Familie Heidi und Rainer Scheunemann in Papua
 
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2008-08 Freundesbrief Nr. 26

 

Papua-Freundesbrief Nr. 26
  
Waena, Ende August 2008
Ihr Lieben,
 
mehrmals habe ich schon angesetzt einen neuen Freundesbrief zu schreiben, aber ich wollte noch warten, bis ich mein neues Buch über Kleinunternehmerberatung in Papua in der Hand halte und euch die ersten Reaktionen erzählen kann. Nun will ich euch nicht mehr länger warten lassen, denn mein Buch ist druckfrisch unterm Volk. Das Manuskript war zwar schon seit Januar beim Verlag aber zunächst gab es Probleme wegen der Druckvorlage für die vielen Tabellen. Dann konnte es nicht gedruckt werden, weil die Haupt-Druckmaschine kaputt ging und drei Monate keine Ersatzteile zu bekommen waren. Zuletzt wurden Fehler beim Druck bemerkt und verschiedene Seiten mussten noch mal ausgetauscht werden… So wurde meine Geduld ziemlich strapaziert, aber nun ist es endlich soweit und einige Leute, die das Buch schon angelesen haben, haben schon positive Reaktionen gezeigt. Es ist auch toll, dass bereits mehrere Landräte an dem Buch Interesse gezeigt haben und sie wollen, dass ich Seminare für Regierungsangestellte anbiete, die im Bereich Wirtschafts­entwicklung arbeiten. Das Thema „Wie werde ich als Papua in Papua ein erfolgreicher Unternehmer?“ ist eben gerade brand­aktuell in Papua und die meisten Leute stehen völlig ratlos vor der Frage, wann es endlich gelingen wird, dass die einhei­mische Wirtschaft von mehr selbständigen Papuaunter­nehmern geprägt wird. Der kulturelle Einfluss und das Stammes­denken (insbeson­dere auch das Kargo-Kult-Denken) sind einfach enorm stark und unterstützt keine Entwicklungshilfemaßnahmen im herkömmlichen Sinne. Es besteht großer Aufklärungsbedarf, denn viele Regie­rungs­gelder werden zur Zeit einfach in Dörfern verteilt, ohne dass die Einheimischen angeleitet werden, was sie beachten müssen, um erfolgreich unternehmerisch tätig zu sein. So bewirken die Gelder genau das Gegenteil von dem, was sie eigentlich bewirken sollten und schaffen Abhängigkeiten anstatt Selbständigkeit. Enttäuschend ist, dass auch viele ausländischen Enwicklungshilfeorganisationen, die Kleinunternehmerkredite vergeben, noch nicht verstanden haben, dass man nicht einfach erfolgreiche Konzepte aus anderen Ländern nach Papua verpflanzen kann. Ich habe schon mit vielen Mitarbeitern ausländischer Organisationen gesprochen und es ist immer das gleiche Bild. Hilflosigkeit und Frustration, weil das, was woanders klappt und dort den Einheimischen zur Selbständigkeit verhilft in Papua einfach oft nicht funktioniert. Um als ausländischer Berater in Papua erfolgreich arbeiten zu können muss man viele Jahre hier sein um einen tiefen Einblick in die Denkstrukturen der Einheimischen zu erlangen. Man kann nicht einfach für drei Jahre mit einem Programm von außen kommen und den Papuas sagen wollen, wo es lang geht. Wenn man denkt, damit Erfolg zu haben, dann ist das ein Trugschluss. Keines dieser von außen forcierten „Entwicklungs“-Programme hatte bisher in Papua Bestand. Alles fällt nach kurzer Zeit wieder in sich zusammen, sobald die Hilfe von außen wegfällt. Sich dann aus Papua zurückzuziehen und den Einheimischen die Schuld zuschieben zu wollen (was oft passiert), wenn es nicht klappt, ist zu einfach. Man müsste eben sehr viel mehr Zeit als in anderen Gebieten damit verbringen, Beziehungen zur Bevölkerung aufbauen, so dass Vertrauen wachsen kann. Ebenso muss ein enormer Zeitaufwand betrieben werden, um denjenigen Einheimischen, die bereits Eigeninitiative zu Weiterbildung zeigen, das nötige Grundlagenwissen zu vermitteln, damit sie in der Lage sind, zu erkennen, was geändert werden könnte. Wir haben es hier oft mit Menschen zu tun, deren Eltern noch mit Grasrock und Penisköcher in einer Grashütte im Hochland ohne Strom, ohne ärztliche Versorgung und ohne Fließend Wasser leben. Von deren Kindern wird nun erwartet, dass sie an der Hochschule mit Computer ihre Abschlußarbeit schreiben. Was für eine Arroganz, wenn man denkt, diesen Sprung von der Steinzeit in die Moderne könne man mal eben schnell mit einem Kleinkreditprogramm überbrücken. Viele kulturelle und religiöse Einflüsse, die die Menschen über Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte hin geprägt haben werden oft bei den Entwicklungsbemühungen vernachlässigt. Ohne Vorbildfunktion im persönlichen geistlichen Lebensstil und ohne überzeugende Taten, die auch kulturelles Verständnis und Respekt vor den Ältesten zeigen,  hat man keine Chance Gehör zu finden. Man steht unter ständiger Beobachtung. Worte allein haben keine Überzeugungskraft. Ohne tiefe Beziehungen und ohne tiefes Vertrauen der Bevölkerung ist jegliche Investition ein Fass ohne Boden. Viele Ausländer mussten in den letzten Monaten Papua verlassen, auch viele unserer Freunde und Bekannten bekommen kein Visum mehr oder wurden gar des Landes verwiesen. Es ist eine Gratwanderung hier in Papua. Man kann sich glücklich schätzen, wenn man in diesen Tagen ein Visum für Papua bekommt. Jeder Neuantrag wird sehr kritisch beäugt und geht über viele Instanzen. Dies erleben wir auch immer wieder bei den Visaanträgen für unsere Lernhelferinnen. Man braucht eine enorme Geduld und viel Flexibilität um sich im Dschungel der Regelungen zurechtzufinden, die sich jedes Jahr ändern. Ohne sehr gute Sprachkenntnisse und viel Diplomatie ist man ohnehin hier aufgeschmissen.
 
