführlich die Gründe für den geringen Erfolg von Papuaunternehmern und erläutert grundlegende Vorbedingungen, die gegeben sein müssen oder geschaffen werden müssen, um erfolgreiches Wirtschften der Papua zu ermöglichen. Sie hat ein einfaches Buchführungssystem für den Papua-Kontext entwickelt, das bereits mehrere Jahre in verschiedenen Kleinunternehmen im Hochland und in Küstenregionen von Papua getestet wurde und in der neu gegründeten Wirtschaftsschule in Wamena, im Hochland von Papua unterrichtet wird. In Beispielunternehmen werden Kleinunternehmer ganz praxisnah in der Anwendung dieses Buchführungssystems geschult und praktizieren es anschließend in ihren Dorfläden. Einheimische Mitarbeiter der Schule und des Inkubatorprogramms betreuen die Kleinunternehmer bis hin zur Selbständigkeit und werden in ihren Beratungsmaßnahmen von Heidi Scheunemann angeleitet. In mehreren Kursen werden die Unternehmer, die zuvor nur Subsistenzwirtschaft kannten, an grundlegene Prinzipien des Handels herangeführt. Subsistenzbauern beginnen Überproduktion zu schaffen und lernen die den eigenen Bedarf übersteigende Menge an Gemüse und Obst auf dem Markt gewinnbringend zu verkaufen, um ihren Kindern eine bessere Schulausbildung finanzieren zu können.
Das Buch von Heidi Scheunemann wurde vom Gouveneur in Papua, dem Direktor der Bank Papua und verschiedenen Landräten bereits sehr gelobt. Es sollen so bald wie möglich papuaweit Seminare geplant werden, in denen das Inkubator-Konzept, (welches theoretische und praktische Beratung intensiv miteinander verbindet) und das Stufenprogramm für die Erlernung einfacher Buchführung für den Papua-Kontext sowie grundlegende Prinzipien für die erfolgreiche Führung eines Unternehmens in Papua vermittelt werden sollen. Um dieses Programm zu ermöglichen bittet die Papua-Regierung um Expertenhilfe. Heidi Scheunemann, die bislang die meisten ihrer Beratungsdienste ehrenamtlich angeboten hat, kann jedoch nur länger in Papua aktiv sein, wenn sie ab Mitte 2009 eine feste Anstellung in Papua erhält, da der Vertrag ihres Ehemannes im Juni 2009 ausläuft. Die Familie wäre jedoch bereit, bei einer festen Anstellung von Heidi Scheunemann noch mindestens 3 Jahre beratend in Papua tätig zu sein. Sollte Heidi Scheunemann von einer ausländischen Entwicklungshilfeorganisation fest für zunächst drei Jahre angestellt werden (beginnend Juli 2009), wäre es möglich, gemeinsam mit der indonesischen Regierung in Papua konkrete Ausbildungsprogramme im Bereich Kleinunternehmerberatung/Privatsektorförderung/Mikrofinanziereung zu erstellen und durchzuführen.
Daher die Anfrage, ob es möglich wäre Heidi Scheunemann, die die indonesische Sprache fliessend spricht, das Vertrauen der Papua-Bevölkerung genießt, 12-jährige Erfahrung im Bereich Kleinunternehmerberatung in Papua besitzt und bereits gut Kontakte zu Regierungskreisen in Papua hat als Fachkraft für diesen Ausbildungsbereich nach Papua zu entsenden. Die Ausrichtung von Seminaren würde dann von den jeweiligen Landkreisen finanziert werden können. Es geht lediglich um die Finanzierung eine Personalstelle, um Expertenhilfe zur Beratung der Regierung zur Verfügung zu stellen.