Mitarbeitertraining für die Wirtschafsschule im Hochland
Manch einer ist der Meinung, dass wenn man es schafft, einen Papua zu einem erfolgreichen Unterneh­mer auszubilden, dass man es dann überall auf der Welt auch schaffen kann, denn Papua ist ein unglaub­lich schwieriges Pflaster für wirtschaftliche Entwicklung. Es ist ja nicht so, dass es hier keine wirtschaft­liche Entwicklung gäbe, aber man darf ja nicht nur Zahlen betrachten, sondern man muss schauen, wer dahinter steckt. Gräbt man etwas tiefer, dann sind es immer Leute von außerhalb Papuas, die den Fort­schritt vorantreiben, während viele Papuas nur so lange mitziehen, so lange sie meinen, selber etwas davon zu haben (sprich für ihre Arbeit bezahlt werden). Unternehmerinitiative im eigentlichen Sinne findet man unter den Einheimischen, die noch nie außerhalb von Papua waren fast gar nicht. Sie sind einfach zu tief in ihrem Stammesdenken verwurzelt, welches Innovationen gegenüber frontal entgegen­steht und sehr machtorientiert ist. Arbeitet man jedoch mit Papuas zusammen, die bereits in Java oder gar im Ausland studiert haben oder viel mit Ausländern zusammen gearbeitet haben, dann sieht die Situation viel hoffnungsvoller aus. Besonders dann, wenn es sich um Christen handelt, die ihr animistisches Denken bewusst abgelegt haben und offen für die Veränderungen sind, die Jesus in ihrem Charakter bewirken kann, wie zum Beispiel Ehrlichkeit, Zuverlässigkeit, Verantwortungsbewusstsein und Vergebungsbereitschaft. Solche Charaktermerkmale ermöglichen dann auch effektive Zusammenarbeit mit Angehörigen anderer Papua-Stämme. In der Wirtschaftsschule im Hochland habe ich im Juni ein Mitarbeiter­seminar geleitet, bei dem wir bisherige Ausbildungsmaßnahmen analysiert und evaluiert haben. Wir haben enorm viel diskutiert und neue Pläne für die Ausbildungsmaßnahmen der nächsten Monate geschmiedet. Besonderes Augenmerk haben wir dabei auf geplante „Aufklärungsseminare“ und auf Auswahlkriterien gelegt, nach denen wir uns in der Zukunft mehr ausrichten müssen, um Unter­nehmer auszuwählen, die wir fördern sollten. Als ich zum Ende des einwöchigen Mitarbeiterkurses erwähnte, dass es Zeit wird, dass sich alle Anwesenden noch sehr viel mehr als bisher in die Ausbildungs­maßnahmen einbringen, da ich noch nicht wisse, wie lange ich noch in Papua sein werde da unser Vertrag mit CFI im Juni nächsten Jahres endet, war es plötzlich ganz still im Raum. Die Mitarbeiter waren völlig geschockt. Diese heftige Reaktion hatte ich nicht erwartet. Sie wussten zwar immer, dass ich nicht ewig bleiben würde, aber sie konnten es nicht fassen, dass ich sie nun, wo wir gerade anfangen erste Früchte unserer Arbeit zu sehen, mitten in der Aufbauarbeit im Stich lassen könnte. Es ist ja so, dass wir momentan ca. alle sechs Monate ein neues zusätzliches Programm starten und immer neue Mitarbeiter einstellen, weil so eine hohe Nachfrage nach Ausbildungsmaßnahmen besteht. Ungläubige Blicke schauten mich daher fragend an und ich weiß genau, was sie denken: „Wie kann man etwas anfangen, wenn man nicht bereit ist, es zu Ende zu bringen? Wir sind doch gerade dabei, etwas Neues zu schaffen. Die Leute haben doch bisher in der Steinzeit gelebt. Jetzt, wo gerade die harte Kruste aufbricht und einige Leute gerade beginnen etwas von dem zu verstehen, was wir in jahrelanger Beratungsarbeit als Saat ausgestreut haben und wo es so aussieht, dass wir mit verschiedenen Programmen die Herzen mancher Menschen erreicht haben, da könne ich sie doch nicht einfach alleine lassen.“ Zwei meiner engsten Mitarbeiter hatten sogar Tränen in den Augen. Urbanus, der seit letztem Jahr Leiter der Wirtschaftsschule ist, ist Häuptlingssohn in seinem Stamm im Hochland und kämpft mit großem Engagement gegen die zerstörerischen Denkweisen an, die die animistische Religion in seinem Stamm mit sich bringt. Er erzählt wie ein Häuptling von einem anderen Stamm ihm interessiert zugehört hatte als er ihm abends in seiner Hütte von all den Möglichkeiten berichtete, die sie ausschöpfen könnten, wenn sie verschiedene Verhaltensweisen ablegen würden. Der Häuptling habe daraufhin sofort beschlossen, diese Dinge mit seinen Ältesten ernsthaft zu diskutieren. Urbanus ist mein aufmerksamster Schüler. Obwohl er der Schulleiter ist saugt er jedes neue Unterrichtsmaterial in sich auf und gibt alles, was er neu gelernt hat sofort an andere weiter, denn neben seiner Arbeit an der Wirtschaftschule unterrichtet er auch noch freiwillig Jugendliche an einer Oberschule. Er macht auch Seminare in seiner Gemeinde und diskutiert nächtelang mit jungen Leuten über den Glauben und darüber wie dieser mit wirtschaftlicher Entwicklung zusammenhängt. Mir hat es fast das Herz zerrissen, als ich die enttäuschten Gesichter der Mitarbeiter sah. Ich weiß auch selbst, dass ich eigentlich noch nicht gehen kann. Ich will ja auch gar nicht gehen, denn meine Arbeit ist noch lange nicht zu Ende. Wir haben Samen ausgestreut, der Samen ist in den Herzen der Mitarbeiter endlich aufgegangen und es sind kleine Pflänzchen entstanden, die stetig wachsen, aber noch regelmäßig gegossen werden müssen und Dünger brauchen. Papua ist eben nicht Java oder Singapur oder die Philippinen. In Papua kann man nicht kurzfristig Erfolge verbuchen. Man muss sich mit Herz und Seele einer Sache widmen und mit unglaublich viel Verständnis, Geduld, Diplomatie, Liebe und Durchhaltevermögen all seine Kraft dafür einsetzen, dass Verkrustungen aufbrechen können und Entwicklung entsteht. Es ist einfach zu wenig Grundlagenwissen vorhanden, als dass man auf etwas aufbauen könnte, was schon da ist. Man muss überall von ganz unten anfangen (eben in der Steinzeit) und wie soll man im D-Zug-Verfahren einen „Jäger und Sammler“ oder einen „Subsistenzbauern“ zu einem Unternehmer der Moderne ausbilden. Alles braucht seine Zeit. Mein Ziel ist es, Mitarbeiter so auszubilden, dass sie alles Wissen und ihre Erfahrungen weitertragen und so gut wie möglich vermehren. Aber auch die Mitarbeiter sind oft völlig überfordert, weil sie all das, was wir in Deutschland von der Grundschule bis zum Abitur gelernt haben nicht in diesem Maße gelernt haben und weil kritisches Denken gegenüber Älteren niemals gefördert oder zugelassen wurde. Man stelle sich einfach mal vor, dass ich in diesem Mitarbeitertraining erklärt habe, wie man die Skala einer Gemüsewaage abliest und dass ein Kilogramm genauso viel ist wie 1000 Gramm. Große Augen und Begeisterung, als sie dann anschließend ein paar Beispiele richtig ausrechnen können. Kein Mensch rechnet hier in den Dörfern mit Kilogramm, aber wenn die Einheimischen nun mal ihr Gemüse mit dem Flugzeug in die Stadt schicken wollen, dann werden die Transportkosten eben per kg berechnet. Also ist es logisch, dass all diejenigen, die dieses Marketingprogramm mitmachen wollen, wissen müssen, wie man in Kilogramm rechnet und wie man Transportkosten ausrechnet. Alles ist neu, aber wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg und ich bin dabei, gemeinsam mit einigen Einheimischen einen solchen Weg zu finden und zu einem breiteren Pfad auszubauen. Er geht dabei auch darum, eine klare Entscheidung zu treffen, mit Jesus im Herzen dem Animismus den Kampf anzusagen und einzelne Leute aus dem Sog der Angst und der Minderwertigkeitskomplexe herauszuholen. Diejenigen, die wirklich Eigeninitiative zeigen und motiviert sind müssen kontinuierlich ausgebildet werden. Wo diese Grundlagen klar sind, da gibt es auch Hoffnung für wirtschaftliches Wachstum. Der Beweis ist im Leben mancher unserer Mitarbeiter und der von uns betreuten Unternehmer zu sehen, die inzwischen schon mehrere Jahre lang ihr Unternehmen führen und langsam aber sicher Fortschritte machen. Es ist ein langer und anstrengender Prozess und er ist mit vielen Tränen und schlaflosen Nächten gepflastert. Aber es lohnt sich. Ich würde gerne noch länger dazu beitragen, diese treuen Mitarbeiter für ihre schweren Aufgaben in den Dörfern auszurüsten.

Was wird die Zukunft bringen?
Die einen von euch haben es ja schon immer gewusst und andere stellen es im Laufe der Zeit fest….unser Herz ist in Papua hängen geblieben. Je länger wir hier sind und je tiefer unser Verständnis für Kultur und Menschen wird, desto mehr sehen wir, welche Nöte es hier wirklich gibt und wie wichtig Ausbildung in dieser Provinz von Indonesien ist, um diese Nöte zu lindern, bzw. den Einheimischen zu helfen, sich selbst helfen zu können. So wollen wir uns auch in Zukunft dafür einsetzen, so viele Papuas wie möglich zu fördern. Es ist gut, dass wir wissen, dass Gott uns für diese Arbeit nach Papua berufen hat, denn mit menschlichen Kräften allein hätten wir vieles nicht aushalten können. Beruflich gesehen gäbe es in nächster Zeit keinen Grund für uns, nach Deutschland zurückzukehren, da es noch so viele Aufgaben in Papua gibt, für die es sich lohnen würde, sich weiter einzusetzen. Die evangelische Kirche möchte, dass Rainer hier bleibt, um die Gemeindeschulungen, die inzwischen in allen größeren Landkreisen laufen und auf die wir sehr gute Resonanz erfahren, auch auf Dorfebene weiter auszubreiten; die Mitarbeiter der Wirtschaftsschule in Wamena brauchen noch weitere Ausbildung, um für den schwierigen Einsatz in den Dörfern genügend zugerüstet zu werden, Landräte wollen für die nächsten Monate engere Zusammenarbeit und bitten um Schulungen ihrer Angestellten. 
Wir müssen uns in den nächsten Monaten entscheiden, wie es für uns als Familie weitergehen soll. Dabei spielt der Faktor Schulausbildung unserer Kinder auch eine große Rolle. Julia kommt im Herbst in die 10. Klasse und dies ist die letzte Klasse, die mit ILS im Fernschulprogramm gemacht werden kann. Anschließend gibt es mehrere Möglichkeiten, die alle ihre Vor- und Nachteile haben, die es abzuwägen gilt. Alternativen, die wir uns vorstellen könnten, wären

1. Alternative: Wir bemühen uns um eine Vertragsverlängerung mit CFI und bleiben noch mindestens zwei bis drei Jahre länger in Papua. Dies würde nur gehen, wenn wir genügend finanzielle Unterstützung von unserem Freundeskreis bekommen und CFI uns auch über 2009 hinaus noch als Mitarbeiter einsetzen möchte. Julia würde in diesem Fall ab dem Herbst 2009 auf die internationale Schule in Sentani wechseln, die 30 Minuten von uns entfernt ist (Vorteil: weitere Vertiefung ihrer schon sehr guten englischen Sprachkenntnisse; gute Klassenatmosphäre, Freundinnen vor Ort gehen in die gleiche Schule; die Jungs können weiterhin mit einer Lernhelferin von CoWorkers International mit Fernschulmaterial unterrichtet werden, Rainer und ich können weiterhin Aufbauarbeit in Papua leisten. Nachteile: der Abschluss der internationalen Schule wird in Deutschland nicht als Abitur anerkannt und Julia müsste noch ein Jahr Studienkolleg machen, um die Anerkennung zu bekommen, bevor sie dann studieren könnte.)

2. Alternative
: Ich müsste mich verstärkt um eine Anstellung bei einer internationalen Entwicklungs­hilfeorganisation bewerben, die ihren Sitz in Jakarta hat und die sich in Papua engagiert. Ich könnte weiterhin Papuas für den Einsatz in Dorfentwicklungsprogrammen ausbilden und meine bisherigen Erfahrungen bei der Planung von Entwickungshilfemaßnahmen in Papua einbringen. Rainer könnte an Bibelschulen in Jakarta unterrichten und gelegentlich nach Papua fliegen, um die Abendbibelschul­bewegung weiter zu fördern. Wir müssten in diesem Fall nach Jakarta umziehen und die Kinder könnten dort in die deutsche Schule gehen. (Vorteil: gute Schulausbildung für die Kinder in deutschsprachigem Umfeld, Julia könnte ihr Abitur machen, eine normale Klassenatmosphäre im Gegensatz zu Einzel­unterricht wäre auch ein Motivationsschub für Jan und Benjamin, Möglichkeit zu Freundschaften mit deutschen Kindern, kein zu großer Kulturschock bei der Konfrontation mit dem deutschen Schulsystem für die Jungs, da auch indonesische Kinder in diese Schule gehen, Möglichkeit der Aufrechterhaltung von Freundschaften in Papua durch gelegentliche Besuche in den Ferien. Nachteile: noch keine konkreten Stellenangebote (wir werden uns in Jakarta aber weiter informieren), enorm hohe Schulkosten (ich müsste ein sehr hohes Gehalt bekommen, um die knapp 50.000 Euro Schulkosten im ersten Jahr für drei Kinder bezahlen zu können. Die Anmeldegebühren sind genauso hoch wie die Schulgebühren pro Jahr), höhere Lebenshaltungskosten in Jakarta, Großstadtanonymität, große Entfernung zu Papua)

3. Alternative:
Wir müssten zum Vertragsende im Sommer 2009 zurück nach Deutschland gehen. Rainer könnte sich als theologischer Lehrer an einer theologischen Schule bewerben und/oder ich könnte mich bei einer Entwicklungshilfeorganisation in Deutschland bewerben, die in Indonesien tätig ist. (Vorteile: Wiedereingliederung in das deutsche Schulsystem, normale Schulausbildung im Klassenverband für die Kinder, Chance zur Verbesserung der deutschen Sprache für Jan und Benjamin, besseres Kennen lernen der deutschen Kultur für die Kinder.  Nachteile: kein Eindruck von Gott, dass dies momentan unser Weg sein sollte, da unsere Arbeit in Papua momentan deutlich Früchte hervorbringt und noch nicht zu Ende ist, vorprogrammierter Kulturschock für die Kinder insbesondere wg. Anpassungsprobleme im deutschen Schulsystem und Verlust aller hiesigen Freundschaften.)

Bitte betet für uns, dass wir die richtige Entscheidung treffen. Für all diejenigen, die unseren Dienst bisher auch finanziell unterstützt haben oder sich dies für die Zukunft vorstellen könnten bitten wir um eine kurze Nachricht, ob ihr uns bei einer eventuellen Verlängerung unseres Vertrages (siehe 1. Alternative) auch weiterhin finanziell unterstützen würdet. Ohne finanzielle und Gebetsunterstützung von euch wäre ein Weiterführen unserer Arbeit hier ohnehin nicht möglich. Uns ist es wichtig, dass jeder, der einen Beitrag gibt, voll hinter unserer Arbeit stehen kann, deshalb möchten wir eure Meinung auch auf diese Weise in unsere Entscheidungsfindung mit einbeziehen.
 
Fußballentwicklungshilfe
Im Mai war hoher Besuch der FIFA bei uns in Papua. Monika, Staab, die ehemalige Bundesligatrainerin des 1. FFC Frankfurt (mehrmaliger deutscher Meister) kam im Auftrag der FIFA nach Papua, um eine coaching clinic für 40 ausgewählte Spielerinnen und 15 Fußballtrainerinnen zu machen. Ich habe Monika ins Indonesische übersetzt. Wir zwei und alle Beteiligten hatten viel Spaß und wir hofften schon damals sehr, dass sich der Besuch positiv auf die Förderung des Frauenfußballs in Indonesien auswirken wird. Am Tag nach Monikas Abflug rief mich die Direktorin des indonesischen Frauen-Fussballverbandes an, ob ich mir vorstellen könnte, Trainerin des Nationalteams zu werden. Sie ging ganz selbstverständlich davon aus, dass ich bereits eine Lizenz habe. Da ich aber noch keine solche Trainier-Lizenz vorweisen kann, schlug ich Rainers Bruder Timo als Trainer für die Frauen-Fußball-Nationalmannschaft vor. Die Damen fanden diese Idee ziemlich gut (vor allem da Timo ja eine A-Lizenz des DFB vorweisen kann und eine ganze Menge Erfahrung besitzt). Aber wie in so vielen Verbänden gibt es natürlich auch im indonesischen Fußballverband immer gewisse Streitigkeiten und Eifersüchteleien, so dass es zunächst schwer war, einen so engagierten und disziplinierten Trainer wie Timo zu verpflichten, da er sicher für einigen Schwung sorgen würde und manche Verkrustungen im System aufbrechen könnten. Nun ist es aber seit Mitte Juli offiziell. Timo ist tatsächlich zunächst einmal für drei Monate bis zu den Südostasien­meisterschaften in Vietnam im Oktober zum Nationaltrainer des Frauennationalteams berufen worden und Rainer wurde offiziell zu seinem Assistenten ernannt. Ich werde freiwillig als Betreuerin fungieren und bei der Trainingsarbeit im Trainingscamp mithelfen. Meine Aufgabe sehe ich da insbesondere im Seelsorgebereich, denn viele der Mädchen haben mentale Probleme aufgrund schwieriger Familien­verhältnisse oder weil sie sich generell noch nie richtig beachtet, angenommen oder geliebt gefühlt haben.
So haben wir nun also in den letzten Wochen neben all unseren anderen Aufgaben bei zwei Turnieren insgesamt 16 Papua-Spielerinnen für die weitere Selektion ausgewählt, die am 8.August mit dem Trainingslager in Tangeran bei Jakarta beginnen wird. Aus insgesamt 31 Spielerinnen aus ganz Indone­sien werden dann 18-22 Spielerinnen ausgewählt, die dann im Oktober nach Vietnam fliegen um dort bei den Asienmeisterschaften für Furore zu sorgen. Rainer und ich sind davon überzeugt, dass Gott uns allen diese Gelegenheit geschenkt hat, um ein Beispiel für Papua zu setzten, wie man mit einem fair ausge­wählten Team gute Leistung vollbringen kann. Bisher wurden Spielerinnen für die Nationalmann­schaft danach ausgewählt, wie viel Geld sie dafür bezahlt haben, oder danach, aus welchem Stamm sie kamen. Demzufolge war das Nationalteam immer recht schlecht und hatte international keine Chance. Wir sind davon überzeugt, dass vor allem die Papua-Mädchen, die ein enormes Potential an Spielstärke, Dynamik und Ausdauer aufweisen, durchaus mit asiatischem Niveau mithalten können, wenn sie vernünftig trainiert werden. Nun - wir werden sehen was die nächsten Monate bringen. Da Rainers Bruder Ralph im August in Jakarta heiratet und wir dringend unsere Pässe erneuern müssen hatten wir ohnehin schon geplant, nach Jakarta zu fliegen. Ich muss auch dringend eine vernünftige Zahnbehandlung bekommen, denn seit Mitte Mai hatte ich zeitweise unerträgliche Schmerzen und mehrere Wurzelbehandlungen, die alle ziemlich erfolglos verliefen (um nicht zu sagen katastrophal). Ich habe in meinem ganzen Leben zusammengenommen nicht so viele Schmerztabletten geschluckt, wie in den Monaten Juni und Juli. Es war einfach grausam. Mein Zahnarzt hat sich zwar stets bemüht, konnte aber nicht viel Schmerzen lindern und auch nachdem die Nerven von drei Problemzähnen gezogen waren, wurde es nicht besser sondern eher schlechter, so dass schließlich nach weiteren schlaflosen Nächten ein Zahn gezogen werden musste und ein anderer vor ein paar Tagen in zwei Teile gebrochen ist. Zwischendurch war ich allerdings trotzdem immer wieder zu Einsätzen im Hochland unterwegs. Gut mit Gebeten und Tabletten eingedeckt… Gott hat mir viel Kraft für den Unterricht gegeben, aber nachts konnte ich kaum ein Auge zu tun und war immer wieder mit meinem Zahnarzt in Funkkontakt um einen neuen Schmerztabletten­cocktail auszuprobieren. Es war schon etwas verrückt aber auch eine sehr intensive Zeit mit Gott, da ich wohl noch nie in meinem Leben so viel gebetet habe wie in dieser Zeit, aber auch einige Antworten von ihm bekam, die mich darin bestätigten, dass es ein Glaubenstest war. Nun hoffe ich, dass ich in der Zeit in Jakarta mal eine vernünftige Behandlung bekommen kann, da ich mindestens zwei Implantate brauche.
 
Was gibt’s neues von Rainer
Mitte Juli haben wir die 50. Abendbibelschulklasse (als Einjahreskurs) begonnen. Welch eine Freude zum kleinen Jubiläum! Und das im Zeitraum von 8 Jahren! Ein Grund zum Danken! In der nächsten Zeit werden einige Absolvierungen stattfinden und neue Klassen werden eröffnet werden. In den letzten Wochen war meine Zeit sehr stark gefüllt mit Unterricht an der Theologischen Hochschule und in vielen Abendbibelschulkassen in verschiedenen Landkreisen in Papua, sowie mit Predigtdiensten in Gemeinden und bei Evangelisationsveranstaltungen. Es ist immer wieder ein Vorrecht und eine Freude, das Evangelium und Gedanken zur aktuellen Situation in Papua weitergeben zu können. Und  das mit so einer offenen Resonanz. Ende Juli ist mein 19. Buch auf Indonesisch erscheinen: Grundinhalte der Gleichnisse Jesu (Intisari Perumpamaan Yesus), 160 Seiten. Das Arbeiten an dem Buch mit thematischen Aufgliederungen und kürzeren wissenschaftlich-praktische Auslegungen von 33 Gleichnissen Jesu hat mir große Freude bereitet. Mitte August kommt meine neue Video-CD  mit einer Sammlung von Liedern, die ich in den letzten Monaten komponiert habe, heraus. Der Titel lautet: ACP (Aku Cinta Papua) – „Ich liebe Papua“. Bei einigen Liedern geht es um die Wichtigkeit der Einheit in Papua. Ein wichtiges Thema hier, da es viel Misstrauen und Feindschaften zwischen den Stämmen gibt, was sich sehr negativ auf den Fortschritt auswirkt. Außerdem sind geistliche Lieder auf Indonesisch, in verschie­denen Stammessprachen (Studenten haben mir bei der Übersetzung geholfen) und auf Englisch dabei. Außerdem habe ich wieder zwei neue Fußballieder (Stadionlieder) für die zwei aus Papua stammenden Erstligamannschaften in der indonesischen Liga gemacht. Wir sind zutiefst dankbar für alle Unterstützun­gen im Gebet und auch für alle finanzielle Unterstützung die uns diesen Dienst in Papua ermöglichen!        
 
Noch ein paar Infos
Habt ihr eigentlich schon die neue Seite mit den witzigen Kindersprüchen auf unserer Homepage (www.scheunemann-papua.de.tl) angeguckt, die unsere tolle Lernhelferin Lea gesammelt hat. Da gibt es viel zu Lachen. Außerdem gibt es noch ein paar neue Seiten, wie zum Beispiel die Seite „was wir glauben“ als Unterseite von „Wer wir sind“ mit ein paar Anmerkungen dazu, warum wir eigentlich überhaupt an Jesus glauben und was der Glaube an Jesus im Le­ben eines Menschen bewirken kann. Außerdem gibt’s noch die neue Seite „Kleiner kultureller Ratge­ber“ für all diejenigen, die einen Besuch in Papua planen und nicht in alle Fettnäpfchen gleichzeitig treten wollen.
Für all die Kritiker unter euch die schon immer irgendwelche Zweifel gegenüber dem christlichen Glauben hatten und denen bisher noch niemand eine vernünftige Antwort geben konnte habe ich einen genialen Buchtipp. (Lee Strobel: Glaube im Kreuzverhör – Ein Journalist hinterfragt das Christentum, Gerth Medien, Asslar, 2001.) Da werden 8 Einwände gegen den christlichen Glauben besprochen und mit sehr guten Argumenten wird erklärt, warum es Sinn macht, an Gott zu glauben. Der Autor war früher ein sehr kritischer Atheist und ist dann Christ geworden. Ein super Buch!

Wir grüßen euch alle ganz herzlich aus Papua mit dem Vers aus Sprüche 3, Vers 5:
Verlass dich auf den Herrn von ganzem Herzen und Verlass dich nicht auf deinen Verstand,
sondern gedenke an ihn in allen deinen Wegen, so wird er dich recht führen.
 
Eure 5 Scheunis aus Papua Rainer, Heidi, Julia, Jan und Benjamin
 
Wer uns kontaktieren möchte oder weitere Infos wünscht kann diese Kontaktmöglichkeiten nutzen:
 
Telefon: 0062-967-572550
Postadresse:    
Kepada
Pdt. Dr. Rainer dan Heidi Scheunemann
Kotak Pos 345
Abepura 99351
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